KSG 01-Margret Gleiniger

Marget Gleiniger begrüßte die Teilnehmer und stellte das Motto der 10. Technologietage vor: „Geniale Geistesblitze – Bestens vernetzt: Mit Braincoaching und Lean Management zum Erfolg“ (Bild: Marisa Robles)

Können Leiterplatten Leidenschaft entfachen? Ja, sagt Marget Gleiniger in ihrer Begrüßungsansprache: „Innovation und Zuverlässigkeit sind unser Ansporn, Höchstleistungen aus einer Hand zu bieten.“ Die Geschäftsführerin von KSG Leiterplatten gewann das Auditorium ohne Mühe für sich. Schließlich will das Unternehmen die bereits intensive Kommunikation mit den Kunden noch weiter schüren. Das gegenseitige Vertrauen im Verbund mit einer engen Zusammenarbeit sollen den erstrebten gemeinsamen Erfolg fördern. Die alle zwei Jahre stattfindenden Technologietage sind da ein probates Instrument, was sich auch an der hohen Resonanz zeigte. Der Einladung nach Chemnitz zu den 10. Technologietagen mit dem Motto „Geniale Geistesblitze – Bestens vernetzt: Mit Braincoaching und Lean Management zum Erfolg“ folgten etwa 110 Kundenvertreter.

Gute Expansionsmöglichkeiten mit Häusermann

Den Fokus legte KSG auf die weiteren Wachstumsbestrebungen des Unternehmens: „Wie Sie es gewöhnt sind von uns, haben wir uns auch in den letzten Jahren stürmisch entwickelt“, bekräftigt sie und zeichnet dabei den künftigen Wachstumspfad auf. Seit dem im Jahr 2007 während der 6. Technologietage vorgestellten Neubauprojekt „Fabrik 6000“ mit einem Investitionsvolumen von über 50 Mio. Euro (Produktionsstart im Jahr 2008), wurde nicht nur die Fertigungsfläche um 11.000 m² vergrößert, sondern auch 200 zusätzliche Arbeitsplätze geschaffen. Doch kaum 10 Jahre später attestiert Gleiniger: „Wir sind nun an den Wänden angekommen, wir können kaum mehr Maschinen installieren – kurzum: wir stehen an unseren Kapazitätsgrenzen.“ Wie lässt sich also die steigende Nachfrage bewältigen, sodass auch weiterhin die Zeichen auf Wachstum stehen können? „Wir haben alle nur denkbaren Optionen geprüft“, nimmt sie Anlauf mit Blick auf die Übernahme des österreichischen Leiterplattenherstellers Häusermann.

10. KSG-Technologietagung: Achim Süß, Vertriebsleiter von KSG Leiterplatten

Achim Süß analysierte den weltweiten, europäischen und deutschen Leiterplattenmarkt. Parallel dazu stellte er auch die jüngsten Entwicklungen bei KSG vor. Marisa Robles

Die Vorteile, die Häusermann dem sächsichen Unternehmen bieten kann, waren nicht nur die freien Produktionsflächen, sondern auch der Umstand, dass die ehemaligen Eigentümer den Plan hatten, Häusermann zu verkaufen. Nach gut 15 Monaten intensiver Prüfung und Vorarbeit wurde der Kauf am 30.06.2017 besiegelt. „Häusermann ist unser Weg für künftiges Wachstum und gemeinsam wollen wir expandieren“, bestätigt Gleiniger. Dass dem so ist, zeigen die Investitionsbestrebungen: Am Standort Gars am Kamp will KSG Leiterplatten als neuer Eigentümer in den nächsten drei bis vier Jahren mindestens 16 Mio. Euro für neue Maschinen und Anlagen in die Hand nehmen. Ziel sei es, den derzeitigen Häusermann-Umsatz von derzeit knapp 30 Mio. Euro auf 50 Mio. Euro zu steigern. Dabei soll der Maschinenpark erneuert und vergrößert werden, eine bauliche Erweiterung schließt Gleiniger genauso wenig aus wie eine Vergrößerung des Betriebsgeländes in fernerer Zukunft. Auch die beiden langjährigen heimischen Häusermann-Chefs Rudolf Janesch (technischer Geschäftsführer) und Christoph Jarisch (kaufmännischer Geschäftsführer) zeigen sich sehr zufrieden über diese Maßnahmen und auch dem Versprechen der KSG-Chefin: „Die Produktion in Zitternberg bleibt wie bisher erhalten, auch die Technologie, nur die Menge wird größer.“ Gemeinsam mit Dirk Deiters (Vertrieb) stellten sie das Häusermann-Portfolio an Platinen in einer Table-Top-Ausstellung begleitend zur Konferenz vor.

Die passende Leiterplatte für jede Anwendung zur Verfügung zu stellen, vespricht Häusermann mit den Platinen für Hochstrom- und LED-Anwendungen. Mit der Technologie HSMtec gibt es eine probate Wärmemanagementlösung für die Leistungselektronik. Dreidimensionale Leiterplatten – sei es als starr- oder semiflex-Ausführung – sind ebenfalls erhältlich und zwar als Einmalbiegung für selbsttragende 3D-Leiterplattenstrukturen oder auch mit Mehrfachbiegungen mittels Starrflex. Für Hochfrequenz-Anwendungen stellt Häusermann zudem impedanzkontrollierte Leiterplatten her. Als Leiterplattentechnologien sind einseitige und Doppelseitige Leiterplatten genauso erhältlich wie Multilayer und HDI/Microvia.

Im Scheinwerfer der Digitalisierung

Das Tagungsmotto „Geniale Geistesblitze – Bestens vernetzt: Mit Braincoaching und Lean Management zum Erfolg“ war mit Bedacht gewählt: Es orientiert sich an den wachsenden Anforderungen, die durch Industrie 4.0 entstehen. Für Gleiniger erschöpft sich die vierte industrielle Revolution nicht nur in der weltweiten Vernetzung von Industrien und Anlagen, linienübergreifenden Softwarelösungen oder das weite Feld des Internet der Dinge. Auch der in raschen Entwicklungsschritten begriffene Bereich des autonomen Fahrens gehört ihrer Ansicht nach zu den massiven Digitalisierungsbestrebungen dazu. Zudem stellt auch die zunehmende Sensorik einen Treiber für die rasante Digitalisierung dar. Wie wirkt sich dies auf die Leiterplattenindustrie aus? Welche Schritte muss ein Platinenhersteller unternehmen, um am Ball bleiben zu können? Mit einem Mix aus Theorie und Praxis wollte das Unternehmen in seiner zweitätigen Konferenz Antworten liefern. Denn die Vorträge und Anwenderberichte sollten die Einflüsse von Industrie 4.0 in der Elektronik wiedergeben.

KSG 03-Häusermann-Trio

Mit der Akquisition Ende Juni 2017 wollen KSG Leiterplatten und Häusermann gemeinsam expandieren (v.l.n.r.): Christoph Jarisch (kaufmännischer Geschäftsführer), Dirk Deiters (Produktmanager Leiterplatten und Eingabesysteme) und Rudolf Janesch (Technischer Geschäftsführer, alle Häusermann). Marisa Robles

Den Auftakt bildete Achim Süß, Leiter Vertrieb von KSG Leiterplatten, der sich den Fragen annahm, wie sich der Leiterplattenmarkt entwickelt hat und was die derzeitige Situation ist. Der Elektronikmarkt weltweit wird von Marktforschern auf rund 4.128 Mrd. Euro geschätzt. Berücksichtigt sind 53 Länder, die für 97 Prozent des Weltmarktes verantwortlich sind. „Die Elektronikmärkte sind relativ dynamisch und vor allem in Europa konnte man eine tolle Entwicklung beobachten“, merkt er an und erläutert, dass man für 2017 von einem weltweiten Wachstum von 3,5 Prozent ausgehe. „Das ist ein Spitzenwert im Elektronikmarkt seit den letzten 20 Jahren.“ Asien nimmt mit 61 Prozent den Löwenanteil des weltweiten Elektronikmakt ein, wovon China 40 Prozent des Marktvolumens beisteuert. Weit abgeschlagen auf Platz 2 hat sich Amerika mit 20 Prozent etabliert, wovon 15 Prozent auf die USA abfallen. Im Windschatten folgt Europa mit 17 Prozent, wovon Deutschland den größten Beitrag mit 3 Prozent liefert.

Für diese Marktentwicklung sieht er „Smart Living“ als Überbegriff von Smart Home als wesentlichen Treiber: „Wenn man sich die Urbanisierung der Welt anschaut, das ist eine der vier großen Veränderungen die wir in Zukunft erwarten, dann wissen wir heute schon, dass im Jahr 2030 ungefähr 78 Prozent der Weltbevölkerung in Städten leben werden.“ Heute leben etwa 41 Prozent der Menschheit in Städten. Parallel dazu wird sich im gleichen Zeitraum die Anzahl der Menschen um gut 4 Mrd. erhöhen, sodass die Weltbevölkerung im Jahr 2030 die 10-Milliarden-Marke knacken wird. Absehbar ist, dass von den zehn größten Städten der Welt in 2030 heute neun noch gar nicht gebaut sind. „Diese Entwicklungen werden sich vor allem in Asien abspielen. In Europa werden wir davon kaum etwas mitbekommen. Jedoch wird sich die Weltwirtschaft dahingehend verändern“, wagt er die Prognose. Als zweitgrößter Treiber hat Achim Süß die Medizintechnik ausgemacht. „Wir gehen von einem dauerhaften Wachstum von 6 Prozent aus“, erläutert er. Damit hebt sich die Medizinelektronik gegenüber etablierten Märkten wie Industrieelektronik oder Automatisierung mit jeweils 4 Prozent prognostizierten Wachstum ab.

Seitwärtsbewegung im Leiterplattenmarkt

Der Blick auf den weltweiten Leiterplattenmarkt ist weniger euphorisch: „Der weltweite Platinenmarkt stagniert seit Jahren schon“, fährt er fort, mit einem weltweiten Umsatz von knapp 60 Mrd. Dollar. „Seit etwa sieben Jahren haben wir hier eine Seitwärtsentwicklung – vor allem in Europa und den USA.“ In Bewegung sind dafür die Märkte, mit China als größtem Gewinner, und das seit Jahren schon. Die bislang ebenfalls erfolgreichen weiteren asiatischen Länder schwächelten in 2017. Größter Verlierer hierbei ist Japan. „Europa spielt mit knapp 4 Prozent der Weltproduktion eher eine untergeordnete Rolle.“

10. KSG-Technologietage: Demoboard von Häusermann

Vor allem im Wärmemangementbereich hat sich Häusermann über die Jahre profiliert. Das ausgestellte Demoboard zeigt anschaulich, was der österreichische Platinenhersteller zu leisten vermag. Marisa Robles

Die größte Botschaft jedoch ist: „Wir haben keinen Wachstum mehr in der Elektronikbranche“, mahnt Süß, der einräumt, dass dies „im Widerspruch steht, zu dem was wir gerade erleben“. Gerade in Europa sei die größte Wachstumsphase in der Elektronik zu beobachten. Jedoch haben Halbleiterhersteller das Problem, nicht schnell genug liefern zu können. Die Umsatzsteigerung von etwa 16 Prozent kumulativ spricht für sich. Das sei schon ein Problem, da die Halbleiterhersteller etwa 1,5 Jahre Vorlaufzeit benötigen, um ihre Produktion entsprechend adaptieren zu können. Absehbar ist, dass es keine kurzfristigen Entspannungen geben wird, weshalb Süß prognostiziert: „Wir müssen uns darauf einstellen, dass wir wie damals im Jahr 2010 über Broker bestimmte Materialien einkaufen werden.“

Bei der Verknappung von Leiterplatten spielen auch die Materialien wie etwa Kupferfolien eine wesentliche Rolle. „Wir stehen da in unmittelbarem Wettbewerb mit den Batterieherstellern für die Elektromobilität, die viel Kupferfolie benötigen.“ Auch hier sind die Kapazitäten begrenzt: Heute wird eine Kapazität von rund 85 Mio. Tonnen pro Jahr für die Leiterplatten und Batterieherstellung benötigt. „Nach heutigen Hochrechnungen brauchen wir aber eine Verdreifachung des Kupferfolienbedarfs in den nächsten vier Jahren. Das beflügelt den europäischen Leiterplattenmarkt: Seit Ende 2016 verzeichnen die europäischen Leiterplattenhersteller eine deutliche Erhöhung der Auftragseingänge durch die weltweite Verknappung von Kupferfolie. Einzelne asiatische Hersteller mussten bereits aufgrund von Materialmangel ihre Fertigung einstellen.

Jubiläumsveranstaltung gibt Marschrichtung vor

Das dicht gedrängte und informative Tagungsprogramm wurde durch eine umfassende Führung durch die Fertigung am Hauptstandort Gornsdorf abgerundet. Ein weiteres Highlight stellte das Abendprogramm mit Unterhaltung und sächsischem Buffett dar: Die Kabarettisten von academixer aus Leipzig nahmen frei nach dem Motto „Alles Wurschd“ mitunter auch KSG aufs Korn.

Allerdings ist der Umsatz im Jahr 2016 in Europa erstmals seit drei Jahren um 10 Prozent seit 2010 geschrumpft. Auch die Anzahl der Leiterplattenhersteller nimmt weiter ab (-25 Prozent seit 2010), weshalb Süß betont: „Wir sind mitten im Verdrängungswettbewerb, weshalb einige Hersteller auf der Strecke geblieben sind und nicht überlebt haben. Von 2000 auf heute hat sich die Zahl der europäischen Hersteller halbiert.“ Auch hat im Jahr 2016 der deutschsprachige Raum Anteile verloren, während Frankreich und Großbritannien ein leichtes Wachstum verzeichnen konnten. Der Umsatzanteil der DACH-Länder sinkt auf knapp 59 Prozent (-2 Prozent zum Vorjahr). Punkten kann Europa jedoch hinsichtlich der Technologien: die immer komplexer werdenden elektronischen Baugruppen treiben die Nachfrage nach flexiblen und starrflexiblen Schaltungsträgern und HDI voran.

KSG im Kontext der Marktentwicklungen

Heute erreicht KSG mit rund 730 Mitarbeitern einen prognostizierten Umsatz von etwa 95 Mio. Euro. Besonders stolz ist das Unternehmen auf seine Mitarbeiter, was Achim Süß mit Zahlen belegt: „Im Zeitraum von 2004 bis 2016 wurden in Europa 44 Prozent der Beschäftigten abgebaut, hingegen konnten wir unseren Mitarbeiterstab im gleichen Zeitraum um sagenhafte 151 erhöhen. Das ist einmalig für Europa, das hat es unserer Branche noch nicht gegeben“, freut er sich. Die Messlatte ist indes hoch: „Es wird von uns erwartet, dass wir auch in der Zukunft ein ähnliches Wachstum hinlegen, unabhängig wie der Markt sich entwickelt.“ Das soll mit Häusermann nun gelingen. Wachstumspotenzial sieht er auch im Automobilbereich: „Hier sind wir etwas unterrepräsentiert.“

Auf einer Fertigungsfläche von etwa 23.000 m² produziert KSG heute jährlich 200.000 m² Leiterplatten. Auf die Umsatzentwicklung über die Jahre ist Süß besonders stolz: Von den zarten Anfängen 1997 mit gut 12 Mio. Euro Umsatz zeigten die Zeiger stets nach oben: Mit einem Umsatzziel von 95 Mio. Euro will der Leiterplattenhersteller das Jahr 2017 abschließen: „Mit Erreichen unseres Umsatzziels in 2017 werden wir unseren Umsatz innerhalb von 20 Jahren verachtfacht haben.“ Gepaart mit dem Schwesterunternehmen Häusermann wird sich die Erfolgskurve nach oben weiter fortsetzen: Auch Häusermann konnte über die Jahre ein ähnlich dynamisches Wachstum wie KSG aufweisen. Im Tandem mit Häusermann wird sich KSG auf Position 85 der Platinen-Weltrangliste bewegen, ist Süß zuversichtlich: „Wir spielen international eine Rolle, worüber wir sehr stolz sind. Aber auch in Europa sind wir gemeinsam der zweitgrößte Leiterplattenhersteller.“

KSG 05-Häusermann-Portfolio

Häusermann kann von jeher auf ein umfangreiches ´Leiterplattenportfolio verweisen. Besonders die Wärmemanagement-Lösung HSMtec kommt in der Leistungselektronik und LED-Technik gut an. Marisa Robles

Auch hinsichtlich der Neutypen-Entwicklung konnte KSG sich erfolgreich im Markt etablieren: „Wir haben mit 50 Mitarbeitern die größe Arbeitsvorbereitungsabteilung Europas“, proglamiert er. Das erlaube eine Kapazität von 30 neuen Typen pro Tag. Zudem sind 20 Prozent der Produkte, die in die Fertigung eingefahren werden, neue Produkte. Knapp 56 Prozent der Kunden führe KSG als A- oder AB-Lieferanten, wirbt Süß: „2016 erzielten wir eine durchschnittliche Bewertung von 88 von 100 Punkten.“ Um die Lieferengpässe besser in den Griff zu bekommen, will das Unternehmen die Kapazitäten weiter ausbauen und etwa 25 Prozent des Umsatzes sowohl im sächsischen Gornsdorf als auch im österreichischen Gras am Kamp investieren. Dadurch soll eine schnelle und konsequente Anpassung auf sich ändernde Markt- und Kundenanforderungen gelingen. Kapazitätserweiterungen in Arbeitsvorbereitung und CAM gehören ebenfalls zu den Handlungsschwerpunkten des Unternehmens. Daher richtet Süß den Appell an die geladenen Gäste: „Wir wollen in Zukunft Ihr Entwicklungspartner sein. Nutzen Sie den Standortvorteil Deutschland, also die Kompetenz vor Ort, in der gleichen Sprache und Zeitzone.“

Praxisbezogene Vorträge

Die KSG-Mitarbeiter Ralph Fiehler (Leiter Entwicklung), Jonas Kmuch (Leiter Produktionsplanung) und Jens Griger (Leiter Technische Dienste), teilten sich den Vortrag „Rückblick und Ausblick“. In den Jahren 2015 bis 2017 setzte der Leiterplattenhersteller 24 Projekte um, informierte Ralph Fiehler, der für die Umsetzung der Investitionen verantwortlich zeichnet. Ziel sei es Kundenzufriedenheit durch Know-how zu erreichen und damit auch die Marktposition weiter auszubauen. 15 davon waren interne Projekte die sich rund um die Technologie- beziehungsweise Materialqualifikation handelten. An sieben externen Projekten wirkte KSG erfolgreich mit. Zudem nahm KSG auch an den zwei externen Förderprojekten, die gleichzeitig eine Grundlagenforschung darstellten, teil.

Das Engagement in der Forschung macht auch Investitionen notwendig, weshalb im gleichen Zeitraum 25,23 Mio. Euro in das Unternehmen zurückflossen. Technologische Ausrustungen schlugen mit 13,55 Mio. Euro zu Buche, 9,61 Mio. Euro flossen in Bau/Infrastruktur, 1,80 Mio. Euro in Mess- und Pruftechnik und schließlich 0,27 Mio. Euro in sonstige Investitionen. „Dieses Jahr beginnen wir den Weg in die digitale Strukturierung zu gehen. Wir werden in den nächsten Jahren unsere analoge Belichtungstechnik auf LDI-Systeme umstellen“, erläutert Fiehler, der auch die Installation einer Fotostrukturierungsanlage ankündigte, weshalb beim Rundgang eine Baustelle zu sehen war. Im Stopplackbereich ist ein komplett neuer Bereich entstanden, mit neuer Belichtungstechnik, in die eine neue Sprühanlage integriert wurde, wodurch sich nun eine Kapazitätserhöhung um ca. 340 m²/AT erzielen ließ. Die Vorteile der Spraycoating-Technologie sieht Fiehler vor allem in der Prozesssicherheit und der Möglichkeit, flexibel zwischen verschiedenen Lacksystemen wechseln zu können. Auch wurde eine Lasermarkierungstechnologie in die Produktion eingeführt: Immerhin bearbeitet KSG rund 150 Aufträge täglich. Diese digitale Markierungstechnologie soll Industrie 4.0 in die Leiterplattenfertigung holen und die Arbeitsschritte lückenlos rückverfolgbar machen.

KSG 06-Teilnehmer

Auf nach Chemnitz: 110 Kundenvertreter folgten der Einladung von KSG zur Jubiläumsveranstaltung – den 10. Technologietagen – zum Tagungsort nach Chemnitz. Marisa Robles

Jonas Kmuch steuert die gesamten Aufträge und Abläufe im Haus. Er berichtete darüber, welche Investitionen zwschen 2015 bis 2017 im Bau- und Infrastruktur getätigt wurden. So wurde das Zentrallager erweitert um die Logistik verbessern und eine bessere Kapazitatsanpassung zu ermöglichen. Die Investitionssumme belief sich da auf 4,6 Mio. Euro. Für die Verbesserung der IT-Infrastruktur gab das Unternehmen etwa 1,1 Mio. Euro und für weitere Umbau-Maßnahmen weitere 3,9 Mio. Euro aus. Jens Grieger ist verantwortlich für die Instandhaltung der Gebäudetechnik und für die Infrastruktur auf dem Gelände und informierte über die aktuellen Maßnahmen zum Energiemanagement.

Mathias Schmied, Projektingenieur von KSG, vertiefte die von Fiehler angekündigte Kennzeichnungstechnologie der Lasermarkierung. Auch gab er einen Technologieüberblick und stellte dabei die jeweiligen Vor- und Nachteile sowie Rahmenbedingungen vor. Jörg Surma, Leiter Technische Arbeitsvorbereitung von KSG stellte die Technologien zum Via-Verschluss vor. Holger Bönitz, Leiter Qualitätsmanagement stellte das Drahtbonden auf Leiterplatten vor. Dabei sprach er Empfehlungen aus Sicht eines Platinenherstellers aus und gab Designrules.

Kathrein ist der erste Partner von KSG im HF-Bereich. Die enge Zusammenarbeit befähigt den Leiterplattenhersteller, hochfrequente Eigenschaften an der unbestückten Leiterplatte zu messen. Ralf Dünnhaupt von Kathrein und Tilo Leistner, Projektingenieur von KSG, zeigten anschaulich, wie ein kundenbezogenes Projekmanagement zum weiten Thema der passiven Intermodulation (PIM) erfolgreich umgesetzt werden kann. Denn: Die PIM-Performance von Leiterplatten in Mobilfunkantennen hat einen wesentlichen Einfluss auf die Funktion des Gesamtsystems. Nach Projektende werden mit den Serienprodukten Messcoupons gefertigt und vermessen, um somit eine Überwachung der Herstellungsprozesse durchzuführen und ein dauerhaft niedriges PIM-Level nachzuweisen. Den neuen Weg der KSG zur Kultur der täglichen Verbesserung über Lean Management wurde von Marco Kamberg (Leaderschip Manufaktur) und Matthias Stickel (Leiter Technik Leiterplatte) vorgestellt. Neben dem Ziel, die Kundenzufriedenheit zu steigern, wird mit einer Qualitätsoffensive an der Nachhaltigkeit, aber auch auf kontinuierliche Verbesserungen im Arbeitsalltag der Führungskräfte gearbeitet. Damit will KSG eine Arbeitsoptimierung auf allen Ebenen entlang des Wertstroms erreichen.

KSG 07-Referenten

Gute Stimmung bei den Referenten des ersten Tages (v.l.n.r.): Ralf Dünnhaupt (Kathrein Werke), Jens Griger (KSG) Matthias Schmied (KSG), Jonas Kmuch (KSG), Lutz Bruderreck (Technolab), Prof. Dr. Heinz Goddar (Boehmert &Boehmert), Ralph Fiehler (KSG), Achim Süß (KSG) und Tilo Leistner (KSG). Marisa Robles

Experten und Kunden berichten

Den Teilnehmer erwarteten aber interessante Vorträge nicht nur von KSG Leiterplatten. In seinem kurzweiligen Vortrag „Patente und ihre Rolle in der Schaffung und Verbreitung technischer Innovationen – Patentsysteme und ihre heutige Funktion“ schickte Prof. Dr. Heinz Goddar, Patentanwalt und Experte für internationales Patentrecht sowie Partner von Boehmert & Boehmert, seine Zuhörer auf die Reise ins 14. Jahrhundert nach Venedig zu den Ursprüngen des Patentrechts, um dann, das Rad der Geschichte kontinuierlich drehend, über heutige Anforderungen und Tücken der Patentanmeldungen zu informieren.

Auf „Lötfehler aus der Sicht eines Untersuchungsdienstleisters“ konzentrierte sich Lutz Bruderreck, Geschäftsführer des Geschäftsbereich Analytik von Technolab. In seiner Funktion ist er auch Sachverständiger für Elektronikschäden und wusste über Vieles zu berichten. Seit 20 Jahren besteht eine enge Zusammenarbeit mit KSG. Harald Grübel von Euchner nahm die Zuhörer in seinem Vortrag „ Sensorik – der Treiber für Industrie 4.0 in die sich immer mehr vernetzende Welt des Maschinenbaus“ mit. Herz der voranschreitenden Digitalisierung sind Sensoren, wie sie Euchner herstellt. Sensoren liefern die Daten über den Prozess- und Maschinenzustand an die Steuerung der Maschine. Zum Einsatz kommen häufig Positionssensoren für Näherungsschalter und Maßstabssysteme, Kraft- und Momentsensoren, Sensoren für Sicherheitsschalter, Winkelsensoren, Drehzahlmesser, Temperatur- und Drucksensoren sowie Durchflussmesser. Alle diese Steuerungen und Systeme benötigen Leiterplatten, weshalb Platinenhersteller hier besonders gefordert sind, um robuste Leiterplatten mit feinsten Strukuren zu realisieren.

10. KSG-Technologietage: Werksbesichtigung in Gornsdorf

Eine umfassende Werksführung durch mehrstöckige Produktionshallen war Bestandteil der Jubiläumsveranstaltung. Marisa Robles

Den Abschluss der Technologietage und gleichzeitige Key-Note bestritt Veit Gabrysiak von Die Braincoaches. Er animierte alle Teilnehmer, ihren grauen Zellen mit kleinen, vielfältigen Bewegungen und Bewegungsabläufen auf die Sprünge zu helfen. Für das Gehirntrainig im Alltag gab es zwei kleine Bälle als Giveaways.

Marisa Robles

Marisa2017_Dirndl
ist Chefredakteurin Productronic

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