Beim Großanlagenbau muss alles auf Anhieb sitzen. Ein durchgängiges Engineering hilft dabei.

Beim Großanlagenbau muss alles auf Anhieb sitzen. Ein durchgängiges Engineering hilft dabei.Höckh

Ein Beispiel für eine der komplexen Großanlage des Maschinenbauers ist eine Anlage für Tiefzieh-Blechstanzteile, die im Herbst 2012 auf 3.200 m² Fertigungsfläche in Neuenbürg bei Pforzheim fertiggestellt wurde. Fünf Ingenieure hatten gut ein Jahr lang an ihrer Entstehung gearbeitet. Zehn Schaltschränke hat die Anlage, über 700 Seiten Schaltpläne waren zu erstellen und im CAD mussten insgesamt 16.800 Teile verarbeitet werden.

Neue Technologien und ausgeklügelte Verfahrens- und Steuerungstechnik kamen dabei zum Einsatz: Benutzeranmeldung – mit unterschiedlichen Berechtigungen – und Warenidentifikation über RFID gehören ebenso dazu wie eine bedienerfreundliche Touchpanel-Steuerung und ein aufwendiges Sicherheitskonzept mit Lichtgittern. Mit Blick auf die Vielfalt der verwendeten Geräte erläutert Fabian Camek, der die Elektrokonstruktion/Pneumatik leitet: „Wir haben sämtliche Bus-Standards eingesetzt, die es gibt.“

Bedienerfreundliche Touchpanel-Steuerung im Konstruktionsschema ...

Bedienerfreundliche Touchpanel-Steuerung im Konstruktionsschema …Höckh

Um dieses aufwendige Projekt stemmen zu können, stieg die Elektrokonstruktion bei voller Auftragsauslastung zum Jahreswechsel 2011 auf 2012 und noch während die Arbeiten an der aktuellen Großanlage bereits angelaufen waren, auf Eplan Electric P8 mit dem Zusatzmodul Eplan Fluid für die Pneumatikkonstruktion um. Mit dem Support von Eplan gelang der Schritt in zwei Monaten, berichtet Camek: „Wir hatten für P8 und Eplan Fluid das Eplan-Consulting mehrfach im Haus, zweimal sogar eine Woche am Stück. Dazu wurden wir vom Helpdesk unterstützt“

...und am fertigen Objekt.

…und am fertigen Objekt.Höckh

Fleißarbeit beim Datenstamm zahlt sich aus

Es war aufwendig den ganzen Materialstamm neu anzulegen und die Artikeldatenbank intelligent aufzubauen. Aber die Vorarbeit hat sich gelohnt, weiß Fabian Camek. Erleichterung bringt hier das Eplan Data Portal: Komponenten, zum Beispiel von Siemens, lassen sich als Makro im Eplan-EDZ-Format importieren, inklusive mehrsprachigen Artikelstammdaten und durchgängig einheitlicher Produktbild- und Schemadarstellung. Das schaltet Fehlerquellen aus und beschleunigt Projektierung und Konstruktion. Nur für wenige Spezialteile müssen die Ingenieure selbst die Makros anlegen.

Mit Eplan Fluid ist auch die Pneumatikkonstruktion inzwischen vollständig integriert. Wichtig ist dem Unternehmen eine hohe Datendurchgängigkeit in der Konstruktion, damit Luftschlauch- und Elektroleitungen perfekt zusammenpassen und jeder Schalter oder Behälter im Schalt- und im Pneumatikplan die gleiche Bezeichnung trägt.

3D- und PDM-Support aus einer Hand

Geräte vieler Hersteller lassen sich per Eplan Data Portal problemlos als Makro importieren.

Geräte vieler Hersteller lassen sich per Eplan Data Portal problemlos als Makro importieren.Höckh

An diesem Punkt wollten Fabian Camek und Mechanik-Konstruktionsleiter Josip Heger aber nicht stehenbleiben. Sie nutzten den Umstieg auf Eplan Electric P8, um auch die Werkzeuge für die Mechanik-Konstruktion zu verbessern. Höckh setzt die Autodesk Product Design Suite mit der 3D-CAD-Lösung Autodesk Inventor und dem PDM-System Autodesk Vault ein. „Für laufende Betreuung und Support dieser Systeme haben wir uns für Eplan entschieden, weil so alles aus einer Hand kommt“, erläutert Josip Heger. Bei der Systempflege durch mehrere unterschiedliche Anbieter „zeigt stets einer auf den anderen, wenn‘s nicht läuft“; so habe das Unternehmen einen verantwortlichen Ansprechpartner.

„Angesichts der Komplexität des Umstiegs hat sich die Unterstützung durch Eplan auf jeden Fall bezahlt gemacht“, meint der Konstruktionsleiter. Da man in der Vergangenheit mehrfach auf ein jeweils besseres System umgestiegen ist, war die Datenstruktur nicht homogen; trotzdem müssen die Projektdaten „auch für unsere alten Anlagen, die zum Teil seit 25 Jahren laufen, für Service, Nachrüstarbeiten oder Ersatzteilfertigung immer zur Hand sein.“

Ein zentraler Datenspeicher

In der mithilfe der Eplan-Berater entworfenen Architektur werden Zeichnungen, CAD-Modelle und alle anderen Projektdokumente unter Autodesk Vault verwaltet und zugeordnet. Ziel ist, dass die gesamte Firma, auch die Elektroplanung, alle Dokumente in Vault zentral speichert und jeder im Betrieb – je nach seiner Berechtigung – Zugriff hat. Mittelfristig soll über die Eplan-Plattform neben Elektro- und Pneumatikkonstruktion auch die MSR-Planung mit Eplan PPE integriert werden. Die Idee dahinter ist, jede Änderung durchgängig in allen Instrumenten sichtbar zu machen.

Durchgängiger Datenfluss

Mit Eplan alles am richtigen Platz: Fabian Camek an einem von zehn Schaltschränken der Großanlage

Mit Eplan alles am richtigen Platz: Fabian Camek an einem von zehn Schaltschränken der GroßanlageHöckh

In der maßgeschneiderten Implementierung greifen die einzelnen Werkzeuge reibungslos ineinander. Aussagekräftige 3D-Konzepte aus Autodesk Inventor erleichtern die Kommunikation mit den Kunden schon von der Vorprojektierung bis zur Auftragserteilung – ein wichtiger Aspekt im Großanlagenbau, wo Prototypen und Modelle nur als Visualisierung am Computer machbar sind. Auch die Elektrokonstruktion tut sich leichter, wenn sie über den zentralen Datenspeicher auf die Inventor-Modelle zugreifen und ihnen Informationen entnehmen kann.

Stücklisten für sämtliche Projekte und Bestellungen können aus der Eplan-Datenbank generiert werden. Für Michael Höckh, Geschäftsführer und Projektleiter, zahlt sich das nicht nur in der schnelleren und präziseren Projektrealisierung aus: „So können wir auch vernünftige Nachkalkulationen über unser ERP-System anstellen, weil jeder einzelne Artikel in der Dokumentation auftaucht.“

Zusammenarbeit mit der Softwareentwicklung

Auch die Softwareabteilung, die die Anlagensteuerung mit vier Personen programmiert, profitiert von den Tools, weiß Fabian Camek: „Ich muss dem Programmierer nicht 700 Seiten Konstruktionsplan in die Hand drücken, sondern kann ihm einfach eine aus Eplan generierte Liste der Ein- und Ausgänge übermitteln. So ist alles durchgängig.“ Die Ein- und Ausgänge werden aufgrund des durchgängigen Wörterbuchs in der gleichen Sprache benannt – auch deswegen funktioniert die Zusammenarbeit mit der Softwareabteilung so reibungslos.

Maßgeschneiderte Lösung: Die automatische Teilezuführung, die Lasten bis 600 kg handhaben kann.

Maßgeschneiderte Lösung: Die automatische Teilezuführung, die Lasten bis 600 kg handhaben kann.Höckh

Vollautomatisch anhand von Formularen erfolgt auch die Beschriftung von Betriebsmitteln wie Schildern oder Ventilen auf Thermodrucker oder Laminierfolie. Die Textausgabe ist in verschiedenen Sprachen möglich – wichtig für ein Unternehmen wie Höckh, das viele Anlagen ins Ausland liefert, die grundsätzlich in der jeweiligen Landessprache beschriftet werden.

Der Kraftakt hat sich gelohnt, bestätigt Michael Höckh: „Da steckt viel Zeit, Arbeit und nicht unerhebliche Investitionen in technische Ausrüstung und Schulungen drin, aber es zahlt sich aus.“