Herr André, wie laufen die Geschäfte bei Rohm in Zeiten von Covid-19?

Christian André: Unser Geschäft läuft wie erwartet. Inmitten der Covid-19-Pandemie haben wir in unserem ersten Quartal 2020, das von April bis Juni 2020 geht, ein Umsatzminus von 10,8 Prozent zum Vorjahresquartal verzeichnet. Für das zweite Quartal von Juli bis September erwarten wir einen geringeren Rückgang gegenüber dem ersten Quartal 2020 von etwa 2,5 Prozent.

Christian André (links) im Interview mit AUTOMOBIL-ELEKTRONIK-Chefredakteur Alfred Vollmer)

Christian André (links, im Interview mit AUTOMOBIL-ELEKTRONIK-Chefredakteur Alfred Vollmer): „Wir investieren massiv in die SiC-Technologie, und bis zum Jahr 2025 werden wir unsere Kapazität gegenüber 2017 um den Faktor 16 erhöhen. Unser klares Ziel ist es, 2025 einer der bedeutendsten Lieferanten von Siliziumkarbid-Halbleitern im Automotive-Bereich zu sein und einen Marktanteil von 30 Prozent zu haben.“ Rohm

Wie ist die Situation im Automotive-Bereich?

Christian André: Automotive leidet noch stärker, aber wir sind zuversichtlich, dass es besser wird. Letztes Jahr machte Automotive 36 Prozent unseres Gesamtumsatzes aus, im Jahr davor 34 Prozent. Das Infotainment trägt den größten Teil dazu bei, gefolgt von ADAS, Powertrain und Chassis-Elektronik.

Welche Pläne hat Rohm im Bereich Antriebsstrang?

Christian André: Wenn wir von Powertrain sprechen, dann meinen wir damit das ganze Spektrum: von den Gate-Treibern bis zu den Leistungshalbleitern – sowohl für die Inverter als auch für die Onboard-Ladegeräte. Hier wollen wir klar in Richtung E-Achse gehen, denn dort werden die Volumenstückzahlen sein, und dort wird auch der Halbleiteranteil höher sein – allein schon von der Anzahl der Bauelemente her. Wir haben hier bereits einige Pkw-Projekte für die Mittel- und Oberklasse in der Pipeline, aber bis zu den Stückzahlen dauert es einfach eine gewisse Weile. Voraussichtlich in 2023/2024 werden wir dann wohl das Ramp-up sehen, aber in der aktuellen Situation könnte sich auch eine Verschiebung der Timeline ergeben.

Rohm tritt bei Siliziumkarbid-Halbleitern sehr stark auf. Welche Bedeutung hat SiC für Automotive?

Christian André: Wir haben zwar auch diverse IGBTs im Programm, aber bei uns treibt Siliziumkarbid das Wachstum, denn unsere Kunden vertrauen der Technologie, was vor zwei, drei Jahren bei weitem noch nicht der Fall war. Aber jetzt verstehen sie die Technologie besser, so dass sie sich trauen, sie in ihren Applikationen einzusetzen. Wir investieren massiv in die SiC-Technologie, und bis zum Jahr 2025 werden wir unsere Kapazität gegenüber 2017 um den Faktor 16 erhöhen – vom Substrat bis zu den fertigen Bauelementen. In 2018 hatten wir bei SiC nur ganz wenig Automotive-Geschäft, aber in den Bereichen Energie und Server spielte SiC schon damals eine wesentliche Rolle. Unser klares Ziel ist es, 2025 einer der bedeutendsten Lieferanten von Siliziumkarbid-Halbleitern im Automotive-Bereich zu sein und einen Marktanteil von 30 Prozent zu haben.

Christian André, Rohm „Jetzt ist die SiC-Technologie tatsächlich reif.“

Christian André, Rohm „Jetzt ist die SiC-Technologie tatsächlich reif.“ Rohm

Wie begründen Sie dieses massive Wachstum?

Christian André: Zunächst einmal sind wir vorbereitet, denn wir haben bereits vor zwei Jahren mit den Investitionen begonnen, und es geht noch zunächst fünf Jahre weiter. Der Hauptvorteil der Siliziumkarbid-Technologie ist ja die hohe Leistungsdichte. Damit erfordert sie einen viel kleineren Bauraum als Lösungen mit konventionellen Silizium-Halbleitern und bietet der neuen Fahrzeuggeneration einen echten Vorteil. Die OEMs haben diesen Vorteil erkannt, zumal das Gewicht der große Feind der E-Fahrzeuge ist.

Wir haben bei SiC eine Trench-Technologie entwickelt, mit der wir die Größe des Bauelements in drastischem Umfang senken können. Noch dieses Jahr, also 2020, werden wir die vierte Generation unserer SiC- Bausteine auf den Markt bringen. Mit der Double-Trench-Technologie haben wir den On-Widerstand unserer Bauteile drastisch verringert, und damit verkleinert sich der Chip, was wiederum Kostenvorteile mit sich bringt.

Wann OEMs aus Sicht von André große Stückzahlen von EVs fertigen, wie die Strategie von Rohm beim automatisierten Fahren aussieht und warum das Unternehmen SiCrystal gekauft hat, erfahren Sie auf der nächsten Seite.

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