Peter Gucher, General Manager International bei B&R

Peter Gucher, General Manager International bei B&R Redaktion IEE

Konkrete Zahlen wollte Peter Gucher noch nicht verraten, aber „wir werden auch 2016 stark wachsen“, sagte der General Manager von B&R im Vorfeld der SPS IPC Drives. Mit Blick auf den Maschinenbau, der laut Branchenverband VDMA im ersten Halbjahr 2016 ein Umsatzwachstum von 2 % gegenüber dem Vorjahreszeitraum erreichte, habe das Unternehmen diesen Wert deutlich übertroffen. „In den vergangenen Monaten haben wir sogar noch stark zugelegt“, so Gucher. Zum Vergleich: Das Geschäftsjahr 2015 schloss B&R mit einem Umsatz von 585 Millionen Euro ab, was einem Wachstum von 10 % entsprach.

Im laufenden Geschäftsjahr erstrecke sich das Wachstum auf alle Branchen; besonders stark der Bereich Verpackung, erläuterte Gucher. Dies zeigt Auswirkungen auf die Strategie: In den vergangenen 12 Monaten hat B&R unter anderem neue Büros eröffnet: in Valencia, Straßburg und Mumbai sowie eine Tochtergesellschaft in Finnland. Weitere Standorte sind laut Gucher weltweit in Planung.

SPS: Safety, Cloud und OPC UA

SuperTrak auf der Hannover Messe 2016

SuperTrak auf der Hannover Messe 2016 Redaktion IEE

Zur SPS bringt B&R das intelligente lineare Transportsystem SuperTrak mit, das bereits auf der Hannover Messe vorgestellt wurde (siehe auch Beitrag ‚B&R stellt Shuttle-System vor‘). Weitere Highlights am Stand sind Kommunikationslösungen auf Basis von OPC UA sowie neue Bestandteile des Mapp-Baukastens. So baut B&R bei der Mapp Technology das Software-Framework für die Bereiche CNC, Robotik, komplexe Regelungstechnik und Visualisierung weiter aus. Mapp Motion (Programmierung von Automatisierungslösungen Antriebstechnik) erhält beispielsweise ein neues Software-Paket, bei dem man laut Produktmanager Lukas Meßner „weniger programmieren“ muss und „mehr konfigurieren“ kann.

Aprol wird cloudfähig.

Aprol wird cloudfähig. B&R

Das Prozessleitsystem Aprol lässt sich zukünftig in der Cloud installieren und betreiben. Dazu werden die Daten von einer lokalen Aprol-Installation vorverarbeitet und komprimiert, sodass nur aussagekräftige Daten in die Cloud-Datenbank gelangen. Mit diesem Ansatz, der an das Konzept des Fog- oder Edge-Computings angelehnt ist, will B&R die Kosten für den Datenverkehr niedrig halten. Aprol unterstützt die Protokolle MQTT, AMQP und OPC UA.

Für das Programmierwerkzeug Automation Studio hat das Unternehmen unterdessen ein User-Rollen-System eingeführt, womit sich Zugriffsberechtigungen in OPC UA leichter verwalten lassen. Einem Nutzer werden ein oder mehrere Rollen zugewiesen und der Zugriff durch ein verschlüsseltes Passwort geschützt – Zugriff für Unberechtigte ausgeschlossen.

OPC UP und OpenSafety sollen die sichere Linienautomation ermöglichen.

OPC UP und OpenSafety sollen die sichere Linienautomation ermöglichen. B&R

Noch mehr OPC UA gibt es in Kombination mit OpenSafety. Damit will B&R die sichere Linienautomation ermöglichen. Das Ziel: sich selbst organisierende Sicherheitsnetzwerke. Damit soll es möglich sein, Maschinenteile oder ganze Maschinen aus dem Maschinennetzwerk zu entfernen oder zu ergänzen, ohne dass die Sicherheitstechnik neu programmiert werden muss. „Sogar sich selbst validierende Maschinenlinien sind denkbar“, sagt Produktmanager Franz Kaufleitner. Dazu wird mithilfe der OPC-UA-Security-Mechanismen eine sichere Verbindung hergestellt. Ein neues Gerät sucht nach weiteren Servern, die Safety-Funktionen anbieten. Anschließend wird mit den OPC-UA-Browsing-Services festgestellt, welche Funktionen mit welchen Attributen diese Server anbieten. So erlangt jeder OPC-UA-Server ein vollständiges Bild des Netzwerkes, ohne dass Code programmiert werden muss. Nun prüft die Sicherheitsapplikation, ob die neue Komponente bereits bekannt ist. Wenn nicht, wird der Anwender aufgefordert, die Richtigkeit der Konfiguration zu bestätigen. Dann kommt OpenSafety ins Spiel: Jede Komponente prüft, ob die vorliegende Konfiguration plausibel ist. B&R entwickelt außerdem ein Linear-Profil, mit dem Maschinen- oder Anlagenteile ihren Status direkt an ihre Nachbarn kommunizieren. Geht ein Maschinenteil in einen sicheren Zustand, entscheiden die direkten Nachbarn selbständig, ob sie auch in einen sicheren Zustand gehen müssen, oder – gegebenenfalls mit reduzierter Geschwindigkeit – weiterarbeiten können.

Transportsystem SuperTrak

SuperTrak, das B&R und das Unternehmen ATS auf Basis der B&R-Technik weiterentwickelt haben, ist auf den 24/7-Betrieb in rauen Industrieumgebungen ausgelegt. Bei dem linearmotorgetriebenen Fördersystem erfolgt die Umrüstung softwaregetrieben: Anwender brauchen lediglich über das Bediengerät oder über ein Produktionsplanungssystem eine andere Option auswählen und das Transport-System stellt sich automatisch auf das neue Produkt ein.

Robert Kickinger, Manager Mechatronic Technologies bei B&R

Robert Kickinger, Manager Mechatronic Technologies bei B&R Redaktion IEE

3 Fragen an Robert Kickinger

Herr Kickinger, was unterscheidet SuperTrak von anderen Transportsystemen?

Zum Beispiel die Meantime to Recovery: Wenn ein Fehler auftritt, lässt sich das System in unter einer Stunde wieder in Betrieb setzen, wenn die vorgeschlagenen Ersatzteile an der Produktionsstätte vorgehalten werden. Zum anderen durch die industrielle Einsetzbarkeit: Das Design der Führungen, die Rollen, Materialpaarung und Schmierung spielen hier eine Rolle.

Was müssen Anwender bei der Programmierung beachten?

Die Programmierung erfolgt in Automation Studio. Es gibt Standard-Bibliotheken, die wir anbieten, über die die Software-Applikations-Ingenieure des Kunden, SuperTrak so konfigurieren können, dass es die Aufgaben der jeweiligen Anwendung erfüllt. Das funktioniert teilweise über Drag and Drop.

Was ist das Besondere der Shuttles?

SuperTrak verfügt über eine reine Magnethalterung, das heißt, dass die Shuttles nur durch die Anziehungskraft, die ein Permanentmagnet auf die Shuttles ausübt, gehalten werden. Dadurch kann ich einfach durch Überwinden der Magnetkraft die Shuttles abziehen und geordnet Warten. Der Vorteil: Ich muss nicht das ganze Trak-System zerlegen.

Aussteller SPS IPC Drives 2016: Halle 7, Stand 206