Bild 1: Jeder Tactile Switch besitzt individuelle Charakteristika.

Bild 1: Jeder Tactile Switch besitzt individuelle Charakteristika. Panasonic

Eckdaten

Markus Lehmann, Product Marketing bei Panasonic Industry Europe, betrachtet die Designfragen von Wearables aus dem Blickwinkel von elektromechanischen Komponenten.

In den späten 1980er Jahren wurde LifeAlerts „HELP! I’ve fallen and I can’t get up!” zu einem der bekannsten Catchphrases der Infomercials. Das Gerät des Unternehmens, das für Senioren beworben wurde, bot damals die einfache und gleichzeitig revolutionäre Möglichkeit, im Falle eines Sturzes die Notfallhilfe via Knopfdruck zu alarmieren. Und richtig geraten, es handelte sich dabei um eines der ersten für die Massenproduktion geschaffenen medizinischen Wearables. Wearables, auch bekannt unter dem etwas sperrigen deutschen Begriff „Tragbare Computersysteme“, umfassen alle Vorrichtungen, die am Körper getragen werden können. Diese Definition beinhaltet alles, von Schrittmachern, Aktivitätsverfolgern wie Fitnessarmbändern und Uhren bis hin zu Smart Watches. Immer mehr Menschen, die an einer chronischen Krankheit leiden, nutzen die digitalen Hilfsmittel, um ihre Lebensqualität zu verbessern und ihre Krankheit zu bewältigen. Wearables haben sich dabei aber von lebensrettenden Geräten auch zu Modeaccessoires entwickelt und kommen derzeit als Activitätsmonitor-Armbänder, Smartwatches und Smart Glasses bis hin zu GPS-tauglichen Schuhen auf den Markt. Sprich: Wearables sind schon längst im Massenbewußtsein angekommen und stehen mit den Entwicklungsschritten, die wir derzeit auf dem Sensor- und Wirelessmarkt sehen, erst noch vor dem richtig großen Durchbruch.

Elektromechanische Eingabe-Komponenten

Wie stark tragbare Computersysteme dabei sind, den Markt zu erobern, wird deutlich wenn man sich folgende Zahlen vergegenwärtigt: Allein im dritten Quartal 2017, verzeichneten tragbare Computersysteme ein Plus von 7,3 Prozent gegenüber dem Vorjahr und kamen auf 26,3 Millionen verkaufte Einheiten, laut eines Berichts des IDCs Worldwide Quarterly Wearable Device Tracker, 2017. Dabei zeigt sich, dass die Geräte längst nicht mehr nur zur Anzeige von zum Beispiel der Pulsfrequenz beim Joggen verwendet werden, sondern, um sich einen allgemeinen Überblick über die eigene Fitness zu verschaffen. Der Konsument sucht dabei vermehrt nach intelligenten Wearables (dies sind Geräte, die Anwendung von Drittanbietern ausführen) und weniger nach tragbaren Computersysteme, die nur einfache Funktionen ermöglichen. Dieser Trend hin zu Mehrzweckgeräten stellt die Anbieter gängiger Wearables vor die Herausforderung, den Grat zwischen Praktikabilität und Design zu finden. Im Fokus dieser Veränderung stehen auch gerade elektromechanische Eingabe-Komponenten.

Was wir gerade auf dem Markt sehen, lässt sich ganz gut anhand eines Vergleiches darstellen. Vom elektromechanischen Standpunkt sind eine Armbanduhr und eine Smartwatch völlig entgegengesetzt und erfordern beide ein unterschiedliches Design. Die Krone einer analogen Armbanduhr wird sehr unregelmäßig genutzt, dient sie doch lediglich der Einstellung der Uhrzeit und zum Handaufzug der Gangreserve. Bei einer Smartwatch wird über die elektromechanische Eingabekomponente durch verschiedene Anzeigefelder gewechselt, durch das Menü gescrollt oder Einstellungen individuell justiert – es werden Pulsnachrichten verwaltet, die Wochenperformance in Sachen Fitness ausgerechnet, Musik ausgewählt und vieles mehr. Dabei ist der Kontakt und die Bedienbarkeit von entscheidender Bedeutung, da durch sie überhaupt erst ein Erleben der Smartwatch ermöglicht wird: es muss ein befriedigendes, haptisches Erleben oder ein positives „Click Feeling“ (Haptik) erzeugt werden, ein hoher Lebenszyklus garantiert sein und eine Konsistenz in der Bedienung erreicht werden. Sprich: desto mehr Funktionalität und Möglichkeiten mit in das Endgerät eindesignt werden, desto mehr tritt auch die Frage nach dem richtigen Taster in den Vordergrund.

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