Bridgestone Europa hat mit Tom Tom eine Vereinbarung zum Erwerb des Geschäftsfeldes Tom Tom Telematics für einen Barpreis von 910 Millionen Euro getroffen.

Bridgestone Europa erwirbt Tom Tom Telematics.

Tom Tom Telematics wird für 910 Millionen Euro an Bridgestone Europa verkauft. Bridgestone

Diese Transaktion bringt das Unternehmen aus der Reifen- und Gummibranche mit dem führenden Anbieter digitaler Flottenlösungen in Europa zusammen und schafft dadurch eine Datenplattform für vernetzte Fahrzeuge. Tom Tom Telematics soll die Entwicklung von Bridgestone zu einem „führenden Anbieter von Mobilitätslösungen in der Region beschleunigen“, teilte der Reifenhersteller mit. Durch den Zusammenschluss beider Unternehmensangebote erhält Bridgestone die Möglichkeit, Reifen und Lösungen an einen größeren Kundenstamm zu verkaufen. Darüber hinaus soll der zukünftige Datenzugriff die virtuelle Reifenentwicklung und bestehende Testverfahren sowie damit zusammenhängende Reifeninnovationen verbessern.

Mit dieser Investition will Bridgestone die eigene Digitalisierung in EMEA weiter vorantreiben und seine Fähigkeiten in der Datenerfassung durch Sensoren, Datenbanken und Analysen erheblich erweitern. Die Markteinführung digitaler Lösungen und Anwendungen wie Tirematics, Mobox, FleetPulse und Bridgestone Connect ist ein Beispiel dafür, wie Bridgestone neue Wege beschreitet.

Tom Tom Telematics, Vorreiter in einer Zukunftsbranche mit zweistelligen Wachstumsraten, passe strategisch zu Bridgestone, da es über eine große und wachsende Nutzerschaft von 860.000 Fahrzeugen verfügt, von denen mehr als zwei Drittel aus dem gewerblichen Umfeld seien, teilte Bridgestone mit. Tom Tom Telematics verfüge über ein auf die Marktbedürfnisse angepasstes System und ein digitales Angebot, das Web Fleet und Next Fleet umfasst. Die auf ganzheitlichen Datenanalysen basierenden Technologien griffen auf eine offene und skalierbare Cloud-basierte Plattform zurück. Tom Tom Telematics verarbeitet durchschnittlich über 800 Millionen GPS-Positionen, 3,3 Millionen Fahrten und 200 Millionen Datenpunkte pro Tag.

In dem Markt für elektronische Kartendaten ist viel Bewegung: So hatten schon Audi, BMW und Daimler den Kartendaten-Giganten Here erworben, der jetzt eine Schlüsselrolle bei Automatischen Fahren spielt. Here-CEO Edzard Overbeek hatte zum Beispiel auf dem Automobil-Elektronik Kongress 2018 die Keynote gehalten.

Bridgestone will Kompetenzzentrum für Flottenlösungen

Bridgestone verfüge über die entsprechenden Mittel, um das Geschäft von Tom Tom Telematics zu beschleunigen, ließ das Unternehmen verlauten. Das Unternehmen könne auf eine starke Marke, einen großen Kundenstamm, einen bevorzugten Lieferantenstatus bei vielen führenden Fahrzeugherstellern und -flotten weltweit sowie auf 2.600 Verkaufsstellen in EMEA zurückgreifen. Darüber hinaus bringe Bridgestone seine Investitionen im F&E-Bereich sowie die „Digitale Garage“ in Rom für die Entwicklung digitaler Mobilitätslösungen mit.

„Wir haben in Tom Tom Telematics einen perfekten Partner gefunden“, sagt Paolo Ferrari, CEO & President Bridgestone EMEA und Executive Vice President Bridgestone Group.  Mit ihren sich gegenseitig ergänzenden Mitteln und Fähigkeiten würden sie ein „führendes Kompetenzzentrum für Flottenlösungen“ schaffen und den digitalen Technologiezweig von Bridgestone weiter stärken. Zudem verschaffe ihnen diese Ergänzung ihres Angebots den Vorteil, Reifen und weitere Lösungen zusammen an ihre Kunden zu verkaufen. Jetzt seien sie in EMEA „optimal aufgestellt“, um ihr datenbasiertes Geschäft zu beschleunigen, den Flottenkundenstamm zu erweitern und „schnell wachsende, profitable Chancen in der Automobilmobilitätsbranche zu nutzen“, so Paolo Ferrari weiter.

„Nach einer gründlichen Prüfung mehrerer strategischer Optionen sind wir zu dem Entschluss gekommen, dass der Verkauf von Tom Tom Telematics an Bridgestone sowohl im besten Interesse von Tom Tom Telematics als auch in dem unseres Kerngeschäfts Navigationstechnologien ist“, sagte Harold Goddijn, CEO von Tom Tom. Sie würden weiterhin in ihr „innovatives Kartenerstellungssystem“ investieren, das schnellere Kartenaktualisierungen ermögliche, die Betriebskosten senke und den Weg zum autonomen Fahren ebne.