Jürgen Betz, Fujitsu Semiconductor in Langen

Jürgen Betz, Fujitsu Semiconductor in Langen

Vielleicht erinnern Sie sich noch an den Durchbruch Ende der 70er Jahre mit dem 8086-Mikroprozessor: Eine 16-Bit-CPU mit 4,77 MHz in einem 40-Pin-Gehäuse. Wir sind uns sicherlich alle einig, dass hier ein bis heute wichtiger Grundstein in der PC-Industrie gelegt wurde, auf dessen Basis wir heute noch arbeiten.

Etwa im selben Zeitraum sind die ersten Golf GTI auf der Straße, ausgestattet mit einem 1,6 l Einspritzmotor und 110 PS. Damals zählten noch die wahren Werte eines Fahrzeuges: Alufelgen, PS und Hubraum. Die Mobiltelefonie war noch analog im B-Netz unterwegs, das sogar schon ohne eine Vermittlungsstelle auskam. Eine Verbindung aus PC- und Automotive-Industrie war in jener Zeit aber undenkbar, eine gemeinsame Entwicklung wurde strikt abgelehnt.

Kürzlich war ich auf der Consumer Electronics Show (CES) 2011 in Las Vegas und durfte dort Super-Handys bestaunen, auch Tablet-PCs, die es nun in allen Größen und Varianten von nahezu jedem Hersteller gibt. Heute kommen hier Multicore-CPUs mit mehr als 1 GHz Taktfrequenz zum Einsatz. Die Anzahl der App-Stores wächst ebenso wie der Zugriff auf Internetdienste. Im Zeitalter von Flatrates leben wir unser Leben öffentlich mit Bildern und Kommentaren auf Facebook aus und alle reden von Cloud-Computing, auch wenn keiner so richtig weiß, was man damit eigentlich machen kann.

Selbst Fahrzeughersteller sind auf Messen wie der CES vertreten und verkünden das vernetzte Fahrzeug, mit dem wir „always on“ sein sollen. Heißt das im Umkehrschluss, dass ich meinen Freunden an jeder roten Ampel mal schnell auf Facebook meinen aktuellen Gefühlsausdruck mitteile oder ein Bild von der aktuellen Verkehrssituation uploade?

Vom Treiber zum Getriebenen

Jedenfalls getrieben durch stetig neue Mobile-Computing-Gerätschaften wachsen die Erwartungen der Kunden nach Rechenperformance und hochwertiger Grafik im Fahrzeug. Im Zeitalter von Super-Smartphones und Apps sind ganz plötzlich andere Elemente wichtig geworden. Für diese Generation werden sich in Zukunft Fahrzeugmarken auch über grafische Inhalte oder Frames per Second und angebotene Apps differenzieren und nicht mehr allein durch Alufelgen, PS und Hubraum.

Informationen oder auch Apps werden erlebbar gemacht. Es besteht die uneingeschränkte Freiheit, priorisierte Informationen in Bezug auf Fahrsituationen darzustellen. Im gleichen Atemzug stellen sich natürlich neue Fragen hinsichtlich Skalierbarkeit, benötigte Systemkomponenten und notwendige Entwicklungswerkzeuge. Wir als Halbleiter-Anbieter aus dem Hause Fujitsu setzen mit dem Systemlösungsgedanken, der auf einem technischen Ansatz basiert, auf das Prinzip eines modularen Baukastens. Dieser ist beliebig erweiterbar und in kurzen Zyklen ersetzbar, um die Lücke der unterschiedlichen Designzyklen von Consumer und Automotive zu schließen.

Mit unseren unterschiedlichsten Produktkombinationen aus Applikationsprozessoren, modularen Softwarekomponenten und HMI-Authoring-Tool können wir den Systemlösungsgedanken völlig frei ausleben. Der Kunde kann sich aus dem Portfolioregal frei an Hard- und Softwarekomponenten bedienen, diese an seine Bedürfnisse anpassen und nahezu beliebig mit weiteren Modulen, auch von anderen Anbietern, kombinieren, um seine „right-sized solution“ zu bekommen.

Im Wandel

Wir haben längst eine umfangreiche Wandlung von einem einfachen Hersteller von Mikrocontrollern zu einem modularen Systemanbieter für Hard- und Softwarekomponenten vollzogen. Im Bereich der Interior-Elektronik definiert sich damit die Rolle eines typischen Automotive-Tier-1-Systemlieferanten grundlegend neu. Tja, und selbst ich habe vor kurzem mal im Stau mit meinem Smartphone im Netz gepostet… Sie etwa auch schon?