In bewährter Art und Weise führte am ersten Tag Dr. Willibert Schleuter, emeritierter E/E-Leiter von Audi, durch das Programm und die Fragerunden. Dabei waren die Vorträge zwar wichtig, aber die anschließenden Diskussionen und vor allem die Gespräche in den Pausen sowie am Abend haben eine besonders große Bedeutung für die Branche.

Durch das Programm führte Dr. Willibert Schleuter, der ehemalige E/E-Leiter von Audi. Er war als Vorsitzender des Fachbeirates nicht nur für die Akquisition und Auswahl der Vortragsthemen zuständig, sondern er baute auch immer wieder Brücken für neue Gesp

Durch das Programm führte Dr. Willibert Schleuter, der ehemalige E/E-Leiter von Audi. Er war als Vorsitzender des Fachbeirates nicht nur für die Akquisition und Auswahl der Vortragsthemen zuständig, sondern er baute auch immer wieder Brücken für neue GespSabine Hofmann

E-Mobilität aus OEM-Sicht

Uwe Michael, Leiter Elektrik/Elektronik bei der Dr. Ing. h.c. F. Porsche AG, begann seinen Vortrag eindrucksvoll mit einem 40-Sekunden-Video über „eine der wichtigsten Expeditionen in der Weltgeschichte“, in der es darum geht, „herauszufinden, welches Längenmaß in Zukunft für alle Nationen gelten soll.“ Der Originalton am Ende des Videos lautetet: „Mehr als 200 Jahre sollte es dauern, bis sich das metrische System in der ganzen Welt durchsetzte. Heute haben fast alle Länder das einheitliche System akzeptiert – bis auf Liberia, Myanmar und die Vereinigten Staaten.“ Jetzt fragte Uwe Michael „Was hat das Urmeter mit der Elektromobilität zu tun?“, um dann mit der Zeit die Antwort zu geben.

„Ich möchte Sie begeistern für die E-Mobilität“, sagte er und ging zunächst auf die Prozesskette ein, die in Zukunft „angereichert mit neuen Elementen“ sein wird. So sei beispielsweise das Wort „Reichweite“ neu hinzugekommen. „Und wir haben im Vertrieb eine der größten Herausforderungen zu meistern: neue Angebotskonzepte; auf einmal sind Energieversorger mit auf der Agenda eines OEMs.“

Uwe Michael (Porsche): „Die Pole-Position der fernöstlichen Kollegen scheint doch gar nicht so weit voraus zu sein, wenn wir uns die Prozesskette anschauen.“

Uwe Michael (Porsche): „Die Pole-Position der fernöstlichen Kollegen scheint doch gar nicht so weit voraus zu sein, wenn wir uns die Prozesskette anschauen.“Sabine Hofmann

„Eine riesige Herausforderung für die OEMs ist derzeit bei der E-Mobilität das Thema Wirtschaftlichkeit, und Wirtschaftlichkeit ist im Moment noch der Faktor, der die Verbreitung der E-Mobilität bremst“, führt Michael weiter aus. „Die Pole-Position der fernöstlichen Kollegen scheint doch gar nicht so weit voraus zu sein, wenn wir uns die Prozesskette anschauen.“

Angesichts von 200 E-Fahrzeugen, die er auf dem Markt entdeckte, stellt sich für ihn die Frage, welches Fahrzeugkonzept das richtige ist. Nach einem kurzen Blick auf ein sehr stark verbrauchsorientiert ausgerichtetes Fahrzeug erklärte er, dass man die Elektromobilität auch nutzen könne, um Fahrdynamik, Performance „und natürlich das Design“ zu unterstützen. Dieses Feature der Elektromobilität sei „ein Geschenk des Himmels für eine Firma wie Porsche“, und besonders interessant ist für ihn ein Plug-In-Konzept, denn damit komme man schnell „unter 4 Liter“, wenn man keine großen Strecken fahre. Eine echte Herausforderung stellen für ihn die Faktoren Bauraum und Gewicht dar.

450 Teilnehmer nahmen in diesem Jahr an der Konferenz teil.

450 Teilnehmer nahmen in diesem Jahr an der Konferenz teil. Sabine Hofmann

Außerdem sei Standardisierung gefragt: vom Ladestecker über die Verbindungstechniken, die Batteriezellen und Module, die Protokolle, Prüfstandards, E-Maschinen bis zu den Sicherheitsstandards, „die wir gemeinsam auf ein Niveau setzen sollten, um uns nicht gegenseitig das Leben schwer zu machen“. Zum Schluss spricht er das Thema Personal an: „wir brauchen Fachkräfte für E-Mobilität, in Zukunft noch mehr als heute; es wird weiterhin knapp werden.“

China

Der Moderator Dr. Willibert Schleuter erläuterte anschließend, warum in diesem Jahr ein Vortrag aus China auf dem Programm steht und warum gerade zum Thema Nutzfahrzeuge: „Mit 6,7 Millionen Fahrzeugen pro Jahr ist China der größte Nutzfahrzeug-Hersteller der Welt; der nächste größere Hersteller von Nutzfahrzeugen ist Japan mit 0,75 Millionen Fahrzeugen… Deutschland produziert gerade einmal 0,26 Millionen Fahrzeuge.“ Eines der federführenden Unternehmen auf diesem Markt sei die Firma Beiqi Foton Motor, „die auch in der Automobilindustrie im Ranking der wertvollsten Unternehmen an vierter Stelle genannt wird“. Gegründet wurde Beiqi Foton Motor im Jahr 1996, und das seit 1998 läuft die Produktion.

Prof. Robin Wu (Beiqi Foton Motor): „Wir glauben, dass bis ungefähr 2020 eine 500-Wh/kg-Batterie auf den Markt kommt.“

Prof. Robin Wu (Beiqi Foton Motor): „Wir glauben, dass bis ungefähr 2020 eine 500-Wh/kg-Batterie auf den Markt kommt.“Sabine Hofmann

Prof. Robin Wu, Vice President Automotive Engineering Research Institute Director bei Beiqi Foton Motor, lieferte dann in gutem Englisch Infos über den chinesischen Markt für Elektromobilität. Er erläuterte zunächst, dass Foton seit sechs Jahren der größte Nutzfahrzeughersteller in China, seit zwei Jahren der größte Nutzfahrzeughersteller der Welt und seit 11 Jahren der Marktführer für leichte Lkws ist. „Bereits im Jahr 2003 hat Foton mit F&E-Maßnahmen im Bereich Hybridbusse begonnen“, führte Robin Wu weiter aus. „2008 lieferten wir dann die ersten 35 Hybridbusse aus; 2009 schließlich 850 Hybridbusse und 50 rein elektrisch betriebene Busse. Außerdem hat unser Unternehmen 3000 rein elektrisch betriebene Trucks gefertigt.“

Für Prof. Wu ist es ganz klar, dass bis zum Jahr 2015 die Entwicklung von E-Fahrzeugen vorantreiben muss, wobei die Regierung im frühen Stadium auch finanzielle Hilfestellungen beisteuern muss. Ab 2015 werde dann der Markt als treibende Kraft dienen. In den ersten 15 Jahren der EV-Einführung kämen zuerst die Nutzfahrzeuge, dann die Pkws. Interessant ist die unterschiedliche Charakteristik: „Im herkömmlichen Markt sind 30% der Fahrzeuge Nutzfahrzeuge und 70% Pkws, aber wir glauben, dass der Markt für E-Fahrzeuge bis 2015 zu 80% aus Lkws und zu 20% Pkws bestehen wird.“

Für ihn sind die Energiespeicher derzeit noch das größte Problem: „Die beste Batterie, die ich bisher kenne, liefert etwa 120 Wh/kg“, berichtet Prof. Wu. „Das entspricht in punkto Energiedichte etwa einem Viertel bis einem Fünftel des Kraftstoffs von Verbrennungsmotoren. … Wir müssen daher neue Batterien haben, die mindestens 500 Wh/kg speichern, um mit den Verbrennungsmotoren konkurrieren zu können. Wir glauben, dass bis ungefähr 2020 eine 500-Wh/kg-Batterie auf den Markt kommt.“ Mit dieser Batterietechnologie werde der EV-Markt dann stark ansteigen.