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Belgien, Finnland und Dänemark konnten sich 2023 über hohe BEV-Wachstumsraten freuen, nur in den UK zeichnete sich bereits ein rückläufiger Trend ab. (Bild: Berylls Strategy Advisors)

Nach einem erfolgreichen Jahr 2023 melden nicht nur die deutschen Zulassungsbehörden ein stark geschrumpftes Interesse an batterieelektrisch angetriebenen Fahrzeugen. Die Frage war, ob sich die E-Mobilität dauerhaft auf dem absteigenden Ast befindet. Das Berylls E-Mobility-Ranking 2024 bringt Licht ins Dunkel und setzt die Zulassungszahlen europäischer und internationaler Märkte, den Ausbau der Infrastruktur und weitere Kennwerte zu einem stimmigen Bild zusammen. Und das ist keineswegs so düster, wie es scheinen mag. Allerdings benennen die Experten auch entscheidende Rahmenbedingungen, damit die BEV-Zulassungszahlen wieder Fahrt aufnehmen können.

Deutschland verliert vier Plätze

Berylls hat für das aktuelle E-Mobility-Ranking erneut 35 Länder analysiert. Starke BEV-Wachstumsraten waren 2023 vor allem in Belgien, Finnland und Dänemark zu beobachten, erfreulich entwickelten sich die Zahlen auch in Schweden, Frankreich, Portugal, Österreich, der Schweiz und Kalifornien. Aber selbst im E-Auto-Vorzeigemarkt China entfaltete sich der Anteil der E-Autos an den Gesamtverkäufen nur verhalten weiter. In Deutschland und Italien stagnierten die Zahlen, in UK war bereits 2023 ein rückläufiger Trend zu sehen. Damit hat Deutschland vier Plätze im Ranking der BEV-Verkäufe verloren und soll 2024 weiter absteigen. Vorbeigezogen sind Belgien, Luxemburg, Österreich und Irland.

Noch dramatischer stand es im Vorjahr um die Verkaufszahlen für Plug-in-Hybride (PHEV), die waren im Mittel in ganz Europa rückläufig, stagnierten in den USA und legten allerdings in China kräftig zu. Dort fallen die am Netz aufladbaren Hybride in die Kategorie der NEV (New Energy Vehicle) und genießen einige Vorteile gegenüber reinen Verbrennern. Eine Abschwächung ist hier kurzfristig nicht zu erwarten.

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Nur in China stiegen 2023 die Verkaufszahlen für Plug-in-Hybride (PHEV), in Europa dagegen nahm die Zahl der verkauften Hybridmodelle im Mittel ab. (Bild: Berylls Strategy Advisors)

Süden und Osten treten auf der Stelle

PHEVs nehmen Fahrern die Reichweiten-Angst. Skeptischen BEV-Aspiranten muss eine flächendeckende Ladeinfrastruktur ein gutes Gefühl geben. Beim Ausbau der Lademöglichkeiten zeigt einmal mehr China, wie zielstrebig es die Transformation der Mobilität anstrebt. In den USA hat sich das Angebot an Lademöglichkeiten dagegen kaum verbessert, selbst in Kalifornien wird es nur sehr verhalten ausgebaut. Vorreiter bleiben hier die Skandinavier und die Benelux-Länder. Aber auch in den großen Autonationen Deutschland, Frankreich und Großbritannien verkleinerten sich die Maschen des Ladenetzes im vergangenen Jahr. Der europäische Süden, vor allem aber der Osten treten hier sichtbar auf der Stelle.

In Osteuropa herrscht nach wie vor das Henne-Ei-Prinzip: Zu wenige BEV-Neuzulassungen führen zu einem geringen Ausbau des Ladenetzes. Ein zu dünnes Ladenetz sorgt wiederrum für schwache BEV-Zulassungszahlen. Neue regulatorische Rahmenbedingungen der EU (AFIR-Verordnung) sollen nun dafür sorgen, dass sich diese Länder in naher Zukunft aus der misslichen Situation befreien können.

Die verlangsamte Weiterentwicklung der BEV-Verkäufe ist ein Problem für alle Hersteller, die ihre Fahrzeuge im Euroraum produzieren. Denn im Jahr 2025 werden die Emissionsziele der OEMs in Europa um 15 Prozent gegenüber den heutigen Zielen reduziert. Es ist die zweite Stufe des EU-Gesetzes zur Reduzierung der CO2-Emissionen von in Europa zugelassenen Neufahrzeugen, das mit dem Verbot von Neufahrzeugen mit Verbrennungsmotoren im Jahr 2035 gipfeln soll. Aus diesem Grund erwarten die Berylls-Experten für 2024 einen leichten Anstieg der BEV-Zulassungszahlen um ein bis zwei Prozentpunkte.

Erschwingliche E-Kleinwagen sind gefragt

2025 müssten allerdings knapp ein Viertel der in Europa neu zugelassenen Autos BEV sein, um den europäischen Emissionsanforderungen zu genügen. Um dieses Ziel zu erreichen, müssen Hersteller die Modellpaletten erheblich erweitern. Insbesondere in den Segmenten B (Kleinwagen) und C (untere Mittelklasse), die bei weitem volumenträchtigsten Segmente Europas, müssen aufgestockt werden, will man den Markt nicht Importen aus Asien überlassen. Erste Ansätze sind erkennbar: Die Modelle Renault 5, Citroën ë-C3 und Fiat Panda sollen ab dem nächsten Jahr für weniger als 25.000 Euro mit einer brauchbaren Reichweite im Angebot sein und den Herstellern einen völlig neuen Markt eröffnen; VW und andere Marken wollen folgen.

Alltagstaugliche E-Modelle sind nach Beobachtung der Experten für den Erfolg der E-Mobilität wesentlich wichtiger als Förderprogramme. Das Auslaufen der Förderungen oder das Absenken der Förderumfänge hat bisher nie den zunehmenden BEV-Anteil an den Neuwagenverkäufen behindert. Norwegen kann hier als Beispiel dienen. Dort gab es für einige Jahre eine vollständige Mehrwertsteuerermäßigung für BEVs. Die wurde wie langfristig angekündigt und geplant am 1. Januar 2023 abgeschafft. In den ersten Monaten des Jahres sank der Neuzulassungsanteil der BEVs zwar, der generelle Aufwärtstrend über das gesamte Jahr blieb jedoch ungebrochen.

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2023 war ein Jahr mit starkem Wachstum bei der E-Infrastruktur, der Trend hält auch 2024 an, vor allem die Maschen des Schnellladenetzes werden immer enger. (Bild: Berylls Strategy Advisors)

Schwerpunktthema: E-Mobility

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(Bild: Adobe Stock, Hüthig)

In diesem Themenschwerpunkt „E-Mobility“ dreht sich alles um die Technologien in Elektrofahrzeugen, Hybriden und Ladesäulen: Von Halbleitern über Leistungselektronik bis E-Achse, von Batterie über Sicherheit bis Materialien und Leichtbau sowie Test und Infrastruktur. Hier erfahren Sie mehr.

EU-Vorschriften forcieren Ausbau der Ladeinfrastruktur

Die öffentliche Ladeinfrastruktur konnten die Niederlande, Deutschland und Frankreich im Jahr 2023 kräftig erweitern, bei den Schnell- und Ultraschnellladern waren sogar noch größere Zuwächse zu verzeichnen. Hier liegen die Niederlande erneut (im Vergleich zu 2022) auf dem Spitzenplatz. Die Skandinavier sind tatsächlich weniger stark auf öffentliches Laden angewiesen, weil der Großteil der Privathaushalte Lademöglichkeiten eingerichtet hat.

Die Experten prognostizieren, dass der Ausbau der Ladeinfrastruktur in Europa voranschreiten wird. Nicht zuletzt deshalb, weil die EU Vorschriften bezüglich installierter Ladeleistung im Verhältnis zur E-Autoflotte erlassen hat. Zunehmend investieren auch Energieversorger und Ölkonzerne in dieses Segment. Vereinzelt beginnen Ölkonzerne sogar damit, die Anzahl der Zapfsäulen zu reduzieren, um auf den Tankstellengeländen Ladesäulen aufzubauen. Total Energies hat beispielsweise im Jahr 2023 einige Tankstellen vollständig in Ladestationen für E-Autos umgewandelt.

 

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