Die Turbulenzen auf dem internationalen politischen Parkett, aber auch Ungewissheiten in der künftigen technologischen Ausrichtung führen dazu, dass der Elektronikmaschinenbau leicht abkühlt. Zum Auftakt der Messe SMTconnect 2019 gab der Fachverband Productronic im VDMA gute und dennoch leicht eingetrübte Prognosen zum allgemeinen deutschen Maschinenbau und zum Markt für Elektronikproduktionsmittel.

Daniel Müller, VDMA: „Trotz der abgeschwächten Konjunkturdaten steht die Industrie der Maschinenbauer gut da.“

Daniel Müller, VDMA: „Trotz der abgeschwächten Konjunkturdaten steht die Industrie der Maschinenbauer gut da.“ Marisa Robles

Die gute Nachricht im allgemeinem Maschinenbau zuerst: „Trotz der abgeschwächten Konjunkturdaten steht die Industrie der Maschinenbauer gut da“, resümiert Daniel Müller, Fachabteilung Productronic des VDMA Electronics, Micro and Nano Technologies, die derzeitigen Entwicklungen im allgemeinem Maschinenbau. Dennoch zeichnen sich dunkle Wolken am Horizont ab. „Zum vierten Mal in Folge mussten die im VDMA gemeldeten Maschinenbau-Unternehmen Einbußen im Auftragseingang sowohl aus dem Inland wie auch aus dem Ausland hinnehmen“, erläutert Müller weiter. „Verschiedene Faktoren führen zu diesem „dezenten Abwärtstrend, wobei die EU eine eher untergeordnete Rolle spielt“, betont er und nennt dabei Schlagwörter wie Brexit, Trump und der Handelskrieg mit China. In Anbetracht dessen, verhalte sich die Industrie verhalten, was Auswirkungen auf den Auftragseingang im allgemeinen Maschinenbau habe, argumentiert er.

Noch habe dies keine Auswirkungen auf die hiesige allgemeine Maschinenproduktion, versichert Müller: „Im Moment ist die Maschinenproduktion mit derzeit 4 Prozent zum Vorjahr noch leicht im Plus. Aufgrund der letzten zwei, drei guten Jahre sind die Auftragsbücher noch voll.“ Gemessen an den prosperierenden Vorjahren sei das Plus in der Maschinenbau-Produktion jedoch gering, räumt er ein: „Wir hatten erwartet, dass sich hier ein höheres Plus ergeben würde.“ Gründe hierfür sieht er vor allem im Fachkräftemangel, genauso wie an Materialien-Engpässen. Weiterhin positiv habe sich die Beschäftigtensituation im Maschinenbau entwickelt. Hier konnte der VDMA ein Zuwachs von 3 Prozent auf etwa 1,6 Mio. Beschäftigte verzeichnen – bezogen auf Maschinenbau-Unternehmen mit einer Mitarbeiterzahl ab 50 Personen.

Elektronikmaschinenbau mit zurückhaltender Prognose

Volker Pape, VDMA: „Konkrete Prognosen sind derzeit für den Elektronik-Maschinenbau schwer zu treffen. Globale politische Ungewissheiten aber auch technologische Unwägbarkeiten wie etwa in der Automobilbranche verzögern kurzfristig weitere wichtige Investitionen.“

Volker Pape, VDMA: „Konkrete Prognosen sind derzeit für den Elektronik-Maschinenbau schwer zu treffen. Globale politische Ungewissheiten aber auch technologische Unwägbarkeiten wie etwa in der Automobilbranche verzögern kurzfristig weitere wichtige Investitionen.“ Marisa Robles

Was dies für die Hersteller für Elektronikproduktionsmittel bedeutet, erklärt Volker Pape anhand der aktuellen Zahlen der Geschäftsklima-Umfrage. Auch hier die gute Nachricht zuerst: „Der Auftragsbestand liegt mit derzeit 6,5 Produktionsmonaten deutlich über dem langjährigen Mittel für den Elektronik-Maschinenbau“, freut sich der Vorstandsvorsitzender der VDMA Fachabteilung Productronic. Jedoch sei die gesamte Branche der Elektronikmaschinenbauer zwiegespalten: „Die Erwartungen der Zukunft könnten kaum unterschiedlicher sein: Knapp die Hälfte der Befragten erwartet eine Verschlechterung, während die andere Hälfte einer Verbesserung der Auftragssituation entgegensieht.“

Abhängig von den jeweiligen Branchen, gehen 45,1 Prozent der Unternehmensverantwortlichen von einem leichten Rückgang des Umsatzes und dem Auftragseingang für 2019 aus, während 41,2 Prozent auch weiterhin optimistisch ein leichtes Umsatzplus sowie eine verbesserte Auftragslage im Vergleich zum Vorjahreszeitraum erwarten. Lediglich 13,6 Prozent glauben, dass sich die Auftragssituation nicht nennenswert ändern wird. „Konkrete Prognosen sind derzeit für den Elektronik-Maschinenbau schwer zu treffen. Globale politische Ungewissheiten aber auch technologische Unwägbarkeiten wie etwa in der Automobilbranche verzögern kurzfristig weitere wichtige Investitionen und beeinträchtigen je nach Kundenausrichtung der Unternehmen das Geschäft mehr oder weniger stark“, berichtet Pape, auch mit Blick auf die Entwicklungen hinsichtlich Elektromobilität und autonomes Fahren sowie die damit verbundene AVT-Wertschöpfungskette in der Leistungselektronik. Hier sieht er vor allem die Sintertechnik stark im Kommen.

Weiterhin positiv entwickelt sich die Nachfrage aus dem Ausland. Demnach ist der Anteil Asiens am Umsatz des Elektronik-Maschinenbaus im Laufe der letzten Monate auf fast die Hälfte des Gesamtumsatzes gestiegen. Neben Asien mit einem Umsatzanteil von 44,2 Prozent, bleiben der deutsche Binnenmarkt mit rund 22,9 Prozent Umsatz und der europäische Markt mit etwa 18,1 Prozent die wichtigsten Märkte für den Elektronikmaschinenbau. Die Entwicklung des nordamerikanischen Marktes hingegen lässt sich aufgrund der derzeitigen Rahmenbedingungen schwer prognostizieren und ist mit 8,5 Prozent Umsatzanteil weit abgeschlagen. Umgelegt auf die Umsatzprognosen, geht der VDMA davon aus, dass für 2019 eine Umsatzsteigerung von lediglich 1 Prozent erreicht wird, während für das kommende Jahr 2020 mit einem Umsatzwachstum von 1,4 Prozent „wieder mehr Zuversicht“ herrschen werde.

Bildergalerie
Dezenter Abwärtstrend im Auftragseingang des allgemeinen deutschen Maschinenbaus.
Die VDMA-Statistik zeigt den gesamten deutschen Maschinenbauproduktion, das mit derzeit 4 Prozent zum Vorjahr noch leicht im Plus ist.
Die im April 2019 durchgeführte Geschäftsklimaumfrage gibt ein zwiespältiges Bild wider: Knapp die Hälfte der Befragten erwartet eine Verschlechterung, während die andere Hälfte einer Verbesserung der Auftragssituation entgegensieht.
In der Geschäftsklimaumfrage äußerten sich die Mitgliedsunternehmen auch zu ihren Umsatzprognosen. Für dieses Jahr sind die Aussichten mit einem Umsatzplus von 1 Prozent leicht getrügt; mehr Zuversicht verspricht 2020 mit 1,4 Prozent Umsatzwachstum.
Spitzenreiter in der Umsatzentwicklung für den Markt des Elektronikmaschinenbaus ist Asien, gefolgt vom hiesigen Binnenmarkt und der EU.
Smarte mobile Elektronik beflügelt letztlich auch den Elektronikmaschinenbau.

Elektronikmaschinenbau demonstriert Wettbewerbsfähigkeit

Das hat auch weiterhin Auswirkung auf die Überstundensituation der Beschäftigten, ist sich Pape sicher: „Trotz unterschiedlicher Lage und Erwartungen planen die Unternehmen ohne Kurzarbeit und ohne einen Abbau des Personals.“ Wie schon die letzten Monate, fahren rund ein Drittel der Firmen weiterhin Überstunden. Dementsprechend wollen auch ein Drittel der befragten Firmen ihr Personal aufstocken.

Nicht zuletzt, um auch weiterhin wettbewerbsfähig zu bleiben: Um Konkurrenzfähigkeit auf dem globalen Markt weiterhin sicherzustellen, wollen fast alle der Firmen mittelfristig in den Bereichen Produktion, Logistik und Personal effizienter werden und gleichzeitig den eigenen Marktanteil steigern. Langfristig gesehen setzen rund 98 Prozent der Maschinenbauer für die Elektronikproduktion auf die Erforschung neuer Lösungen und die Weiterentwicklung des bestehenden Portfolios. „Aufgrund der bisherigen guten Auftragssituation und der wirtschaftlichen Notwendigkeit Entscheidungen in wichtigen Kundenbranchen wie der Automobilindustrie, Industrieelektronik oder dem Bereich der Speichertechnologien herbeizuführen und umzusetzen, kann der Elektronik-Maschinenbau mittelfristig und langfristig vorsichtig optimistisch in die Zukunft blicken“, ergänzt Volker Pape.