Der Utility-Film als Bedienhilfe: Einarbeitung ohne Text und Sprache.

Der Utility-Film als Bedienhilfe: Einarbeitung ohne Text und Sprache.Memex

Mehrere Schwierigkeiten bestehen: Viele Werker mit oder ohne Migrationshintergrund haben Probleme im Textverstehen und in der praktischen Umsetzung von Textinformationen. In der Summe ergibt sich daraus ein gravierende Kosten- und Qualitätsproblem im Unternehmen.

Global agierende Firmen mit hoch qualifizierten Servicemitarbeitern haben ein ähnliches Problem. Allerdings liegt dies weniger an der sprachlichen Qualifikation der Mitarbeiter. International verteilte Service-Standorte sollen schnell mit Informationen versorgt werden. Wenn möglich zeitgleich, müssen Servicetechniker aller Produktionsstandorte neue Bauteile, Maschinen oder Produktionsmethoden umsetzen. Lange Einarbeitungszeiten oder zentrale Trainingsveranstaltungen am Hauptstandort sind zu kostenaufwändig.

Gefordert ist demnach eine Kommunikation, die international verständlich und wenn möglich ohne Text und Sprache auskommt. Das Bewegtbild in Form von Videos, 3D-Animationen oder Screenvideos ist die ideale Form dieser Art der Wissensvermittlung. Allerdings gelingt dies nur, wenn die Bewegtbildanleitung auch inhaltlich entsprechend aufgebaut ist.

Informationen in kleinen Partikeln

Die visuelle Didaktik des Utility-Films ist speziell auf die Vermittlung von Handlungswissen abgestimmt. Was bedeutet das konkret?

Alle Handlungsschritte, die vermittelt werden sollen, sind in kleine Schritte aufgeteilt. Eine goldene Regel hat sich in diesem Zusammenhang herausgestellt: Nach drei Sekunden fangen Anwender an, Anleitungsschritte nachzuahmen. Dabei folgt er nicht mehr dem Filmverlauf mit dem Risiko, dass erfolgs- bzw. sicherheitsrelevante Details übersehen werden. Dies ist in herkömmlichen, linearen Anleitungsfilmen häufig der Fall, da sie durchgängig mehrere Minuten Anleitungsschritte zeigen.

Der Utility-Film hingegen zeigt tatsächlich jeweils in zirka dreisekündigen Clips Handlungsabläufe und bleibt dann im Standbild stehen. Das Standbild gibt dem Anwender so viele Informationen, dass er sich den Videoclip nicht noch einmal anschauen muss, sondern die gezeigte Handlung sofort umsetzt.

Sehen statt hören und lesen

In den einzelnen Videoclips wird komplett auf Sprache verzichtet. Der Anwender ahmt den Vorgang nach, der ihm gezeigt wird. Dabei muss jedoch die Wahrnehmung und die Arbeitsumgebung des Anwenders besonders berücksichtigt werden. Zeigen reicht oftmals nicht aus. Auf sensible oder sicherheitsrelevante Details wird gesondert hingewiesen. Bildgrammatiken, Piktogramme, visuelle Inhaltsverzeichnisse und visuelle Abfrageboxen sind einige Beispiele, wie textlose Utility-Film-Anleitungen funktionieren.

Was ist ein Utility-Film?

„Unter einem Utility-Film versteht man einen sprachfreien oder spracharmen interaktiven Anleitungsfilm, der aus einzelnen, miteinander verlinkten Videoclips besteht. Jeder Handlungsschritt wird in einem separaten wenige Sekunden langen Videoclip dargestellt. Der Anwender kann sich einen Videoclip ansehen und anschließend die Handlung ausführen, der Utility-Film stoppt dabei automatisch und wird erst auf Befehl des Anwenders fortgesetzt. Auf diese Weise wird der gesamte Arbeitsvorgang durchgeführt.

Im Gegensatz zum Utility-Film ist eine Videoanleitung ein durchgängiger Film. Utility-Filme können aus Videos, 2D/3D-Animationen, Trickfilmen, Screencasts (Software-Videoanleitungen) oder andere Bewegtbildmedien bestehen. Utility-Filme kommen vorwiegend an Arbeitsplätzen zum Einsatz. Sie werden je nach Einsatzgebiet und Anwendung auf Laptops, Displays an Maschinen, kleineren tragbaren Geräten wie Palmtops oder auch speziellen Brillen betrachtet.“ (Wikipedia)