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Chinas Maschinenbau rüstet auf. Sowohl im eigenen Land als auch mit Investitionen in ausländische Unternehmen.
China will weg von seinem Image als Billigwarenproduzent.

In den letzten zehn Jahren haben die deutschen Maschinen- und Anlagenbauer den Asienanteil beim Export von 17 % auf rund 30 % fast verdoppelt. China ist dabei bereits seit 2009 zum Exportland Nummer Eins geworden. Das Reich der Mitte ist aber nicht nur der größte Absatzmarkt für die deutschen Maschinenbauer. Das Land ist für ausländische Maschinenbauer weltweit der mit Abstand wichtigste Markt. Die Importe Chinas stiegen 2011 nach vorläufigen Schätzungen der Außenhandelsgesellschaft Germany Trade & Invest um 21,5 % auf 157 Milliarden US-Dollar. Berg-, Hoch- und Tiefbaumaschinen (+5,9 % auf 7,6 Milliarden US-Dollar) sowie Druckmaschinen (+8,8 % auf 11,9 Milliarden US-Dollar) verloren aber im Monatsvergleich kontinuierlich an Dynamik. Bei Werkzeugmaschinen (+39,9 % auf 13,2 Milliarden US-Dollar) und Papiertechnik (+35,0 % auf 1,8 Milliarden US-Dollar) hingegen ist die Konjunktur weiterhin positiv. Im Monatsvergleich wird aber ein Abwärtstrend über den gesamten Maschinenimport sichtbar. Belief sich das Plus im Januar 2011 im Vergleich zum Vorjahresmonat noch auf 68,1 %, so stagnierte die Einfuhr im November, und im Dezember war ein Rückgang um 8,3% zu verzeichnen.

Die Statistik zu Chinas Außenhandel mit Maschinen in Millionen US-Dollar zeigt, dass der Maschinenaußenhandel boomt – abgesehen von 2009 – schon seit vielen Jahren, und auch 2011 dürften neue Rekorde erzielt werden.

Die Statistik zu Chinas Außenhandel mit Maschinen in Millionen US-Dollar zeigt, dass der Maschinenaußenhandel boomt – abgesehen von 2009 – schon seit vielen Jahren, und auch 2011 dürften neue Rekorde erzielt werden.Chinesische Zollstatistik; Berechnungen von Germany Trade & Inves

Chinas Maschinenbau wird stärker

China gewinnt aber unter Wettbewerbsgesichtspunkten im Maschinenbau massiv an Bedeutung. „Die ‚Pflanze Maschinenbau‘ wächst mit hoher Geschwindigkeit“, betonte VDMA-Präsident Dr. Thomas Lindner anlässlich des VDMA-Außenwirtschaftstages Asean im März. Schon heute ist China mit weitem Abstand der größte Maschinenbauproduzent der Welt. 2010 produzierte das Land Maschinen im Wert von 481 Milliarden Euro oder 27 % der Weltproduktion. Außerdem liegt die Volksrepublik auf Platz vier der weltweit größten Maschinenbau-Exporteure. In den wichtigsten Wachstumsregionen der Welt hat der chinesische Export signifikant zugelegt, nicht nur in Asien. Das Land ist dabei insbesondere in Märkten mit mittleren technischen Anforderungen erfolgreich. Allerdings zeigen solche Zahlen die Situation nur unvollständig. Laut offizieller Statistik entfallen weit über die Hälfte aller chinesischen Ausfuhren auf in China tätige ausländische Unternehmen. Außerdem hängen die im Land produzierenden einheimischen und internationalen Hersteller stark von Zulieferungen aus dem Ausland ab. Von dort beziehen sie oftmals alle wichtigen Kernkomponenten und Vorprodukte. Für die Produktion ist ausländisches und insbesondere deutsches Fertigungstechnologie gefragt.

Von 2009 auf 2010 legte die Maschineneinfuhr in den meisten Sparten kräftig zu. Die Tabelle zeigt eine Auswahl der Maschineneinfuhr nach China in Millionen US-Dollar.

Von 2009 auf 2010 legte die Maschineneinfuhr in den meisten Sparten kräftig zu. Die Tabelle zeigt eine Auswahl der Maschineneinfuhr nach China in Millionen US-Dollar.China Monthly Imports & Exports, Chinesische Zollstatistik, Berechnungen von Germany Trade & Invest

Der VDMA zieht aus dieser Situation Konsequenzen und rät: „Hat man das Potenzial, in China langfristig orientiert vorzugehen, dann sollte man es auch anpacken. Ich meine, es ist besser, selbst in die Höhle des Löwen zu gehen, anstatt zu warten, bis die chinesische Konkurrenz irgendwann in der eigenen Höhle auftaucht“, erklärte Lindner. Unternehmensbeispiele hätten gezeigt, dass stärker auf die Anforderungen des Marktes zugeschnittene Produkte zusätzliche Geschäftschancen eröffnen könnten. Darüber hinaus könnten Kooperationen beispielsweise in den Feldern Service oder Vertrieb Optionen für eine intensivere und kosteneffizientere Marktbearbeitung sein. Neben Antworten auf chinesische Kostenvorteile sollten auch Chancen in Drittmärkten für eigene ‚Made in China‘-Produkte geprüft werden.

Kein Billiglohnland mehr

Lange war China vor allem als günstiger Produktionsstandort bei vielen westlichen Unternehmen gefragt. Vor allem die Provinz Guangdong wird deswegen auch als die Exportprovinz Chinas bezeichnet. Nahezu 30 % der landesweiten Ausfuhrgüter werden hier produziert. Doch die Wirtschaft befindet sich im Umbruch. Lagen die Löhne vor wenigen Jahren noch im zweistelligen US-Dollar-Bereich, verdiente 2011 eine ungelernte Kraft im Perlflussdelta bereits zwischen 300 und 400 US-Dollar pro Monat.

Ein Billigstandort ist Südchina damit nicht mehr. Die ersten Firmen haben daher ihre Fertigung verlagert. Die meisten wollen aber bleiben und ihre Produktion modernisieren. Bereits jetzt gibt es zahlreiche Nachbarstaaten, in denen die Arbeitsentgelte auf einem merklich niedrigeren Niveau liegen. Das macht sich insbesondere die Textilindustrie, die ihre Fertigung nur bis zu einem gewissen Grad automatisieren kann, zu Nutze. Nach Angaben der Hongkong General Chamber of Textiles und des Textile Council of Hong Kong sind die ersten Branchenbetriebe bereits aus Südchina abgewandert und haben sich in Vietnam, Kambodscha oder Bangladesch angesiedelt. Die Spanne dürften sich in den nächsten Jahren drastisch erhöhen. Die Löhne im Perlflussdelta sollen nach Einschätzung von Credit Suisse zwischen 2010 und 2015 um insgesamt 139 % steigen. Das entspricht einem jährlichen Zuwachs von 19 %. Darüber hinaus müssen die Unternehmen mit steigenden Grundstückspreisen und Mieten, sich verschärfenden Umweltauflagen und einer aufwertenden Landeswährung rechnen.

China kauft ein

China baut aber nicht nur die Maschinenproduktion im eigenen Land aus. Sein kaufinteressierter Blick fällt immer öfter auf deutschen Maschinenbauunternehmen. Ein Grund für das gestiegene Interesse ist, dass die Chinesen dem US-Dollar nicht mehr ganz trauen, nachdem sie in den Jahren zuvor fleißig amerikanische Staatsanleihen gekauft hatten. Sie investieren lieber in Unternehmen, besonders gerne in deutsche. In chinesischer Hand sind beispielsweise die Maschinenbauer Dürkop Adler, Waldrich, Schiess oder Assyst Bullmer sowie Emag. Die Deutschen beäugen diese Entwicklung mit Skepsis. Sie befürchten Heuschreckenkäufe und Know-how-Abwanderung. Deutsches Know-how einzukaufen ist auf jeden Fall ein Ziel der Chinesen. Deutsche Ingenieure und auch das deutsche Ausbildungssystem genießen im Reich der Mitte einen sehr guten Ruf. Bisher ist jedoch nicht zu beobachten, dass die chinesischen Investoren das Wissen aus ihren deutsche Einkäufen absaugen und sie dann an den Nächstbesten weiter verscherbeln. Denn den chinesischen Investoren geht es auch oft um einen Einstieg in den europäischen Markt, dessen Qualitätsansprüche sie mit chinesischer Produktion – noch – nicht erreichen können. Außerdem lässt sich eine Produktion nicht einfach 1:1 von Deutschland nach China verpflanzen.