Größer und ausdifferenzierter als der anderer europäischer Länder, so zeigt sich der deutsche Markt für Bauelemente-Distribution. „Neben großen Konzernen wie Siemens gibt es in Deutschland eine Vielzahl von Industriesegmenten und tausende von Unternehmen, die für uns als Kunden interessant sind“, erklärt Georg Steinberger, Vorstandsvorsitzender des Fachverband Bauelemente Distribution (FBDi). Während sich in der deutschen High-Tech-Industrie ein breiter Elektronik-Mittelstand entwickelt und erhalten hat, gibt es in anderen europäischen Ländern eher eine Konzentration auf wenige Konzerne und Industrien und auch deutlich weniger potentielle Kunden.

Distributoren

FBDi-Vorstandvorsitzender Georg Steinberger hat beobachtet, dass das Serviceportfolio der Distributoren oft als selbstverständlich hingenommen wird. Avnet

Wenn der Markt für Distributoren in Deutschland im europäischen Vergleich verhältnismäßig langsam wächst, hat damit zu tun, dass viele deutsche Hersteller Niedriglohnfertigungen nach Osteuropa ausgelagert haben.

Der Elektronikbedarf werde sich angesichts des Megatrends Industrie 4.0 steigern – braucht man dafür doch Sensoren, Prozessoren, Kommunikations- und Securitylösungen aus dem Portfolio der Distributoren. „Es gibt so viele Themen, in denen IoT eine Rolle spielt, wo Themen wie Datenanalyse und Intelligenz am Knoten wichtiger werden“, sagt Steinberger. „Das heißt am Ende mehr Einsatz von Halbleitern.“

Strukturwandel im Automotive-Bereich als Risiko

Die künftigen Auswirkungen des Brexit für die deutsche Distribution stehen noch in den Sternen. „Die meisten rechnen im Moment damit, dass es mit Business as usual weitergeht“, so der FBDi-Chef. Größere Risiken vermutet er im amerikanischen Protektionismus – und Entwicklungen in der deutschen Autoindustrie. Schließlich hängen 40 Prozent des deutschen Halbleitermarkts von der Autoelektronik ab: „Wenn sich dort ein Strukturwandel ergibt, der auch von Google oder Apple getrieben wird, müssen deutsche Automobilhersteller Innovationen bringen und dürfen keine Betrugssoftware in ihre Autos einbauen.“

Herausfordernd sieht Steinberger die Chemikalienverordnung REACH, müssen hier doch Distributoren das Vorhandensein von „Substances of very high concern“ für von ihnen verkaufte Produkte ausschließen. Dazu müssen ganze Lieferketten transparent gemacht werden. Steinberger: „Nach unserer Informationen gilt REACH nicht nur auf Komponenteneben, sondern auch auf homogenem Material.“ Bei einer Million Produkte und 300 verschiedenen Substanzen eine Mammutaufgabe.

Zur Pflicht der Auszeichnungen kommt die Kür der Services. Denn um sich von der Konkurrenz abzusetzen, werden Zusatzleistungen immer wichtiger. „Im Vergleich zu den 80er-Jahren arbeiten wir für die Hälfte der Marge und liefern den vierfachen Service“, problematisiert dies Steinberger. Neben der Entwicklung neuer Services im Zusammenhang mit dem IoT sei auch zunehmend die Automatisierung und Standardisierung von Geschäftsprozessen Thema.

Wie Distributoren auf dem deutschen Markt mit dem herausfordernden Umfeld umgehen, lesen Sie auf den nächsten Seiten in unserer Umfrage. Den Anfang machen Arrow, Digi-Key und Conrad Electronic.

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