"Baden-Baden Spezial" drehte sich in diesem Jahr ausschließlich um Elektromobilität

„Baden-Baden Spezial“ drehte sich in diesem Jahr ausschließlich um Elektromobilität

„Die deutsche Industrie war in punkto Elektromobilität im Winterschlaf“, erklärte Dr.-Ing. Wolfgang Runge, Leiter der VDI-Tagung „Baden-Baden Spezial“ während der Veranstaltung, aber mittlerweile sei die Branche mehr als aufgewacht, was sich auch an dem Untertitel der Tagung, „Elektrisches Fahren machbar machen“ zeige. Entsprechend praxis- und lösungsorientiert lief auch dieser Kongress ab.

„Wir müssen konkret sagen: Was müssen wir tun“ erklärte Dr. Runge. Für die 380 Teilnehmer hatte Dr. Runge sein Kongressmotto sehr pragmatisch formuliert: „Die E-Mobilität kommt. Lasst uns nicht darüber reden, was nicht geht, sondern darüber, was geht.“ Dr. Runge ist sich sicher: „Wir brauchen einen Bewusstseinswechsel in den Köpfen unserer Ingenieure. Lasst uns die Skepsis weglassen, lasst uns das machen, was machbar ist.“ Den Grund dafür liefert der ehemalige Leiter von ZF Lenksysteme gleich mit: „Die deutsche Automobilindustrie ist gezwungen, das Thema Elektromobilität schnellstmöglich zum Massenprodukt zu machen.“

BMBF

Prof. Dr. Wolf-Dieter Lukas, Ministerialdirektor, Abteilung Schlüsseltechnologien – Forschung für Innovationen, im BMBF, erklärte dann auch: „1 Million Elektrofahrzeuge in 2020 sind sein Primär-, sondern ein Sekundärziel. … Wir müssen nicht Leitmarkt, sondern Leitanbieter sein.“ An der Förderung werde sich allerdings nichts Wesentliches ändern: „Wir fördern die Elektromobilität mit etwa 100 bis 120 Millionen Euro, und das wird auch so bleiben. Diese Förderung erfolgt auf den Feldern Elektrochemie und Energieeffizienz.“ Prof. Lukas weiter: „Wir werden als Bundesregierung investieren – insbesondere in Batterietechnik. Das Thema Batterietechnik wird das entscheidende Thema sein.“ Dabei seien vor allem zwei Aspekte wichtig, von denen der eine die Normung und Standardisierung umfasst. Zum zweiten Aspekt äußerte er sich folgendermaßen: „Wie schaffen wir es, Produktions-Arbeitsplätze in Deutschland zu halten? Als einzige große Industrienation haben wir es geschafft, die Produktions-Arbeitsplätze im Land zu halten.“

Batterien

Trotz Schwerpunktinvestitionen in die Elektrochemie wird es sicherlich ein schwieriges Unterfangen. Prof. Dr. Dirk Uwe Sauer vom Institut für Stromrichtertechnik und Elektrische Antriebe an der RWTH Aachen erklärte, warum es so schwierig ist: „Bei der Produktion von Batterien sind uns die Asiaten voraus, weil sie 20 Jahre Erfahrung mit der Fertigung von Consumer-Zellen haben. … Wir müssen tatsächlich auch die Maschinen zur Batteriefertigung erst entwickeln, wir müssen die Prozesse erst entwickeln und ausprobieren.“ Exakt hier sieht Prof. Sauer das große Problem: „Die Zeitkonstanten sind so, dass wir die Zellen innerhalb eines Jahres nicht zerstört haben; es dauert somit sehr lange, bis wir Rückwirkungen aus der Produktion haben.“

Neues Denken

Elektrizität sei genügend vorhanden in Deutschland, so Prof. Sauer, denn alle Fahrzeuge zusammen, die in Deutschland fahren, benötigten bei vollelektrischem Betrieb gerade einmal 17% des aktuellen deutschen Stromverbrauchs. Prof. Lukas lenkte das Thema schließlich noch in eine andere Richtung, die bereits auch von OEM-Seite mehrfach angesprochen wurde, obwohl sie bei den OEMs nicht gerade beliebt ist. Prof. Lukas: Ich glaube, wir müssen in punkto Mobilität denken und nicht nur in punkto Auto.“ (av)