Marktentwicklung bis 2030

In den nächsten zwölf Jahren wird es verschiedene Phasen der Marktentwicklung geben, wobei sich die Phasen teilweise überlagern:

  • Bis 2020 produzieren die chinesischen Hersteller vor allem billige Elektroautos, um an Subventionen zu kommen. Oft werden diese an Flotten geliefert, die der gleichen staatlichen Einheit gehören wie der Fahrzeughersteller selbst. Ein Beispiel hierfür ist BAIC und die Taxiflotte von Peking, die beide der Stadt Peking gehören.
  • Ab 2019 werden die chinesischen Hersteller Elektroautos vor allem herstellen, um die Quoten für NEVs (New Energy Vehicles) zu erreichen. Unter NEVs verstehen die Chinesen Plug-In-Hybride (PHEVs), rein batteriebetriebene Fahrzeuge sowie EVs mit Brennstoffzelle. PHEVs kommen für die meisten chinesischen Hersteller nicht in Betracht, da diese sich in zu hohen Preisregionen bewegen und zu wenige Punkte bekommen.
  • Die internationalen Hersteller werden sich bis in die frühen 2020er Jahre vor allem auf die Flottenverbrauchsziele konzentrieren und Plug-In-Hybride, 48-V-Systeme und andere Technologien nutzen. Elektroautos kommen weniger in Betracht, solange die Batteriekosten zu hoch sind und die Reichweitenangst besteht. Billig-Elektroautos kommen nicht in Betracht – außer bei Joint-Ventures mit chinesischen Herstellern unter eigens dafür kreierten Marken.
  • Sobald der elektrische Antriebsstrang im Vergleich zu dem Verbrenner wettbewerbsfähig und die Reichweitenangst durch hohe Ladungsstations-Dichte verschwunden ist, werden sich sowohl die chinesischen als auch die internationalen Hersteller auf Elektroautos konzentrieren und PHEVs auslaufen lassen. Diese Phase wird ab 2022 beginnen.
  • Die NEV-Quote wird voraussichtlich jedes Jahr um zwei Prozent erhöht, sodass sie im Jahre 2030 bei 32 Prozent liegen wird. Durch die Mehrfachzählung wird diese Quote einfacher mit Elektroautos erreicht als mit Plug-In-Hybriden. Voraussichtlich wird der maximale Flottenverbrauch 2025 auf 4 l/100 km und 2030 auf 3,2 l/100 km reduziert. Diese Ziele werden Ende der 2020er Jahre en Passant durch hohe Verkaufsvolumina von Elektroautos erreicht.

Daher wird der Markt für Elektroautos bis 2020 voraussichtlich wachsen, um dann bis 2023 bei neuverkauften Elektroautos/Jahr sogar deutlich zu schrumpfen. Danach allerdings werden sich die Verkäufe von Elektroautos sprunghaft entwickeln; eine Phase, die durchaus bis 2040 anhalten könnte. Verkäufe von Plug-In Hybriden werden bis 2025 stark wachsen und danach stark absinken.

Lokalisierung wichtiger Technologien

Globale Li-Ionen-Kapazitäten und China Anteil

Bild 2: Globale Li-Ionen-Kapazitäten und Chinas Anteil. Bloomberg, Grafik: PGUB/JSC

China betreibt Wirtschaftspolitik konsequent Richtung Lokalisierung wichtiger Technologien. So haben die Behörden, angeblich aus Sicherheitsgründen, den Einsatz von koreanischen Batterien untersagt. Samsung und LG sind in der Volksrepublik seit 2017 verboten; daher investieren sie wie alle lokalen und sonstigen Zell- und Batteriehersteller in lokale, chinesische Fabriken. Als Konsequenz daraus wird China in den nächsten Jahren das Land mit der höchsten Fertigungskapazität für Lithium-Ionen-Zellen sein.

Die chinesische Regierung hat offensichtlich erkannt, dass es den inländischen OEMs schwerfallen wird mit hochwertigen EVs zu reüssieren. Die reinen Subventionen haben letztlich nur einen Markt für minderwertige EVs erzeugt. Daher sind die neuen Regeln für die NEV-Quoten viel stringenter auf den Einsatz von High-Tech ausgelegt. China hat auch erkannt, dass auch bei EVs die Marken ein herausragendes Merkmal für die Attraktivität eines Fahrzeugs sein werden. Eine allseits anerkannte Konsummarke aufzubauen ist deutlich schwieriger als im Investitionsgütergeschäft zu reüssieren.

Deshalb zieht sich China auf das B-to-B-Feld zurück, das auch leichter zu beherrschen ist. Dies erklärt auch die neue Vorschrift, dass Hersteller von Li-Ionen-Batterien bis 2020 eine Kapazität von mindestens 8 GWh haben müssen, um als Zulieferer zugelassen zu werden. China wird diesen Markt ähnlich aufrollen wie vor einigen Jahren den Markt für Solarpanels. Die Massenherstellung von EV-Batterien und deren sehr wahrscheinlich hohe Subventionierung wird natürlich zu deutlich geringeren Preisen führen. Allerdings wird voraussichtlich ab 2020 ein Rohstoffengpass bei Lithium eintreten und die Batteriekosten eher nach oben treiben. Fraglich ist, inwieweit die chinesische Regierung – wie bei den Solarpanel – wieder Zombiefirmen heranzüchtet. Zombiefirmen sind Unternehmen, die der Staat durch Subventionen am Leben erhält, um Arbeitsplätze zu erhalten, die aber keinen operativen Gewinn erzielen und bei denen auch keine Aussicht auf Verbesserung besteht.

 

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