In den vergangenen Jahren haben OEMs ihre Infotainmentsysteme und Kombi-Instrumente im Fahrzeug grundlegend überarbeitet (Bild 1), um mit der zunehmend aufkommenden Konnektivität im Alltag Schritt halten zu können. Das Smartphone-Zeitalter hat die Verbraucher dazu angespornt, zunehmend nach personalisierten digitalen Lebensstilen zu suchen – auch in Bezug auf Fahrzeuge. Eines der hervorstechenden Merkmale des digitalen Cockpits ist die breite Palette an Apps und Funktionen, die für Fahrer und Passagiere verfügbar sind. Die Liste der Funktionen, die diese Apps bieten, ist nahezu endlos und ermöglicht Gerätekonnektivität, Medienwiedergabe, Anpassung des Fahrzeugkomforts, der Navigation und der Geschwindigkeit und vieles mehr.

Konsole

Bild 1: Die Schlüsselelemente im digitalen Cockpit, samt Infotainmentsystem und Kombi-Instrumenten. QT

Die Herausforderung für OEMs besteht jedoch darin, digitale Cockpits zu entwickeln, die so ansprechend wie möglich, aber dennoch sicher und benutzerfreundlich sind. Um sich auf die Zukunft vorzubereiten, sollten sich die OEMs auf die Entwicklung intelligent gestalteter digitaler Cockpits konzentrieren, die sowohl eine Sammlung an anpassbaren Apps und Funktionen bieten und gleichzeitig intuitiv bedienbar sind. Diese Hindernisse sind keineswegs leicht zu überwinden, aber diejenigen OEMs, die ein umfassendes und funktionssicheres Benutzererlebnis bieten, können sich mit ihren digitalen Cockpits von der Masse abheben.

Eck-Daten

Was früher Tasten und Drehknöpfe im Fahrzeug waren, sind heute Smartphone-ähnliche Oberflächen. Mit diesen digitalen Schnittstellen erhalten Fahrer und Hersteller zunehmend eine größere Funktionalität und Konnektivität, wodurch sich das Erscheinungsbild des Fahrzeuginnenraums grundlegend verändern wird. Während sich die autonomen Fahrzeuge noch in den Kinderschuhen befinden, bringen die heutigen IVI-Systeme auf Touchscreen-Basis die Branche einem zukunftsweisenden Fahrerlebnis einen Schritt näher. Für die OEMs bedeutet dies Herausforderung und Chance zugleich.

Es gibt drei Haupttrends, mit denen sich Automobilhersteller auseinandersetzen müssen, sofern sie sich auf einem höchst volatilen Markt mit steigenden Kundenanforderungen und stetig neuen Technologien als relevant erweisen wollen.

Trend 1: Digitale Displays werden größer und einheitlicher

Die Entwicklung hin zu einem besseren Fahrerlebnis verlief in den vergangenen Jahren in großen Schritten. Ursprünglich waren die digitalen Steuerungen im Fahrzeug stark isoliert: Das mittlere Armaturenbrett steuerte die Medien- und Radiofunktionen, ein anderer Bereich das HLK-System und ein eigenständiger Satz von Steuerungen verwaltete das Infotainmentsystem auf den Rücksitzen. Darüber hinaus galt das analoge Kombi-Instrument, das mit elektromechanischen Nadeln Geschwindigkeit, Drehzahl und mehr anzeigte, als eigenständiges Segment des Fahrzeugsteuerungssystems.

Vor acht Jahren hat der Unternehmer und Mitbegründer von Netscape, Marc Andreessen erklärt, dass „Software die Welt frisst“. In seiner Abhandlung über den wachsenden Einfluss von Software in allen Branchen ging Andreessen auf die Auswirkungen auf den Automobilsektor ein. Der Unternehmer erklärt dort, dass in den im Jahr 2011 aktuellen Autos Software die Motoren laufen lasse, Sicherheitsfunktionen steuere, Passagiere unterhalte, Fahrer zu Zielen führe und jedes Auto mit Mobil-, Satellit- und GPS-Netzen verbinde. Die Entwicklung von fahrerlosen softwaregesteuerten Autos sei bei Google und den großen Autoherstellern dabei gerade in vollem Gang.

Die aktuellen Kundenbedürfnisse bestimmen diesen grundlegenden Übergang zu softwarezentrierten Produkten, weshalb alle OEMs heute diesem Trend folgen. Automobilhersteller konzentrieren sich darauf, einheitlichere Softwarefunktionen bereitzustellen, um ein besseres Benutzererlebnis zu erzielen. Dieser Trend orientiert sich an den benutzerfreundlichen Oberflächen heutiger Smartphones, die die Erwartungen der Verbraucher an jeden Gerätetyp beeinflusst haben. Deshalb haben Autohersteller damit begonnen, digitale Hochleistungsschnittstellen in ihren Fahrzeugaufstellungen einzusetzen, einschließlich digitaler Kombi-Instrumente, Infotainmentsysteme und Heads-up-Displays, um den Verbrauchern die Funktionen vernetzter Autos näher zu bringen. Zum Beispiel verfügt der Tesla Model S über einen 17-Zoll-Touchscreen, der nicht nur typische Navigations- und Medienfunktionen, sondern auch jede andere Steuerung im Auto über einen einzigen Bildschirm verwaltet.

Softwareplattform

Bild 2: Eine Softwareentwicklungsplattform, auf welcher digitale Kombi-Instrumente konzeptionell erstellt werden. QT

Im Jahr 2020 dürfte das Kundenbedürfnis nach Benutzerfreundlichkeit, Zuverlässigkeit und Leistung zu größeren und umfassenderen In-Car-Bildschirmen führen, unterstützt durch leistungsstarke Softwarelösungen. Irgendwann erstrecken sich diese digitalen Cockpits möglicherweise sogar über die gesamte Fahrzeugfront (siehe Bytons M-Byte-SUV mit einem 48-Zoll-Bildschirm). Die größeren und fortschrittlicheren digitalen Bildschirme sind nicht nur benutzerfreundlich, sondern verbessern auch die Sicherheit von Fahrern und Beifahrern, indem sie wichtige Informationen bereitstellen, zum Beispiel rot werdende Ampeln oder Warnmeldungen bei Unfällen sowie unsichere Straßenbedingungen. Da sämtliche Informationen nicht mehr auf einem kleinen Bildschirm konzentriert sind, ist der Fahrer auch weniger abgelenkt und das Unfallrisiko sinkt zusätzlich.

Trend 2: Digitale Displays verbessern Übersichtlichkeit und erhöhen Sicherheit

Die für autonome Fahrzeuge erforderliche Technologie hat nach aktuellem Stand noch keine Marktreife erlangt. 2018 stellte Bob Lutz (ehemaliger stellvertretender Vorsitzender von General Motors) fest, dass die Software für fahrerlose Autos noch nicht einsatzbereit ist. Tatsächlich gibt es eine Vielzahl von Software-Herausforderungen, die eine breite Akzeptanz autonomer Fahrzeuge hemmen. Eines der entscheidenden Probleme hierbei ist der Faktor Sicherheit.

Die Sicherheit der Benutzer ist einer der kritischen Aspekte des modernen Fahrerlebnisses. In den letzten Jahren hat die Branche einen wachsenden Bedarf an automatisierten sicheren Angeboten und Funktionen festgestellt. Lutz betonte, dass vollautonome Fahrzeuge, sobald die Technologie für die Masseneinführung ausgereift ist, sicherer seien als ihre nicht autonomen Gegenstücke. Autonome Fahrzeuge seien für unsicheres Fahrverhalten unanfällig, da es hier nicht relevant ist, ob eine Person hinter dem Steuerrad einschläft, trinkt oder anderweitig abgelenkt ist.

Softwareplattform

Bild 3: Eine Softwareentwicklungsplattform, die zur Erstellung einer digitalen Geschwindigkeitsanzeige genutzt wird. QT

Obwohl die meisten Fahrer und Fahrzeuge noch nicht bereit sind, die volle Kontrolle an eine autonome Maschine zu übergeben, bieten bereits heute viele Autos auf der Straße Werkzeuge an, die den Fahrern helfen und die allgemeine Verkehrssicherheit erhöhen, einschließlich adaptiver Geschwindigkeitsregelung, automatischer Notbremsung und Totwinkelerkennung. Während sich die Funktionen für automatisiertes Fahren von einer grundlegenden Unterstützung für sicheres Fahren zu einem vollständig autonomen Einsatz weiterentwickeln, gehen die Erwartungen an die Fahrer dahin, dass diese dem Fahrzeugbetrieb und der Umgebung in Zukunft immer weniger Aufmerksamkeit schenken.

Dies ist besonders in der Übergangsphase der Technologie prekär, wenn es zu Momenten kommen kann, in denen der Fahrer gelegentlich einspringen und die grundlegenden Funktionen des selbstfahrenden Systems übernehmen muss, zum Beispiel im Falle komplexer Situationen mit hohem Verkehrsaufkommen. Wenn der Fahrer die Kontrolle nicht schnell zurückerhalten kann, kann dies zu lebensbedrohlichen Katastrophen führen.

In solchen Notfallsituationen ist es für den Fahrer entscheidend, sehr schnell festzustellen, was innerhalb und außerhalb des Fahrzeugs vor sich geht. Vor allem müssen die Fahrer wissen, was das Verhalten der Maschine beeinflusst. Diese Erkenntnisse müssen sich sofort, klar und genau darstellen lassen, damit die Fahrer entsprechend reagieren können.

Um dieses Problem zu lösen, können Automobilhersteller aktuell auf verbesserte digitale Bildschirme zurückgreifen, die autonome Entscheidungsprozesse vollständig und auf verständliche Art und Weise visualisieren können. Dies soll dazu beitragen, die erheblichen Sicherheitsbedenken in der Branche auszuräumen und das Vertrauen der Verbraucher zu stärken.

Trend 3: Eine einfachere Bedienung von Displays unterstützt betriebskritische Vorgänge

Obwohl Car Sharing beziehungsweise Ride Sharing kein neues Phänomen ist, hat die Beliebtheit von Smartphones zu einem dramatischen Wachstum dieses Geschäftsmodells geführt. Darüber hinaus neigen Millennials im Vergleich zur Vorgängergeneration weniger dazu, Autos als Statussymbole zu kaufen, sondern konzentrieren sich auf Kosteneffizienz, Produktivität und Umweltbewusstsein. Laut Lyfts Bericht über die wirtschaftlichen Auswirkungen von Car Sharing im Jahr 2019 konnten Lyft-Passagiere weltweit allein in diesem Jahr Zeit und Reisekosten in Höhe von rund sechs Milliarden US-Dollar einsparen.

digitales Cockpit mit Unterhaltungssystem

Bild 4: Ein digitales Cockpit samt Unterhaltungssystem im Rücksitz für die Mitfahrer. QT

Car Sharing nutzt meist Standardfahrzeuge für den täglichen Einsatz. Es ist davon auszugehen, dass dieser Trend anhält, da die Branche in den nächsten Jahren weiterwächst. Weiterentwicklungen bei Software und digitalen Erlebnissen – sowohl für fahrzeuginterne Systeme als auch für Mobiltelefone – sorgen auch 2020 für ein verbessertes Fahrer- und Beifahrererlebnis. Anstatt dem Fahrer und dem Beifahrer Details über die Fahrt über ihre persönlichen Geräte anzuzeigen, können in das Fahrzeug implementierte, technisch weiterentwickelte Benutzeroberflächen zu einem intensiveren Fahrerlebnis führen. So können Bildschirme im Fahrzeug beispielsweise über die Mittelkonsole und Infotainmentsysteme auf den Rücksitzen (Bild 4) Fahrgäste und Fahrer gleichzeitig über aktuelle Verkehrsinformationen in Echtzeit auf dem Laufenden halten.

Es scheint sicher, dass die Zahl von herunterladbaren Anwendungen für Autos wächst, sodass der Fahrer die Benutzerfreundlichkeit des Fahrzeugs mitgestalten kann. Anstatt Anwendungen auf persönlichen Handheld-Geräten zu installieren, können Fahrer Anwendungen direkt auf dem Fahrzeugsteuerungssystem installieren. Davon profitiert nicht nur das Car Sharing, sondern auch Sektoren wie die Online-Zustellung von Lebensmitteln, da diese Anwendungen sich einfach für eine Vielzahl von unterschiedlichen Fällen anpassen lassen. Die Lieferungen von Restaurants hat in den letzten fünf Jahren um 20 Prozent zugenommen und der Online-Verkauf von Lebensmitteln steigt bis 2023 voraussichtlich auf 40 Prozent des Gesamtumsatzes von Restaurants an. Dies ist eine große Chance für Automobilhersteller, mehr benutzerzentrierte digitale Erlebnisse zu ermöglichen.