Auf einen Blick

Das Verhältnis von Standardprodukten zu individualisierten Produkten, die bezahlbar sind, hat sich deutlich in Richtung Individualität verschoben. Auch in den nächsten Jahren wird der Wunsch nach Individualisierung und der Bedarf an Dienstleistungen und Services bei Gehäusen und Baugruppenträgern weiter zunehmen. Nur durch permanente Marktbetrachtungen und einen engen Kontakt zu den Kunden können solche Entwicklungen rechtzeitig erkannt und erfolgreich umgesetzt werden. Diesen Trend nimmt Pentair im folgenden Artikel näher in Augenschein.

Individualität ist der Trend bei Gehäusen und Baugruppenträgern.

Individualität ist der Trend bei Gehäusen und Baugruppenträgern.Pentair

Gehäuse und Baugruppenträger werden von verschiedenen Herstellern am Markt als Katalogware angeboten. Diese Standardprodukte bieten dem Anwender gewisse Vorteile, sie sind einfach zu bestellen, werden schnell geliefert und sind preiswerter als kundenspezifische Produkte. Doch das Verhältnis von Standardprodukten zu individualisierten Produkten hat sich deutlich in Richtung Individualität verschoben. Und natürlich soll diese Individualisierung bezahlbar sein. Anpassung von Standardprodukten an bestimmte Gegebenheiten und Anforderungen in einer Applikation oder Vorgaben an ein individuelles Erscheinungsbild wurden in der Vergangenheit oft von den Kunden selbst durchgeführt. Doch im Zuge der Konzentration von Kapazitäten und der Fokussierung auf die eigenen Kernkompetenzen, wird die Individualisierung mehr und mehr Aufgabe der Hersteller von Gehäusen und Baugruppenträgern. Die Individualisierung verursacht nun beim Hersteller Mehrkosten, die der Kunde letztendlich tragen muss. Wie hoch diese Mehrkosten sind, wird maßgeblich durch die Nutzung sinnvoller Entwicklungskonzepte und den Umfang des Portfolios von Standardprodukten bestimmt.

Anpassung an unterschiedlichste Anforderungen

Wird bereits bei der Entwicklung von Standardprodukten Wert auf einen hohen Grad am Modifikationsmöglichkeiten und Flexibilität gelegt, können diese Produkte oft schon etwa 90 Prozent aller Anforderungen abdecken. Somit werden die Vorteile aus Standardkomponenten und kundenspezifischen Lösungen miteinander verbunden. Ein solches Konzept, am Beispiel von Baugruppenträgern verdeutlicht, zeigt die Vorteile. Aufgrund diverser Anforderungen beim Einsatz in unterschiedlichen Marktsegmenten und Applikationen ist es wichtig, dass die Kunden Baugruppenträger in unterschiedlichen Varianten bestellen können. Basieren diese modularen Baugruppenträger auf einer Produktplattform, entstehen auf einer einheitlichen Basis und mit verschiedenen standardisierten Bauteilen unterschiedliche Produkte. Diese können dadurch für die jeweiligen Anforderungen bezüglich Abmessungen, Preisgefüge, aber auch statischen und dynamischen Belastungen zum Beispiel Schock und Vibration sowie EMV-Festigkeit und individuellem Innenausbau konfiguriert werden.

Aus einer Plattform entstehen modulare Standard-Baugruppenträger.

Aus einer Plattform entstehen modulare Standard-Baugruppenträger.Pentair

Ein Standard-Baugruppenträger besteht beispielsweise aus mindestens zwei Seitenwänden und vier horizontalen Profilen, den Modulschienen. Passend hierzu gibt es weiteres Zubehör wie Abdeckbleche, die über dem Kartenraum montiert werden, Frontplatten, Rückhauben, Führungsschienen und diverse Teile für den Innenausbau. Die Basis-EMV-Schirmung ist je nach Kundenanforderung zum Beispiel einfach aufrüstbar und es stehen unterschiedliche EMV-Dichtungskonzepte für die Frontplatten zur Verfügung (Textil- oder Edelstahldichtungen). Solche Baugruppenträger können auf Kundenwunsch individuell zusammengestellt werden. Die hohe Vielseitigkeit dieser modularen 19-Zoll-Baugruppenträger und die Bauteilevielfalt der Produktplattform ermöglichen den flexiblen Aufbau. Nach dem gleichen Prinzip aufgebaute Gehäuse, nämlich als Produktplattform, ermöglichen ebenfalls eine hohe Flexibilität und halten die Kosten für den Anwender niedrig.

Ein weiterer Trend bei Gehäusen ist der stetig zunehmenden Miniaturisierung in der Elektronik geschuldet. So entwickelt sich neben dem etablierten 19-Zoll-Markt inzwischen ein schnell wachsender Markt für nicht-modulare Anwendungen. Eine einfache „Box“ für den Einbau eines Motherboards, einer großen Leiterkarte oder eines ARM-Moduls gehören inzwischen auch zu den Standardanfragen. Solche Kleingehäuse bieten auch Lösungen zum Einbau von ungenormten Leiterplatten für die unterschiedlichsten Anwendungen in der Industrie, der Bahntechnik, der Mess- und Regeltechnik, im Sicherheitsbereich, der Medizintechnik, der Energietechnik sowie der Kommunikations- und Netzwerktechnik. Speziell im Embedded-Bereich können damit zum Beispiel COM-Lösungen (Computer-On-Modules) aufgebaut werden. Auch hier machen sich kluge Entwicklungskonzepte bezahlt, die die Flexibilität bezüglich Gehäuseform, Abmessungen und Befestigungsmöglichkeiten quasi als Standard anbieten.

Mehr Serviceleistungen

Insgesamt ist bei den Gehäuse- und Baugruppenträger-Kunden ein steigender Bedarf an zusätzlichen Dienstleistungen rund um das Produkt erkennbar. Da sich immer weniger Elektronikhersteller einen eigenen Mechanikbereich leisten, nehmen Anfragen nach bestimmten Bearbeitungen, Modifikationen oder auch der fertigen Montage von Gehäusen und Baugruppenträgern stetig zu. Auch Hilfestellungen und Vereinfachungen bei Bestellungen sind ein Thema. Was einerseits für den individuellen Aufbau von Gehäusen und Baugruppenträgern sinnvoll ist, nämlich ein sehr umfangreicher Baukasten an Standardkomponenten, kann beim Bestellvorgang auch anstrengend werden.

Vorkonfektionierte Baugruppenträger

Um die Bestellung der Kunden zu vereinfachen, können Baugruppenträger bei manchen Herstellern auch als vordefinierte Bausätze bezogen werden. Diese Bausätze sind entsprechend der häufigsten Kundenanforderungen in bestimmten Einsatzbereichen zusammengestellt. Der Kunde kann dann anhand der benötigten Dimensionen (B x H x T) und der Festlegung einer bestimmten Applikation beziehungsweise eines Einsatzbereichs zum Beispiel Compact-PCI-Anwendungen mit Rear I/O oder MSR-Technik oder Ruggedized-Anwendung, sehr einfach sein Produkt mit nur einer Bestellnummer ordern. Der Bausatz enthält dann alle Einzelkomponenten und zum Teil bereits vormontierte Komponenten (zum Beispiel Gewindestreifen, EMC-Dichtungen, Loch- oder Isolierstreifen). So kann der Kunde sicher sein, dass alle benötigten Komponenten im Lieferumfang enthalten sind. Zusätzliche Wartezeiten für vergessene oder noch nicht angelieferte Teile entfallen gänzlich. Diese vorkonfigurierten Baugruppenträger-Versionen decken beispielsweise von der einfachen Standardversion bis zum High-End-Baugruppenträger alle gängigen Marktanforderungen ab.

Alles fertig montiert

Immer mehr Kunden wollen auch bei der Montage im eigenen Haus Zeit und Kosten sparen und ordern die bestellten Gehäuse oder Baugruppenträger nicht als Bausatz sondern erwarten diese bereits fertig montiert. Dies umfasst dann oft den Zusammenbau von mechanischen, elektrischen und elektronischen Komponenten, bis hin zur Montage weiterer kundeneigener Komponenten, die dem Gehäuse-Hersteller beigestellt werden. An den Kunden werden dann die vollständig montierten Baugruppenträger oder Gehäuse, inklusive aller Zubehörteile wie Führungsschienen, Montageplatten, Busplatinen, Netzgeräte, Steckdosenleisten, Lüfter und Lüftereinschüben und so weiter geliefert. Dadurch spart er viel Zeit, denn er muss beispielsweise keine Bauanleitung studieren und kann sich sofort nach Produkteingang seiner eigentlichen Aufgabe widmen.

Vielfältige Modifikationen

Die häufigsten Modifikationen, die durch die Individualisierung des Standardprodukts von den Kunden gefordert werden, sind zum Beispiel andere Abmessungen bei Höhe, Breite oder Tiefe, Rundlöcher für Leuchten, Leuchtdioden und Schalter oder Ausbrüche für Stecker, Konsolen sowie Sonderfarben. Solche Modifikationen betreffen auch die Gestaltung und Bearbeitung der Frontplatten eines 19-Zoll-Baugruppenträgers oder Gehäuses. Diese müssen in der Regel für jede Anwendung individuell gefertigt und gestaltet werden. Ein breites Spektrum an Standard-Frontplatten und -Steckbaugruppen mit unterschiedlichsten Abmessungen, verschiedenen Oberflächen und Ausführungen erleichtern auch hier die bezahlbare Individualisierung. Gerade für den Aufbau von Prototypen oder Vor- und Kleinserien ist die Bearbeitung innerhalb weniger Tage oft zwingend notwendig, um eventuelle Korrekturen schnell einfließen lassen zu können. Eine schnelle Fertigung und zügige Lieferung sind hier das A und O.

Bereitstellung von CAD-Daten

Die Bereitstellung von CAD-Daten für den Elektronikentwickler und Konstrukteur ist heute fast schon eine Selbstverständlichkeit. Wenn über die 2-D- beziehungsweise 3-D-CAD-Daten der Standardprodukte hinaus auch noch die Möglichkeit besteht, beispielsweise die gewünschten Modifikationen über eine Werkzeug- und Bauteilbibliothek mit vordefinierten Ausbrüchen für standardisierte Sub-D- oder Koax-Steckverbinder – mit Senkungen, Planfräsung und mehr direkt in die eigene Konstruktion einzubinden, wird dieser Service zur echten Hilfe.

Vielfältiges Angebot an Frontplatten für individuelle Anforderungen.

Vielfältiges Angebot an Frontplatten für individuelle Anforderungen.Pentair

In der Regel wird der einfache Zugang zu den Standardprodukten über das Internet gewährleistet und der Download der 2-D- beziehungsweise 3-D-Daten der Produkte ermöglicht. Die gewünschten mechanischen Bearbeitungen wie unterschiedliche Ausbrüche können nun vom Kunden auf seinem CAD-System eingezeichnet werden. Für diese grafische Bearbeitung der CAD-Datei erhält der Kunde je nach Anbieter ebenfalls Unterstützung. So enthalten zum Beispiel Zeichnungen von Komponenten Bestückungsgrenzen, die dem Konstrukteur zeigen, welchen Bereich er für Modifikationen nutzen kann, ohne mit der 19-Zoll-Norm zu kollidieren.

Individualität ist gefragt

Das Verhältnis von Standardprodukten zu individualisierten Produkten, die bezahlbar sind, hat sich deutlich in Richtung Individualität verschoben. Auch in den nächsten Jahren wird der Wunsch nach Individualisierung und der Bedarf an Dienstleistungen und Services bei Gehäusen und Baugruppenträgern weiter zunehmen. Nur durch permanente Marktbetrachtungen und einen engen Kontakt zu den Kunden können solche Entwicklungen rechtzeitig erkannt und erfolgreich umgesetzt werden.

Martin Traut

ist Produktmanager Subracks & Cases bei Pentair - Schroff GmbH in Straubenhardt.

(ah)

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