Die Katek SE – mehrheitlich in der Hand der familiengeführten Holding Primepulse SE – ist dabei, sich als neuer Spieler im deutschen und europäischen EMS-Markt (Electronic Manufacturing Services) aufzustellen. Zielsetzung ist, zügig unter die Top-Zehn in Europa zu gelangen. Die Akquisitionen der Steca GmbH (Memmingen), der Katek GmbH (Grassau) und der ETL GmbH (Mauerstetten) sind der erste Schritt und dürften die Katek SE bereits auf Rang 3 oder sogar 2 in Deutschland gebracht haben.

Heute ist der Markt grob dreigeteilt: Es gibt die großen, weltweit aktiven EMS-Anbieter (der Einfachheit wegen seien hier die Feinunterscheidungen EMS, E²MS und ODM unter EMS zusammengefasst) aus Asien und den USA, die sich 44 Prozent des europäischen Marktes teilen. Der einzige deutsche EMS-Anbieter von Weltrang, Zollner, mit knapp fünf Prozent Marktanteil in Europa und Milliarden-Umsatz, ist heute in Europa einzigartig in Bezug auf Format, komplettes Angebot und Größe und somit der prädestinierte Partner für all jene deutschen und europäischen OEM, die aus diversen Gründen eine stabile Alternative zu den Großkonzernen aus Asien und den USA suchen.

Rainer Koppitz von Katek SE

Katek SE wandelt sich zu einem der größten EMS-Anbieter. Katek

Unterhalb von Zollner folgt – lange nichts. Europaweit mehr als 1500 weitere Unternehmen, die sich zusammen 52 Prozent Marktanteil teilen. Die meisten davon mit weit unter zehn Millionen Jahresumsatz sehr klein, einige wenige über 100 Millionen Jahresumsatz, nur eine Handvoll Spieler mit mehr als 200 Millionen Umsatz. Auf Dauer werden die meisten dieser Unternehmen nicht überleben können, da sie weder die notwendigen Investitionen in einem sich immer stärker innovierenden Markt stemmen können, noch dem europäischen OEM-Mittelstand, geschweige denn den Großunternehmen, ein langfristig stabiler Partner sein können. Die Fragmentierung in Europa spielt den riesigen Asiaten und Amerikanern in die Hände.

EMS-Anbieter müssen nach Einschätzung von Katek eine kritische Größe von mehreren hundert Millionen Umsatz erreichen, um dauerhaft stabil zu sein, zu besten Konditionen Teile einzukaufen, in die neuesten Technologien zu investieren und – anders als viele kleinere Anbieter – keine ungesunde Kundenkonzentration aufzuweisen. Außerdem müssen sie in der Lage sein, alle wesentlichen Branchen, mitsamt der notwendigen Zertifizierungen, bedienen zu können, die gesamte Wertschöpfungskette abdecken – von der Entwicklung (wo gefragt) bis hin zum Aftersales -, kleinste Losgrößen bis hin zur Großserie beherrschen und einen intelligenten Mix an Fertigungsstandorten aufweisen.

Die Katek SE Gruppe mit ihren aktuell drei Töchtern deckt diese Kriterien bereits jetzt weitgehend ab, will aber durch gezielte Investitionen in weitere Akquisitionen in den nächsten Quartalen komplementäre Skills und Fertigkeiten hinzufügen, um alle OEM ein überzeugendes Alternativ-Angebot machen zu können.

Katek führt Groß-Serien-Aufträge durch

So zeichnet sich die 100 Prozent-Tochter Katek GmbH durch Werke in Grassau und Ungarn aus, die auf Basis aller gängiger Zertifizierungen automatisierte Groß-Serien-Aufträge durchführen kann und über eine Best-in-Class Prüftechnik verfügt. Die Steca wiederum mit ihren Werken in Memmingen und Bulgarien hat Know-how im Bereich der Leistungselektronik für Solar/Energie mit einer eigenen Entwicklungsmannschaft aufgebaut und bedient daneben OEM mit überwiegend mittelgroßen Losgrößen von Automotive bis weißer Ware und Healthcare.

ETL als jüngstes Mitglied der Familie ergänzt das Portfolio mit einem Werk in Mauerstetten, das sich durch Flexibilität auszeichnet und auch kleinste Losgrößen inklusive NPI/Prototyping bis hin zu Komplettgeräten bewältigen kann. Ein Fokus liegt auf Embedded Systems, die ETL nicht nur fertigen, sondern auf Wunsch auch End-to-End für alle Branchen entwickelt.

Die Katek SE soll mehr sein als nur die Summe aus ihren Töchtern,  das soll mit einem„Schnellboot-Konzept“ umgesetzt werden. Die Töchter sollen als eigenständige GmbH mit P&L-Verantwortung weiterhin schnell, agil, flexibel und unternehmerisch agieren. Und zusätzlich sollen Synergien, speziell in den Bereichen Vertrieb/Marketing und Strategischer Einkauf, durch eine zentrale Steuerung zum Vorteil der Kunden gehoben werden. Auch soll die Einrichtung von „Competence Centers“ in der Verantwortung einzelner Töchter helfen, rare Ressourcen zum Beispiel in Prüftechnik, Entwicklung oder Prototypen-Fertigung, nicht doppelt auszubauen, sondern allen Gruppenmitgliedern zur Verfügung zu stellen.