Bayern gehört zu den wirtschaftlich stärksten Regionen in Deutschland und Europa. Und dennoch lässt sich noch vieles verbessern. Ein wichtiges Thema ist die wirtschaftliche Lage in Europa, da fast zwei Drittel der Elektro-Exporte in die europäischen Nachbarländer gingen und rückläufig seien. Für Bayern hat Stephanie Spinner-König, seit Anfang 2013 amtierende Vorsitzende der ZVEI-Landesstelle Bayern, festgestellt, dass bisher in jedem Monat dieses Jahres insgesamt die Umsatzzahlen geringer waren als im entsprechenden Vorjahresmonat: „Das bedeutet, dass wir dieses Jahr voraussichtlich mit viel Glück 55 Milliarden Euro Umsatz in der bayerischen Elektroindustrie erwarten dürfen.“ 2012 lag der kumulierte Umsatz noch über 57 Milliarden und im Jahre 2011 gut über 60 Milliarden Euro. „Wir treten auf der Stelle und die Hoffnung auf eine positive Wende ist dünn. Trotzdem hoffen wir alle auf einen Aufschwung 2014“, sagte Spinner-König. Sie leitet hauptberuflich den auf Hochfrequenz-Produkte spezialisierten Spinner-Konzern, München, der im Jahr 2012 knapp 86 Millionen Euro umsetzte und weltweit durchschnittlich 1167Arbeitnehmer beschäftigt hatte. Frau Spinner-König ist Nachfolgerin des vor gut einem Jahr völlig überraschend im Alter von 61 Jahren verstorbenen Kommerzialrats Prof. Dr. Dr. h.c. Anton Kathrein. Sein Sohn, Dipl.-Ing. Anton Klaus Kathrein, hat in dritter Familiengeneration die unternehmerische Verantwortung der Kathrein-Werke, Rosenheim, übernommen. Der Kathrein-Umsatz betrug im Jahr 2012 mehr als 1,33 Milliarden Euro und soll 2013 auf rund 1,36 Milliarden Euro anwachsen.

Die bayerische Elektroindustrie ist mit 205.000 Beschäftigten die größte Industriebranche in Bayern. Die ZVEI-Landesstelle Bayern hat die neugewählte bayerische Landesregierung aufgefordert, für Spitzenunternehmen der digitalen Wirtschaft eine aktive Ansiedlungspolitik zu betreiben. Der stellvertretende Vorsitzende der Landesstelle, Günter Baumüller, sagte bei der Mitgliederversammlung der bayerischen Elektroindustrie: „Bayern muss die Chancen der Digitalisierung optimal nutzen und eine führende Rolle übernehmen und den Produktionsverlagerungstrend nach Asien umkehren.“ Aus sicherheitspolitischen Gründen gelte dies auch für den Hardwarebereich, betonte Baumüller: „Wir brauchen dazu eine digitale Infrastruktur für den Freistaat Bayern und diese Kommunikationsinfrastruktur muss bedarfsgerecht und flächendeckend in ganz Bayern, nicht nur in den Ballungsräumen zur Verfügung stehen.“ Mit dem im vergangenen Monat von der EU-Kommission genehmigten Breitband-Ausbauprogramm kann in Bayern die Infrastruktur von morgen gestaltet werden.

Messtechnik

Die Schaltmatrix ZN-Z84 für komfortable Vektornetzwerkanalyse mit bis zu 48 Toren gehört zu den aktuellsten Produkten aus dem Messtechnikbereich von Rohde & Schwarz.

Die Schaltmatrix ZN-Z84 für komfortable Vektornetzwerkanalyse mit bis zu 48 Toren gehört zu den aktuellsten Produkten aus dem Messtechnikbereich von Rohde & Schwarz.Rohde & Schwarz

Auf ein besonders erfolgreiches Geschäftsjahr 2012/2013 (Juli bis Juni) konnte Rohde & Schwarz zurückblicken. Der Auftragseingang überschritt zum ersten Mal in der 80-jährigen Firmengeschichte die Grenze von zwei Milliarden Euro. Der Umsatz stieg auf 1,9 Milliarden Euro, was einem Plus von 4,8 Prozent entspricht. Zum Geschäftsjahresende zählte das in München ansässige Familienunternehmen 9300 Mitarbeiter. Für das Geschäftsjahr 2013/2014 ist Manfred Fleischmann, Vorsitzender der Geschäftsführung, zuversichtlich: „Wir haben das Unternehmen mit Weitblick ausgerichtet. Es steht auf einem äußerst stabilen Fundament.“ Dabei wird auf die vier strategischen Säulen gesetzt: Messtechnik, Rundfunk, Sichere Kommunikation sowie Funküberwachungs- und Funkortungstechnik. Erneut leistete die Mobilfunkmesstechnik den größten Beitrag zum Unternehmenserfolg. Zum Unternehmen gehören unter anderem Hameg, Gedis, Ipoque, Swiss Qual und Rohde & Schwarz DVS.

Das auf die Distribution von Mess- und Automatisierungstechnik spezialisierte ebenfalls unabhängige Familien-Unternehmen Meilhaus Electronic ist gerade dabei den Firmensitz nach mehreren Jahrzehnten von Puchheim bei München ins etwa 5 km weiter westlich gelegene Allingen zu verlegen. Einige Mitarbeiter sind bereits dort, zum Jahresbeginn soll der Umzug komplett vollzogen sein. Doch nicht nur Handelsware befindet sich im Programm, als Entwickler moderner Compact-PCI-Komponenten ist Meilhaus Electronic seit 2004 Associate Member of PXI System Alliance.

Embedded

Nach wie vor ist die Anzahl an bayerischen Unternehmen von Weltrang relativ hoch, die sich mit der Entwicklung und Herstellung von CPU-Boards und CPU-Modulen beschäftigen. Beispielhaft seien hier Congatec, DSM (jetzt zum Distributor Avnet gehörend), Kontron, MEN Mikro Elektronik und TQ Components genannt.

Mit dem KTQ67/Flex-MED Motherboards stellt Kontron erstmals ein Standard Flex-ATX-Board mit zwei EN60601-1-konformen, isolierten Ethernet-Schnittstellen vor.

Mit dem KTQ67/Flex-MED Motherboards stellt Kontron erstmals ein Standard Flex-ATX-Board mit zwei EN60601-1-konformen, isolierten Ethernet-Schnittstellen vor.Kontron

Der Platzhirsch Kontron ist aktuell allerdings von sehr großen Umbauten betroffen. Innerhalb eines Jahres wurde der gesamte Vorstand ausgetauscht, die Standorte Kaufbeuren und Roding werden geschlossen und die Zentrale von Eching bei München nach Augsburg verlegt. Die Vorbereitungen der zukünftigen Standortkonzentration laufen unter der Leitung des seit Anfang 2013 amtierenden Vorstandsvorsitzenden der Kontron AG, Rolf Schwirz, auf Hochtouren. Dadurch will Kontron künftig Synergien in den Bereichen Forschung und Entwicklung, Produktion sowie dem Vertrieb heben. In diesem Zusammenhang steht derzeit rund ein Drittel des Produktportfolios auf dem Prüfstand. Dabei wurden bereits 700 Produkte identifiziert, die auf absehbare Zeit auslaufen werden. Mit dem verkleinerten Produktportfolio soll sowohl die Komplexität in Entwicklung, Produktion und Vertrieb verringert als auch die Effizienz gesteigert werden. Ebenso wird das Netzwerk mit Lieferanten und Vertriebspartnern gestrafft. Das komplexe Netzwerk von aktuell 1900 Lieferanten soll auf weniger als 500 und die 100 Vertriebspartner auf weniger als 40 Unternehmen reduziert werden.

Der M-Modul-Träger G204 in 3-HE-CompactPCI-Serial für flexible Ein-/Ausgabe ist ein Beispiel aus der Produktvielfalt von MEN.

Der M-Modul-Träger G204 in 3-HE-CompactPCI-Serial für flexible Ein-/Ausgabe ist ein Beispiel aus der Produktvielfalt von MEN. MEN Mikro Elektronik

Auch bei MEN gab es in diesem Jahr eine bemerkenswerte Veränderung: Im Rahmen einer Nachfolgeregelung wurde mit der Equita Holding KGaA der Kaufvertrag zum Erwerb der Mehrheit der Anteile an der MEN Mikro Elektronik GmbH, Nürnberg, unterzeichnet. Die Transaktion erfolgt unter maßgeblicher Rückbeteiligung von Manfred Schmitz – als CEO und Mitbegründer der Gesellschaft – sowie unter Beteiligung weiterer Mitglieder des Management-Teams. MEN entwickelt und produziert seit über 30 Jahren ausfallsichere Computer-Baugruppen und Rechnersysteme für sicherheitskritische Anwendungen und extreme Umweltbedingungen, bei denen die Komponenten Erschütterungen, Feuchtigkeit, Staub und starken Temperaturschwankungen ausgesetzt sind. Mit über 250 Mitarbeitern liefert das Unternehmen Steuerungs-, Mess-, Test- und Simulationsrechner für alle Arten von Embedded-Systemen weltweit.

Katalog-Distribution im Profibereich

Die Zielmärkte des Conrad-Electronic-Bereichs Business Supplies.

Die Zielmärkte des Conrad-Electronic-Bereichs Business Supplies.Conrad Electronic

Die weltweit agierenden sogenannten Katalog-Distributoren wie beispielsweise Mouser, Digi-Key, RS Components bemühen sich zunehmend um Elektronikentwickler, die bekanntermaßen zunächst nur einen geringen Bauelementebedarf haben. Auch Conrad Electronic aus Hirschau in der Oberpfalz hat diesen Markt entdeckt und sein Engagement im professionellen Distributionsbereich deutlich verstärkt. Seit Mai 2013 leitet Holger Ruban als President Business Supplies europaweit das Geschäft. Er war zuvor in leitenden Positionen bei Farnell tätig. Aktuell wird jetzt in Deutschland auch ein Leiterplatten-Bestückungsservice angeboten. Das integrierte Online-Angebot ermöglicht Entwicklern das Design, Layout und die Bestellung fertig bestückter Leiterplatten. Der Service unterstützt auch das Design, die Fertigung und Lieferung lasergeschnittener Schablonen für SMD-Platinen. Conrads Bauteil- und Leiterplattenservice erfüllt die Industriestandards und ist kompatibel zu den meisten gängigen Layout-Programmen, einschließlich Eagle, Altium, Orcad und Target 3001. Den Kunden steht schon seit einiger Zeit eine kostenlose Vollversion der CAD-Software Target 3001 zur Verfügung, mit der professionelle Layouts angefertigt werden können. Bei den lasergeschnittenen SMD-Schablones arbeitet Conrad mit dem  Leiterplatten-Spezialisten Beta Layout zusammen.

EMV-Testkammern

Die CSA Group (Canadian Standards Association) hat am Standort Straßkirchen eine neue EMV-Testkammer für den europäischen Automobilmarkt in Betrieb genommen. Die Absorberhalle ist Teil eines der größten Prüfzentren für EMV-Tests in Europa. Mit dem Ausbau der Niederlassung Straßkirchen treibt die Non-Profit-Organisation darüber hinaus bis Januar 2014 die vollständige Integration der akquirierten Mikes-Testing Partners GmbH und Emitel GmbH voran. Beide Unternehmen sind ebenfalls in Straßkirchen ansässig. Die Geschäftstätigkeit der CSA Group Bayern GmbH umfasst wesentliche Dienstleistungen wie Umwelttests für den Automobilsektor, Tests für Elektrofahrzeuge, Elektrowerkzeuge, IT, Sicherheit und Umwelt, Haushaltsgeräte sowie viele weitere Produktkategorien. Das EMV-Testkammergeschäft scheint zu boomen, denn auch die Berner & Mattner-Schwesterfirma Silver-Atena hat am Standort München eine neue EMV-Kammer in Betrieb genommen. Sie bietet auf 24 m² ausreichend Platz, um elektronische Geräte intensiven Qualifikationstest zu unterziehen und ergänzt so das Angebot an umfassender Geräte-Qualifikation.