Ins Parkhaus fahren, aussteigen und das Auto per Klick auf dem Smartphone zum Parken schicken: Der automatisierte Parkservice kommt ganz ohne den Fahrer aus. Genauso kommt das Auto auf Wunsch auch wieder vorgefahren. Entwickelt wurde die intelligente Parkhaus-Infrastruktur von Daimler und Bosch. Die Sensoren von Bosch überwachen dabei den Fahrkorridor sowie dessen Umfeld und liefern die Informationen für die Steuerung des Fahrzeugs, die die Technik im Auto in Fahrmanöver umsetzt. So können Autos auch eigenständig Rampen hoch- und herunterfahren sowie innerhalb des Parkhauses Stockwerke wechseln.

Sensoren im Parkhaus überwachen den Fahrkorridor sowie das Umfeld und liefern die Informationen für die Steuerung des Fahrzeugs.

Sensoren im Parkhaus überwachen den Fahrkorridor sowie das Umfeld und liefern die Informationen für die Steuerung des Fahrzeugs. Bosch

Der Nutzer ruft den automatisierten Vorfahr- und Einparkservice per Smartphone-App auf. Während der gesamten Fahraktion kommt das System ohne Sicherheitsfahrer aus. Es handelt sich nach einheitlicher Aussage von Bosch und Daimler um die weltweit erste behördlich für den Alltagsbetrieb zugelassene vollautomatisierte und fahrerlose Parkfunktion nach SAE Level 4. „Fahrerloses Fahren und Parken sind wichtige Bausteine künftiger Mobilität. Mit dem automatisierten Parksystem wird deutlich, wie weit wir auf diesem Entwicklungspfad bereits gekommen sind“, sagte Dr. Markus Heyn, Geschäftsführer der Robert Bosch GmbH. Die Entscheidung der Behörden zeige, dass Innovationen wie das automatisierte Valet-Parket zuerst in Deutschland möglich sind.

„Automated Valet Parking (AVP) ist als Retrofit-Lösung ausgelegt“, sagte Dr. Rolf Nicodemus von Bosch. Sie lasse sich auch in alte, enge Parkhäuser einbringen und ermögliche es, bis zu 20 Prozent mehr Fahrzeuge dort unterzubringen.

Der automatisierte Vorfahr- und Einparkservice wird per Smartphone-App abgerufen und kommt ohne Sicherheitsfahrer aus.

Der automatisierte Vorfahr- und Einparkservice wird per Smartphone-App abgerufen und kommt ohne Sicherheitsfahrer aus. Bosch

„Die Freigabe der Behörden in Baden-Württemberg hat Vorbildcharakter, um den Parkservice künftig auch weltweit in Parkhäusern zuzulassen“, erläuterte Dr. Michael Hafner, Leiter Fahrtechnologien und Automatisiertes Fahren der Daimler AG. Da für automatisierte Fahrfunktionen, die komplett ohne Fahrer auskommen, noch keine Zulassungsverfahren etabliert waren, begleiteten lokale Behörden sowie Gutachter des TÜV Rheinland das Projekt von Anfang an. Das Ergebnis ist ein umfangreiches Sicherheitskonzept mit entsprechenden Test- und Freigabekriterien, die auch über das Pilotprojekt hinaus Anwendung finden können. Darin haben die Entwickler einerseits definiert, wie das fahrerlose Fahrzeug Fußgänger und andere Autos im Fahrweg erkennt und bei einem Hindernis zuverlässig stoppt. Umgesetzt wurde auch eine abgesicherte Kommunikation aller Systemkomponenten untereinander sowie die zuverlässige Aktivierung des Parkvorgangs.

Als Ricky Hudi, damaliger E/E-Leiter bei Audi, im Jahr 2012 als Weltpremiere auf dem 16. Automobil-Elektronik Kongress in Ludwigsburg das Pilotierte Parken vorstellte, lauschten die Konferenzbesucher gespannt. Bereits auf dem 18. Automobil-Elektronik Kongress (2014) stellte Audi eine konkrete Umsetzung des pilotierten Fahrens vor, aber jetzt entschied offensichtlich Daimler (in Kooperation mit Bosch) das Rennen um das erste automatisierte Parksystem für sich.