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Zielsetzung des Software-Release Suite X: Die Effizienz der Standard-User steigern. Denn Elek­troplanung ist für viele keine Kernkompetenz. (Bild: WSCAD)

| von Andreas Stöcklhuber

Auf die Schnelle

Das Wesentliche in 20 Sek.

  • E-CAD-System setzt Fokus auf Nutzen für gelegentliche Nutzer
  • klare Trennung von Projekt­ansicht und Funktionsmenüs
  • Pay per Use per Freischaltcode durchgängig implementiert
  • kostenlose App für Service, ­Instandhaltung und Montage erweitert
  • Zugriff auf offene Produkt-Datenbank beschleunigt

Mitte Oktober präsentierte der CAD-Anbieter Wscad die aktuelle Version seiner E-CAD-Lösung, genannt ‚Suite X‘. Dabei ging Geschäftsführer Dr. Axel Zein zunächst auf die allgemeinen Trends im Bereich der Elektrokonstruktion ein. Hier legt er den Fokus auf zwei Entwicklungen:

  • demografische Trends in den Konstruktionsabteilungen und
  • dasTätigkeits-Profil der Anwender

Das Alter der E-CAD-Anwender steigt: Nach einer Untersuchung von 2015 betrug das durchschnittliche Alter eines CAD-Anwendern 49 Jahre. Das dürfte sich aufgrund der angespannten Situation auf dem Arbeitsmarkt inzwischen eher noch weiter nach oben bewegt haben.

Viele Anwender sind Gelegenheitsnutzer: Geschätzte 90% aller E-CAD-User arbeiten nur sporadisch mit der Software, der geringe Anteil so genannter ‚Power User‘ dürfte in Zukunft eher noch weiter zurückgehen.

„Wir wollen mit der Suite X Effizienzpotenziale in der Konstruktion vor allem dadurch heben, dass wir die Produktivität der Gelegenheits-User forcieren“, sagte Dr. Axel Zein. Er hält dies für einen vielversprechenderen Ansatz als die weitaus weniger Intensiv-Nutzer noch ein bisschen effektiver zu machen.

Der Ergonomie und Effizienz verpflichtet

Bei der aktuellen Version der E-CAD-Plattform hat der Anbieter auch die Bedienoberfläche stark überarbeitet: Menüführung, Icons- und Ordnerstrukturen sind beispielsweise in dunkelgrauem Farbton gehalten. „Das soll es dem Anwender erleichtern, sich auf das Wesentliche zu konzentrieren – die helle Konstruktionsfläche“, betont Dr. Zein.

Daneben gibt es auch eine Reihe technischer Ergänzungen: Die Software unterstützt jetzt hochauflösende (High-DPI) Bildschirme sowie die Multi-Display-Technologie. Dabei hat der Anbieter aber darauf geachtet, dass die Icons weiterhin vergleichsweise groß und gut erkennbar bleiben und nicht etwa durch die hohe Monitorauflösung wieder auf eine kaum mehr bedienbare Größe schrumpfen. „Die komplett überarbeitete Benutzeroberfläche setzt Maßstäbe bei Benutzerfreundlichkeit und Ergonomie“, ist der Wscad-Geschäftsführer überzeugt. Die intuitive Bedienung hilft sowohl Anwendern, die nur gelegentlich mit der E-CAD-Lösung arbeiten, als auch den Profis.

Vereinheitlicht wurde die Software-Lizenzierung: Sie ermöglicht Unternehmen und Selbständigen eine bedarfsorientierte Nutzung der skalierbaren und modular aufgebauten Electrical Engineering-Lösung ohne Umstellungskosten und Datenbrüche. Dazu Dr. Zein: „Wer neue Funktionen oder mehr Arbeitsplätze benötigt, aktiviert online den entsprechenden Produkt-Key und kann die Erweiterung sofort nutzen.“

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Dr. Axel Zein, Geschäftsführer Wscad: „Wir wollen vor allem die Produktivität der gelegent­lichen E-CAD-Nutzer steigern.“ WSCAD

Daten und Schnittstellen: Mehr Speed bei der Artikelsuche

Eine konsistente, einheitliche Datenbasis hilft Doppelarbeiten und Fehler in der Konstruktion zu vermeiden. In diesem Zusammenhang verwies Axel Zein auf die kostenlose E-CAD-Datenbibliothek wscaduniverse.com und deren derzeit rund 1,3 Mio. Artikeldaten von über 210 Herstellern. Hier kündigte er für die SPS IPC Drives 2018 eine überarbeitete Version an, die unter anderem die Artikelsuche deutlich beschleunigt.

Für einen durchgängigen Planungs-, Entwicklungs- und Konstruktionsvorgang nicht minder wichtig sind die Schnittstellen. Die Wscad-Lösung bietet hier viele Schnittstellen zu anderen E-CAD-Anwendungen und PLM-/ERP-Systemen an sowie in die Fertigung. Zu den weiteren neuen Schnittstellen für einen bidirektionalen Datenaustausch mit anderen Herstellern gehören das TIA-Portal von Siemens, ‚M-Print Pro‘ von Weidmüller für Beschriftungstexte oder ‚Clip Project planning‘ von Phoenix Contact zum Editieren von Klemmleisten.

Nicole Kreie, Wago: „Bei vielen Schaltanlagenbauern bestehen noch große Defizite in Sachen Digitalisierung.“ WSCAD

Nicole Kreie, Wago: „Bei vielen Schaltanlagenbauern bestehen noch große Defizite in Sachen Digitalisierung.“ Wago

Stimmen aus der Praxis

Im Rahmen der Vorstellung der ‚Suite X‘ kamen auch Anwender und Partner von Wscad zu Wort, um über ihre Erfahrungen mit der Suite zu berichten: Bei der Hosokawa Alpine AG ist Wscad seit über zehn Jahren im Einsatz. Rund 750 Mitarbeiter entwickeln, planen und fertigen pro Jahr etwa 250 Maschinen und Anlagen für die Verfahrenstechnik und die Folienextrusion – in der Regel in Losgröße 1. Dementsprechend gibt es für Christian Ziegler von Hosokawa nur eine Device in der Konstruktion: „Automatisiert generieren statt händisch projektieren“. Um dieses Ziel zu erreichen, haben Ziegler und seine Entwickler seit der Umstellung auf die Wscad Suite unternehmensintern mehr und mehr Standards geschaffen. „Diese Grundlagenarbeit war zwar mit einem nicht unerheblichen Aufwand verbunden,“ so Ziegler, „doch sie hat sich ausgezahlt.“ Einerseits sei die Anzahl der Fehler gesunken, andererseits hat sich die Konstruktion beschleunigt: Anstatt sieben Tage für einen typischen Schaltplan mit etwa 80 Seiten und zehn Aggregaten veranschlagt er derzeit nur noch vier bis fünf Tage.

„Schaltanlagenbauer sind noch weit weg von der Durchgängigkeit der Daten“ – so beschreibt Nicole Kreie, Leiterin des Bereichs Projektservice International bei Wago, die Situation in der Praxis. Die für einen integrierten Planungs-, Entwicklungs- und Konstruktionsprozess erforderlichen Werkzeuge seien zwar heute weitestgehend vorhanden, werden in der Praxis aber noch zu selten genutzt. Als Beispiel nennt sie die Schnittstelle zwischen Wscad und dem Produktkonfigurator ‚Smart Designer‘ von Wago: Nach der Fertigstellung des Stromlaufplans in der CAE-Software kann man die Daten für die Klemmenleisten an den ‚Smart Designer‘ übergeben. Dort wird die Klemmenleiste automatisch aufgebaut und durch Plausibilitätsprüfungen vervollständigt – und kann fertig konfiguriert bestellt werden. Hier sieht Nicole Kreie noch erhebliches Potenzial zur Steigerung der Wettbewerbsfähigkeit – nicht nur im Maschinen- und Anlagenbau.

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Fokus aufs Wesent­liche: Bei der Nutzeroberfläche von ‚Suite X‘ sind die Bedien­menüs abgedunkelt. WSDAD

Dr. Olaf Rathjen, Leiter Deutschland der Business Unit Control Products bei Siemens, betonte die Bedeutung des digitalen Zwillings, die künftig noch zunehmen werde. Simulationen können so vermehrt bereits während der Planungs- und Konstruktionsphase stattfinden und so die „time to market“ deutlich verkürzen. Siemens arbeitet seit rund drei Jahren partnerschaftlich mit Wscad zusammen und will diese Kooperation weiter ausbauen und vertiefen.

 

SPS IPC Drives: Halle 6, Stand 328

Effizienz in installation und instandhaltung

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"Mobile Geräte und Augmented Reality vereinfachen die Instandhaltung – mit der aktiven Verdrahtungsliste jetzt auch die Schaltschrankmontage." Dr. Axel Zein, Wscad WSCAD

Wer kennt nicht die Situation: Eine Komponente im Schaltschrank ist ausgefallen – wo ist die aktuelle Dokumentation und in welchem Schaltplan ist das Gerät zu finden? Genau hier helfen und beschleunigen Technologien und innovative Ideen wie die AR App den Job – künftig auch mit einer aktiven Verdrahtungsliste.

Die AR App (Augmented Reality) ist seit einem Jahr kostenloser Bestandteil der Wscad Suite. Mit der App scannen Instandhalter und Techniker vor Ort den QR-Code der Bauteile und haben dann sofort Zugriff auf aktuelle Pläne, Datenblätter und Produktdaten.

Zur SPS IPC Drives steht mit der aktiven Verdrahtungsliste eine weitere Funktion zur Verfügung. Mit ihr lassen sich während der Installation die abgearbeiteten Verbindungen markieren und speichern. Eine Übersicht zeigt jederzeit den aktuellen Stand. „Das bisherige Abhaken oder Highlighten auf Papierplänen entfällt“, betont Wscad-Chef Dr. Axel Zein.

Die Verdrahtungsinformationen werden dazu aus dem CAD exportiert und in der App als Tabelle angezeigt. Jede Zeile steht dabei für eine Verbindung beziehungsweise einen Draht. Angezeigt werden unter anderem Quelle und Ziel, Drahtbezeichnung und -Farbe. Der Installateur vor Ort kann per App einfach die bereits installierten Verbindungen abhaken. Durch einen Klick auf einen Draht in der Tabelle wird die Verbindung in den zugehörigen Plänen aufgerufen und angezeigt. Scannt der Monteur zusätzlich den QR-Code eines Bauteils bekommt er alle dem Bauteil zugehörenden Drähte aufgelistet. Die bearbeitete Verdrahtungstabelle lässt sich wiederum als PDF exportieren und auswerten. Dazu Axel Zein: „Weil bei der App zusätzlich verschiedene Filter gesetzt werden können, ist dieser Weg wesentlich komfortabler als die bisher gewohnten Papierlisten und entsprechenden Stromlaufpläne.“ Die AR App ist Bestandteil der Wscad Suite und kann kostenlos aus dem Apple App Store und Google Play geladen werden.

Sofort wissen, was verbaut ist

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WSDAD

Zu den Informationen , die über den QR-Code verfügbar sind gehören beispielsweise Bauteilinformationen inklusive Referenzkennzeichen (BMK), Funktionstexte, Hersteller und Artikelnummern. Auch der Zugriff auf die aktuellen Originaldatenblätter der Hersteller sowie die vollständigen Artikeldaten aus dem E-CAD-Datenportal wscaduniverse.com ist sofort möglich. 3D-Ansichten der Komponenten lassen sich ebenso abrufen, skalieren und drehen. Ohne Ausbau der Komponente kann man so beispielsweise deren Anschlussklemmen und ihre Rückseite sehen.

Weil die gesamte Dokumentation intelligent verlinkt ist, kann man über Querverweise aus dem Schrankaufbau in den Stromlaufplan springen. Wenn eine Änderung dokumentiert werden muss, lassen sich sofort Notizen zum Bauteil in die Dokumentation einfügen.

Die Möglichkeit, Änderungen sofort vor Ort in digitaler Form vornehmen zu können, optimiert den Workflow und schafft eine stets aktuelle Dokumentation. Sowohl die Inbetriebnahme, aber auch die Fehlersuche gehen mit Hilfe der App deutlich schneller. Das Ergebnis sind zuverlässige und schnelle Wartungs- und Reparaturarbeiten. Die Artikel- und Metadaten sind dabei in wscaduniverse.com oder in einem Cloud-Speicher abgelegt. Die QR-Codes der Bauteile werden im Zuge der Dokumentation mit dem E-CAD erstellt.

 

Andreas Stöcklhuber

ist Chefredakteur unserer Schwesterzeitschrift de in München.

(sk)

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