Elektromobilität

Das inoffizielle zentrale Thema der IAA war die Elektrifizierung des Antriebsstrangs, wobei Kanzlerin Angela Merkel während der Eröffnung die klimafreundliche Verkehrswende als „Herkulesaufgabe“ bezeichnete. Dass hierbei nicht immer nur reine E-Fahrzeuge die einzige Alternative sind, stellte ZF mit einem Hybridansatz hervor, bei dem die rein elektrische Reichweite knapp jenseits der 100 km liegt. „So wird das E-Fahrzeug zum Erstfahrzeug, das gleichzeitig langstreckentauglich ist“, betont Stephan von Schuckmann, Executive Vice President der Division Car Powertrain Technology. „Außerdem ist hierfür keine Hochvolt-Lade-Infrastruktur erforderlich, weil bei diesen Batteriekapazitäten das AC-Laden über Nacht oder am Arbeitsplatz ausreicht.“ Gleichzeitig weist er auf einen wesentlichen Nebenschauplatz hin: „Mit einer kleineren Batterie ist der Wertverlust nach acht bis zehn Jahren wesentlich geringer“, und auch die Kosten des Neufahrzeugs dürfte solch ein Ansatz im Vergleich zu einem langstreckentauglichen EV massiv senken.

Elektromotor

Bild 3: Nicht nur Bosch, wie hier im Bild zu sehen, sondern auch Zulieferer wie Aisin, Borg Warner, Continental, CRRC, Denso, Hella, Schaeffler, Valeo und ZF stellten ihre (System-)Lösungen rund um die Elektromobilität ausführlich vor. Alfred Vollmer

Mit seinem „EV Plus“ genannten System geht ZF diese Thematik systematisch an, indem sich die elektrische Reichweite auf über 100 km erhöht, was laut ZF-CEO Wolf-Henning Scheider dann folgende Konsequenz zur Folge hat: „Echte Elektromobilität wird mit nur einem Familienauto möglich.“ Und da nach Angaben von Stephan von Schuckmann nur eine Reichweite von 80 bis 90 km erforderlich ist, um 80 Prozent der Bevölkerung zu erreichen, könnte man mit diesem Ansatz wirklich sehr viel für die Verbesserung des Klimas tun, während gleichzeitig die Investitionen in die konventionelle Verbrennertechnologie noch nicht so schnell abgeschrieben werden müssen – allerdings nur, wenn die Endkunden auch wirklich möglichst viel elektrisch fahren.

Gleichzeitig betonte der ZF-CEO mehrfach, dass ZF „technologieoffen“ sei, weil der Zulieferer auch Lösungen für reine E-Fahrzeuge sowie für Verbrenner im Programm habe – eine Argumentation, die auch Matthias Zink, CEO Automotive OEM bei Schaeffler, nutzte. Dabei betonte er besonders die hohe Wertschöpfungstiefe seines Unternehmens von der Wickelmaschine bis zum hochintegrierten E-Antriebssystem, wobei die Hybridtechnologie für Schaeffler offensichtlich eine besondere Rolle spielt.

Brennstoffzelle

Brennstoffzelle

Bild 4: Diverse Unternehmen wie Elring Klinger oder Schaeffler (hier im Bild zu sehen) zeigten ihre Brennstoffzellen-Stacks und stellten ihre Lösungen für Range-Extender auf Wasserstoffbasis aus. Alfred Vollmer

Gleichzeitig stellte Schaeffler auch Ergebnisse eines Vorentwicklungsprojekts rund um die Brennstoffzellen-Technologie aus. Bosch beabsichtigt, Brennstoffzellen bezahlbar zu machen, und Elring-Klinger stellte die Brennstoffzellen zumindest optisch gleich in den Mittelpunkt seiner Messeaktivitäten. Das NM12 genannte Niedertemperatur-Brennstoffzellen-Stackmodul des Unternehmens eignet sich für den Wasserstoff-Luft-Betrieb; flüssiggekühlt arbeitet es im Druckbereich bis 2,5 bar. Mann + Hummel wiederum stellte unter anderem Filtrationstechnologie aus, die das in Brennstoffzellen genutzte Kühlmittel auf einer niedrigen elektrischen Leitfähigkeit hält.

Warum eine Batterie zwei Spannungen haben kann und 48-V-Systeme so wichtig sind, wird auf der nächsten Seite erklärt.

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