| von Hilmar Beine

Mit dem Motto „To the roots“ traf das 15. Europäisches Elektroniktechnologie-Kolleg 2012 wieder einmal ins Schwarze. Gerade jetzt gilt es, Möglichkeiten für mehr Kreativität in unserer Branche zu schaffen – in einer Zeit, in der bereits 60 % aller Elektronik bereits bleifrei gefertigt wird, die Krise 2009 überwunden scheint und die Ungewissheit über Prognosen und globale Entwicklungen des Elektronikmarktes immer größer werden.

Im Fokus der praxisnahen Vorträge standen denn auch unterschiedliche Fertigungskonzepte, wie z. B. Losgröße 1, Großserie, EMS-Fertigung und Null-Fehler-Strategie sowie die Herausforderungen bei der Verarbeitung anspruchsvoller Bauelemente und Packages. Überdies wurden Oberflächen-Finish- und Leiterplattenqualitäten vergleichend diskutiert.

In den vier Workshops des Kollegs zu den Themen: „Fertigungswissen, Normen, Kreativität und Kommunikation“ hatte man die Möglichkeit, auch eigene Fragestellungen und Probleme intensiv im Teilnehmerkreis zu erörtern.

Das angenehme Ambiente des Tagungsortes eröffnete, wie jedes Jahr, die Möglichkeit zum ausgedehnten Erfahrungsaustausch im Teilnehmerkreis sowie mit den Referenten und Geschäftspartnern des Kollegs, den Firmen ASM AS, Asys Group, Balver Zinn, Christian Koenen, Kolb, Rehm, Zevac und TBB.

Die Vorträge

In seinem Vortrag „EMS Fertigung in Deutschland“ bestätigte Johann Weber, Zollner, Zandt, die inzwischen kaum noch anzuzweifelnden Trends in der Entwciklung des Elektronikmarktes: Die Frequenz der Markeinbrüche nimmt über die Jahre immer mehr zu, zum Glück steigt auch das Gesamtvolumen im Durchschnitt stetig an. Eine bedarfgerechte Produktion, also eine Optimierung der gesamtheitlichen Supply Chain hilft, sich als EMS im globalen Wettbewerb weiter zu profilieren.

„Vision Zero Defects – Inspektionstechnik in der Automobilelektronik“ war das Thema von Peter Jobst und Dr.-Ing. Michael Eisenbarth, Continental, Ingolstadt.

Über die „Fertigung von der Großserie bis zur Losgröße 1“ berichtete Ralf Hess, Diehl AKO Stiftung, Wangen.

Der „Einsatz passiver Bauelemente in temperaturbelasteten Baugruppen“ verlangt heute Höchsttemepraturen bius zu 200 °C. Dem muss ein Bauteilhersteller, wie Dr. Werner Blum, Vishay BC Components Beyschlag, Heide, betonte, in jeder Hinsicht entgegenkommen können.

„MIDs in der Fertigungspraxis“ sind die Spezialität von Karl Görmiller, MID-Tronic Wiesauplast, Wiesau (vgl. productronic 4-2012, S. 100).

Das Fertigen von LED sei nun einmal immer noch ein Zufallsprozess, was die entsprechende Sicherstellung von Farbbinnings unausweichlich macht, so Dr.-Ing. Wolfgang Pohlmann, Hella KG aA Hueck & Co., Lippstadt in seinem Vortrag „LED Baugruppen – Status und Trends“. Ein kleiner Hinweis nebenbei: Schon durch leichten Druck auf die Linse aus Silikonverguss kann es zu einer Beschädigung des LED-Chips bzw. des Bonddrahtes kommen. Und die Hauptursache von LED-Ausfällen im Feld sind durch ESD oder EOS vorgeschädigte LEDs.

„Funktionelle Oberflächen – Eigenschaften im Anwendungsprofil“ war das Tema von Ralf Schmidt, Fraunhofer IZM, Berlin.

Über die „Zuverlässigkeitssteigerung durch Packagemodifikation und Sonderlötkonzepte für kritische SMD“ berichtete Dirk Doser, Cassidia, Ulm – eine von vier EADS-Divisionen.

„Mechanische Toleranzen im Lötprozess“ war das Thema von Klaus Birkner, Loewe Opta, Kronach. Er betonte, dass sich Loewe zunehmend auch als EMS-Partner der Automobilelektronik versteht. Anspruchsvolle Elektronikbaugruppen und Gerätemontage in flexiblen Losgrößen seinen schon immer die Stärke der Kronacher.

Glück und Kreativität

„Die Tretmühlen des Glücks: Warum mehr Einkommen nicht glücklicher macht“ war Titel des Vortrages von Prof. Dr. Mathias Binswanger, School of Business, Olten, Schweiz. Der Autor mehrer Sachbücher rund um wissenschaftliche Erkenntnisse zum Thema Glück wirkte nachhaltig auf die Gespräche und Diskussionen unter den Teilnehmern des 15. Europäisches Elektroniktechnologie-Kollegs und war auch zentraler Gesprächspunkt im Workshop „Kreativität“.

Die Workshops

In den Workshops war Teamarbeit mit den Teilnehmern des Technologie-Kollegs in kleineren Gruppen gefragt. Das Thema „Kommunikation“ moderierte Prof. Dr. Ruedi Käch, School of Business, um „Kreativität“ kümmerte sich Prof. Dr. Mathias Binswanger, School of Business, um “Normen” Dr. Thomas Ahrens, Trainalytics, und um „Fertigungswissen“ Günter Grossmann, EMPA.

Hilmar Beine

: Chefredakteur der productronic.

(hb)

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