Mehrere Männer in Masken schauen zusammen auf eine Maschine.

Kurtz Ersa trotzte Corona und präsentierte in seinem Technologieforum vom 15. bis 17.6.2021 ein breites Spektrum der Elektronikfertigung. Alles in allem eine sehr gelungene Veranstaltung. (Quelle: Ersa)

Nach der positiven Resonanz zum ersten Technologieforum bei Ersa 2020, freuten sich Vertriebsleiter Rainer Krauss und Hansjürgen Bolg, Leiter Lötwerkzeuge, Rework & Inspektion, darauf, zahlreiche Gäste im 2020 neu gebauten Gebäude begrüßen zu dürfen. Die Fachtagung wurde unter Einhaltung der aktuellen Schutz- und Hy-gienemaßnahmen durchgeführt. Mehr noch: Um den Teilnehmern den Besuch zu erleichtern, hatte das Unternehmen direkt vor dem Firmensitz eine Schnellteststation eingerichtet. Mit einem negativen Test erhielten Besucher ein Armband für den Zutritt für den jeweiligen Tag. Krauss hob in seiner Eröffnungsrede hervor, dass er bereits viel positives Feedback zum Hygienekonzept erhalten habe, das mit den Gesundheitsämtern und der Stadt Wertheim abgesprochen wurde. Anders als im letzten Jahr war dieses Jahr eine Besichtigung der Produktion nicht möglich. Doch es gab auch sonst an den drei Tagen genug zu sehen und zu erleben.

Automatisierung und Industrie 4.0

Ein Teil des Technologieforums waren wie im letzten Jahr die zahlreichen Vorträge. Im Vortrag „Automation: Key-Solutions für Ihre THT-Elektronikfertigung“ gingen Rainer Krauss und Marcel Buck, Produktmanager Optische Kontrolle, darauf ein, wie Ersa als Systemlieferant Lösungen aus einer Hand anbietet. Wie wichtig die Automatisierung und die Qualitätskontrollen sind, erläuterte Buck am Beispiel eines Markenschuhs. „Wenn Sie 100% vom Preis zahlen, wollen Sie auch, dass die Qualität des Produkts bei 100% liegt.“ Dafür brauche es entsprechende Ausrüstung. Aktuell sieht Buck den Trend, dass Insellösungen, die auf spezielle Anforderungen zugeschnitten sind, abnehmen. Er rechnet jedoch damit, dass die Anfragen wieder zunehmen werden.

Später stellte Nicolas Bartschat in seinem Vortrag „Industrie 4.0: Ready für die digitale Zukunft mit Kurtz Ersa Connect“ die digitale Strategie von Ersa vor. Dabei teilt das Unternehmen seine Industrie-4.0-Ansätze in drei Bereiche auf: Smart Services, Smart Machines und Smart Production. Diese sollen die Service- beziehungsweise Prozessqualität oder die Transparenz in der Fertigung erhöhen. Bartschat verwies jedoch darauf, dass Unternehmen „an ihrem Mindset arbeiten müssen, bevor sie digitalisieren, denn Digitalisierung fängt im Kopf an.“ Die Ablehnung von Home-Office in der Zeit vor Corona habe das anschaulich gemacht. Mittlerweile sei der Ansatz größtenteils akzeptiert und weit verbreitet.
Produktseitig stellte Bartschat die IIoT-Plattform Kurtz Ersa Connect vor. Diese soll als zentrale Gatewaylösung für digitale Lösungen Maschinenbauer unterstützen: von Einstiegslösungen – sogenannten „low hanging fruits“ – bis zur vernetzten Fertigung. Als Cloud-Anbieter setzt das Unternehmen auf Microsoft Azure.

Die Ersa-Roadmap sieht im ersten Schritt vor, dass es zukünftig nur noch eine einzige Schnittstelle zu Kundensystemen für alle Ersa-Systeme geben soll, unabhängig davon, ob es um Hand-, Selektiv-, Wellen-, Reflowlöten, Drucken und Rework geht. Danach ist geplant, dass ein Datensatz den gesamten Produktionsprozess umfasst.

 

Wer ist Schuld an Magerlötstellen?

Michael Zahn, Business Development bei Christian Koenen, ging in seinem Vortrag anhand eines Praxisbeispiels auf die Optimierungsmöglichkeiten im Schablonendesign ein. Ein Kunde hatte sich be-schwert, dass es Magerlötstellen gibt und das Lotdepot versetzt ist. In einer Abstimmung per Handzeichen erfragte Zahn, wen die Zuhörer im Verdacht haben, die Schablone oder die Leiterplatte. Die Mehrheit tippte auf die Leiterplatte – und behielt recht. Mit der Miniaturisierung von Bauteilen nimmt die Fehleranfälligkeit durch Leiterplatten-Toleranzen zu. Häufig lässt sich durch Anpassen des Schablonendesigns die Fehlerrate drastisch reduzieren.

Im Vortrag von Laser Melting Innovations (LMI) ging es um die Möglichkeiten des metallischen 3D-Drucks. Als Ausgründung aus dem Aachen Center for Additive Manufacturing (ACAM), einem Institut der RWTH Aachen, hatte sich das Unternehmen auf die Fahne geschrieben, auch kleinen und mittleren Unternehmen über einen günstigen Anschaffungspreis den Einstieg in die Welt des Laserstrahlschmelzens von Metallen zu ermöglichen. Das Konzept und die Erfolge überzeugte Kurtz Ersa, weshalb die Unternehmen 2020 eine strategische Kooperation eingingen. Daraus ging der Metall-3D-Drucker Alpha 140 hervor.

 

100 Jahre Ersa

Abseits der Pandemie stand die Veranstaltung noch unter einem weiteren besonderen Zeichen. So wird Kurtz Ersa auf der productronica am 18.11.2021 sein 100-jähriges Bestehen am Stand feiern. Exakt an diesem Tag vor 100 Jahren wurde die Gründungsurkunde unterzeichnet. „Augen auf bei der Firmengründung“, kommentierte Hansjürgen Bolg diesen Umstand mit einem Augenzwinkern. Vertriebsleiter Rainer Krauss ergänzte: „Wir sind seit 100 Jahren da und werden auch in 100 Jahren noch da sein.“

Hausmesse mit Partnern zeigt Spektrum der Elektronikfertigung

Wer genug von der Theorie hatte, konnte in mehreren Räumen über zwei Gebäude hinweg diverse Maschinen begutachten. So stellte Ersa im Customer Care Center unter anderem sein Portfolio aus dem Bereich Rework, Reflow-, Selektiv- und Wellenlöten sowie Automatisierungslösungen aus. Beispielsweise konnten Besucher den Versaguide ausprobieren. Dieses kamerabasierte System überprüft die korrekte Montage von THT-Bauteilen auf einer Leiterplatte und kann je nach Konfiguration sogar Polaritäten erkennen und beurteilen. Passt alles, erhält der Werker ein grünes Smiley und bekommt so ein direktes Feedback, dass die Bestückung der Leiterplatte in Ordnung ist. Die Positionen der Bauteile lassen sich einfach über das Einlesen der Bill of Materials (BOM) einlernen. Positionsmarken auf den Leiterplatten sorgen für die richtige Orientierung. Zum Einsatz kommt das System beispielsweise beim Ventilatorenhersteller Ziehl Abegg. Dieser kann dadurch 12 000 Baugruppen in einer Woche verarbeiten, statt der geplanten 8 000. „Mit denselben Mitarbeitern!“, wie Vertriebsleiter Rainer Krauss betont. Dies zeige, wie sehr das unmittelbare Feedback die Werker bei monotonen Arbeiten unterstütze und die Produktionsleistung erhöhe.

Um das Spektrum an Technologie abzurunden, hatte Kurtz Ersa wieder eine Reihe von Partnern eingeladen, die an der Ausstellung teilnahmen. Dazu zählen beispielsweise ASM, Christiane Koenen, Inmatec, Interflux, Kolb sowie Kraus Hardware und Viscom. Die Bandbreite der Ausstellungsstücke reichte von der Generierung von Stickstoff direkt vor Ort über Reinigungslösungen sowie Bestücker. Kraus adelte die Hausmesse als „kleine SMT, die wir für Sie aufgebaut haben.“ Als weiteres Angebot gab es Live-Demonstrationen.

 

Ersa Automation – VERSAGUIDE PRO – Produktvideo

Auf ein Wiedersehen bei Ersa in 2022

Auch wenn die Besucherzahlen noch unter den Reisebeschränkungen litten, zeigte sich Kurtz Ersa mit dem Technologieforum zufrieden. Zwar hatte es Überlegungen gegeben, die Veranstaltung ein paar Wochen später zu veranstalten, um womöglich etwas weniger Corona-bedingte Einschränkungen zu haben, letztendlich jedoch hat man sich entschlossen, die Veranstaltungen am geplanten Termin durchzuführen. Auch 2022 soll es das Format wieder geben – bis dahin hoffentlich ohne hygienebedingte Einschränkungen.

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