Der österreichische Hersteller von Automatisierungssystemen, Sigmatek, hat einen neuen Echtzeit-Ethernet-Bus auf den Markt gebracht. Anlässlich einer Pressekonferenz präsentierte Geschäftsführer Andreas Melkus den Varan (Versatile Automation Random Access Network). Erste Produkte für das Bussystem werden bereits auf der Hannover Messe von Sigmatek, Keba und MTS vorgestellt.
Sigmatek begann 2002, einen Nachfolger für seinen DIAS-Bus zu suchen. Dabei waren sich die Entwickler schnell einig, dass die gewünschte Steigerung der Leistungsfähigkeit um den Faktor 5, auf Grund von Bitraten von mehr als 50 MB, nur auf Basis von Echtzeit-Ethernet möglich ist. Eigentlich plante man, auf vorhandenen Ethernet-Technologien aufzusetzen. Diese erfüllten jedoch die gestellten Anforderungen bezüglich Offenheit, Störungstoleranz und dem beliebigen Einsatz von Standardkomponenten nicht. Deswegen begannen die Sigmatek-Techniker Anfang 2006, ein herstellerunabhängiges Netzwerk mit folgenden Basiseigenschaften zu entwickeln: 



  • Niedrige Entwicklungskosten für Teilnehmer-Anschaltungen

  • Unabhängigkeit von Bauteilelieferanten durch Realisierung in FPGAs 

  • Betrieb mit geringem Software-Overhead durch Integration von Funktionalitäten in den Manager

  • Reaktionszeiten unabhängig von der Teilnehmerzahl

Heraus kam Varan, der die Anforderungen der harten Echtzeitsteuerung sowie jene der Automatisierung erfüllt und TCP/IP-Querverkehr bietet. Damit diese Technologie auch wirklich von allen eingesetzt werden kann, legt Sigmatek sie vollkommen offen. Die Teilnehmer-Anschaltung vereint alle Bus-Funktionen in einem Chip, so dass die Integration in Peripheriegeräte ohne Software-Aufwand möglich wird. Da in dem Bus-Manager eine Vielzahl Funktionalitäten integriert sind, erfordert der Betrieb nur minimalen Softwareeinsatz und CPU-Ressourcen. Das reduziert den Entwicklungsaufwand für Steuerungshersteller und bringt Maschinenherstellern den Vorteil, auf einen breiten Markt möglicher Automatisierungs- und Komponentenlieferanten zugreifen zu können.


Die Übertragungstechnik 100BaseTX aus der Ethernetwelt bietet neben dem Vorteil der weltweiten Verbreitung zusätzlich die galvanische Trennung der Busteilnehmer. Bei Varan bestätigt der betreffende Empfänger den Erhalt aller Nachrichten. Zerstörte Daten werden aus Sicherheitsgründen innerhalb des selben Bustaktes wiederholt übertragen. Dies ist durch die kurzen Übertragungszeiten des Verfahrens von weniger als 2 µs für einen 16-Bit-Messwert oder 16 E/As möglich. Da die Adresszuweisung über den Bus erfolgt, kann man auf Adressschalter verzichten und schwer zu lokalisierende Fehlerquellen vermeiden. Das Bussystem kann mehr als 30000 Teilnehmer verwalten. Die Struktur ist in jeder beliebigen Mischung stern-, linien- und baumförmig aufbaubar. Im Mai soll ein Varan-Verein gegründet werden, in dem das gesamte Know-how offen gelegt wird. Um möglichst schnell eine Marktdurchdringung zu erreichen, kann jeder an der Varan-Bus-Organisation ohne Eintrittsgebühren teilnehmen.