Früher war die ländlich geprägte französische Region Franche-Comte überwiegend als Zulieferer für die Schweizer Uhren-Industrie bekannt. Heute arbeitet die Region an der Schweizer Grenze daran, sich als Mikrotechnikzentrum zu etablieren. Unter Mikrotechnik versteht man u.a. Mikrosysteme, mikrotechnische Komponenten, Module, Geräte mit mikrotechnischen Komponenten, mikrotechnische Werkzeug- und Produktionsmaschinen.

Einen guten Überblick bietet z.B. vom 23. bis 26. September in Besançon die Fachmesse Micronora, zum 17. Mal widmet sie sich dort der Hochpräzisions- und der Mikrotechnik. Eine Wurzel von allem ist das Institut Femto-ST. Hier können fast 400 Forscher auf eine in Frankreich einzigartigen Mikroherstellungsanlage zugreifen. Das Besondere ist dabei die Möglichkeit, übergreifende Forschungsarbeiten durchzuführen, die besondere Kompetenzen in den Bereichen Mechanik, Elektronik, thermische und energetische Optik verlangen.

Über eine gemeinsame Nutzung der Forschungseinrichtungen entstand eine technologische Plattform, die die Schnittstelle zur lokalen Wirtschaft darstellt. Entwickelt werden z.B. auf der Clipp Proteomic Platform SAW-Sensoren, die auf biomolekularer Ebene mit Flüssigkeiten interagieren oder auch im On-a-Chip Projekt, dort sollen Proteine detektiert und identifiziert werden.

Ein Beispiel für erfolgreiche Unternehmen ist Photline: Der Marktführer für ultraschnelle optische Modulatoren ist spezialisiert auf optoelektronische Bauteile mit Wellenlängen von 850 nm, 1060 nm, 1310 nm und 1550 nm. Es können z.B. Modulatoren unter Reinraumbedingungen für Datenraten bis 40 Gbit/s (2 x 20 Gbit/s) hergestellt werden. Die besondere Kompetenz von Photline ist die Herstellung von Modulatoren in den Lithium-Niobat-Kristallen. Die Technologie erweist sich als zuverlässig und leistungsfähig, wenngleich sie sehr komplex ist. Im vergangenen Monat hat Photline mit AdLightec fusioniert, einem Hersteller von high speed Elektronikmodulen.

Aus der Femto-ST Forschungseinrichtung sind noch weitere Start-ups hervorgegangen, z.B. ar Electronique (Präzisions Quarz-Oszillatoren), Micro-USM (Mikro-Ultraschall-Komponenten) und Silmach mit Mikroaktoren auf Siliziumbasis. Erwähnenswert auch Temis Innovation, es ist der erste Technologiepark in Frankreich speziell für den Bereich Mikrotechnik und gilt im Großraum Besançon als Modell für eine aktive Wirtschaftsentwicklung, das von öffentlichen Institutionen initiiert, finanziert und von der Welt der Bildung und Forschung sowie der Industrie unterstützt wird.(jj)

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