Oliver Frese, Geschäftsbereichsleiter der Hannover Messe, und Maxim Zverkov, Präsident der Formika Gruppe, der Gesellschaft, die für die ­Organisation des Partnerlandauftritts verantwortlich ist, unterzeichnen den Partnerlandvertrag im Februar in Moskau.

Oliver Frese, Geschäftsbereichsleiter der Hannover Messe, und Maxim Zverkov, Präsident der Formika Gruppe, der Gesellschaft, die für die ­Organisation des Partnerlandauftritts verantwortlich ist, unterzeichnen den Partnerlandvertrag im Februar in Moskau.Deutsche Messe

Als Partnerland der Hannover Messe legt die Russische Föderation ihren Fokus auf Energie, industrielle Automation und neue Materialien. Neben einer Präsentation auf dem russischen Zentralstand in Halle 26 nutzt das Partnerland die Messe, um die Stärken Russlands als Wirtschaftsnation und sechstgrößte Volkswirtschaft der Welt hervorzuheben.

Prof. Rainer Lindner, Geschäftsführer des Ost-Ausschusses der Deutschen Wirtschaft, betont: „Der deutsch-russische Handel hat 2012 mit einem Volumen von über 80 Milliarden Euro einen neuen Rekord markiert. Der russische WTO-Beitritt (World Trade Organisation) wird 2013 für zusätzlichen Schwung sorgen und gerade technologiestarken Mittelständlern neue Geschäftsmöglichkeiten eröffnen.“ Der Ost-Ausschuss vermittelt seit 60 Jahren zwischen der deutschen und russischen Wirtschaft. Mehr als 100 russische Unternehmen präsentieren sich auf einer Ausstellungsfläche von 4.500 m2. Noch nie haben sich so viele russische Unternehmen an einer Industriemesse außerhalb des eigenen Landes beteiligt. Das russische Energieministerium zeigt zum Beispiel auf einer Fläche von rund 1.000 m2 die russische Energiebranche im Themenbereich Energy in der Halle 13.

Schwerpunkte sind Energieerzeugung und -transport sowie die Modernisierung der Verteilernetze. Der Gemeinschaftsstand des Russischen Ministeriums für Bildung und Wissenschaft ist auf im Bereich Research & Technology in der Halle 2 untergebracht. Dort werden Kooperationsprojekte in der industrienahen Forschung gezeigt.

Russland ist nach Angabe der Außenhandelsgesellschaft Germany Trade & Invest (GTAI) für deutsche Maschinenbauer der viertgrößte Exportmarkt – nach China, den USA und Frankreich. Die deutschen Maschinenlieferungen betrugen im ersten Halbjahr 2012 mehr als 4 Milliarden Euro. Das entspricht einem Plus von 14 % im Vergleich zum Vorjahreszeitraum. „Die Chancen, dass der Exportrekord des Jahres 2008 von knapp 8,1 Milliarden Euro eingestellt wird, stehen gut“, kommentierte Dr. Ralph Wiechers, Chefvolkswirt des Verbandes der Maschinen- und Anlagenbauer (VDMA). „Die Geschäftschancen für deutsche Maschinenbauer in Russland sind ausgezeichnet und die Hannover Messe 2013 mit Russland als Partnerland wird eine hervorragende Gelegenheit sein, diese Chancen in Aufträge umzusetzen“, betonte Wiechers.

Russlands Industrie muss sich dringend modernisieren

Die Wirtschaftsdynamik Russlands basiert maßgeblich auf den Einnahmen aus Öl- und Gasexporten. Eine weltweit relativ stabile Nachfrage nach Erdöl und -gas vorausgesetzt, bringen hohe Rohstoffpreise Devisen und Kaufkraft ins Land. Davon profitieren auch die Investitionen ins Anlagekapital: sie legten im Zeitraum Januar bis Oktober 2012 um 9,5 % auf 1.285,7 Milliarden Rubel (circa 32,1 Milliarden Euro) zu.

Zudem muss sich Russland dringend um die Modernisierung seiner Industrie kümmern. Außerdem will das Land seine wirtschaftliche Abhängigkeit von Rohstoffen wie Öl und Gas und ihren stark schwankenden Preisen lockern. Die russische Regierung ist sich dessen bewusst und hat im Dezember 2012 das Programm ‚Entwicklung der Industrie und Erhöhung ihrer Konkurrenzfähigkeit bis 2020‘ beschlossen. Laut dem Branchenverband ‚Union der Maschinenbauer Russlands‘ gibt es im Land mehr als 1 Millionen Industriemaschinen, die 20 Jahre und älter sind. Das schränkt die internationale Wettbewerbsfähigkeit der russischen Wirtschaft beträchtlich ein. Mit Mitteln in Höhe von 500 Milliarden Rubel (rund 12,5 Milliarden Euro) sollen Industriezweige wie die Metallurgie, der Automobilbau sowie die Leicht- und Chemieindustrie unterstützt werden.

Fahrzeugbau boomt

Nach Berechnungen des VDMA gibt es in Russland rund 26.000 Unternehmen, die sich mit Maschinenbau beschäftigen. Der Sektor erweist sich 2012 nur in Teilen als robust. Aufstrebend zeigen sich einerseits die Produktion von Anlagen zur Energieerzeugung und -übertragung sowie die Elektrotechnik. Daneben ziehen die Hersteller von elektronischen und optischen Anlagen eine positive Bilanz, ebenso der Fahrzeugbau. Auf der anderen Seite war der eigentliche Maschinen- und Anlagenbau 2012 mit einem Plus von 10,7 % verheißungsvoll in das Jahr gestartet, doch dann war ein Rückgang zu beobachten. Diese Abwärtsbewegung spiegelt aber nur bedingt den tatsächlichen Maschinenbedarf der Russen wider. Eher zeugt die Entwicklung von einer nachlassenden Wettbewerbsfähigkeit örtlicher Maschinenbauer gegenüber der ausländischen Konkurrenz. Bislang können russische Maschinen kaum mit Importprodukten konkurrieren. Einheimische Maschinen sind selten weltmarktfähig, haben klare Produktivitätsnachteile gegenüber westlichen Modellen, verbrauchen in der Regel mehr Ressourcen und sind reparaturanfälliger. Auch beim After-Sales-Service hinken die russischen Anbieter der Auslandskonkurrenz hinterher. Ein großes Problem ist auch der Fachkräftemangel im Maschinenbau.

Unter den wichtigen Abnehmerbranchen für Maschinen und Anlagen ist eine positive Entwicklung in der chemischen Industrie zu sehen, etwa in der Textil- und Bekleidungsindustrie, in der Holzverarbeitung, in der Koksproduktion und in der Verarbeitung von Kohlenwasserstoffen sowie in der Metallerzeugung und -verarbeitung. Rückläufige Umsätze vermelden dagegen die Nahrungsmittel- und Getränkeindustrie, die Leder- und Schuhhersteller, die Papier- und Zelluloseindustrie und der Druck- sowie der Kunststoffsektor. Geradezu stürmisch entwickelt sich der Fahrzeugbau, ein Trend, den vor allem das Engagement ausländischer Automobilkonzerne stützt. Dadurch gelangen frisches Kapital und Technologie ins Land.