Eines vorweg, dieser Kommentar ist vollkommen subjektiv und beruht auf meinen Eindrücken und Gesprächen auf der Embedded World in Nürnberg. Ich erwähne dies bewusst, denn die ganze Berichterstattung rund um den Corona-Virus ist aus meiner Sicht meist sehr emotional geprägt.

Hashtag der Embedded World

Dieses Mal war Zeit für tiefergehende Gespräche auf der Embedded World, sagt Peter Wintermayr, Chefredakteur von elektronik industrie, elektronik journal und all-electronics. Nicole Ahner

Wie war bislang die Messe? Nun ja, alle Befürchtungen haben sich bestätigt: Weniger Aussteller, weniger Besucher, leere Stände – in unserer Bildergalerie haben wir das dokumentiert. Aber was war die Option? Absagen? Die Messe Nürnberg hatte tatsächlich den „Schwarzen Peter“ in der Hand. Es war einer dieser Lose-Lose-Situationen, die man sich nicht wünscht. Egal, wie man sich entscheidet, man kann nur verlieren. Was man den Veranstaltern aber vorwerfen kann und was auch von vielen Ausstellern und Besuchern getan wird, ist die – vorsichtig ausgedrückt – zurückhaltende Krisenkommunikation der Messe Nürnberg. Hier ist deutliches Verbesserungspotenzial gegenüber allen Parteien vorhanden.

Und auf der Messe selbst? Von einer gelungenen Veranstaltung kann man tatsächlich nicht sprechen. Nicht nur gefühlt waren die Gänge leer, und in einigen Hallen waren die sogenannten Recreation Areas größer als die Netto-Standfläche der Aussteller. Trotzdem wird es der Embedded World 2020 nicht gerecht, wenn man von einem vollkommenen Flop spricht. Selbst einer der heftigsten Kritiker, der die Chuzpe hatte, als einziger unter Klarnamen online seinen Unmut zu äußern – Andreas Bayer, Geschäftsführer von DSP Systeme, sei an dieser Stelle dafür ausdrücklich gedankt – zeigte sich am Ende versöhnlich. Hatte er doch diesen „einen“ Kontakt, der ein gutes Geschäft verspricht.

Hier kommen wir zu einem Punkt, den ich früher oft belächelt habe: Wann immer die Besucherzahlen rückläufig waren, haben die Messeveranstalter davon geschwafelt, dass dafür die Qualität deutlich gestiegen sei. Ich hielt das immer für ein „Bla-Bla“ der Messegesellschaft, um ein sterbendes Messegeschäft zu beschönigen. Auf der Embedded World 2020 hatte ich tatsächlich das erste Mal in meinen gut 31 Berufsjahren das Gefühl, dass diese Aussage stimmt. Und alle Aussteller, mit denen ich gesprochen habe, haben meinen subjektiven Eindruck bestätigt: Die Besucher, die da waren, haben reale Probleme und waren extrem an Lösungen interessiert, so der einhellige Tenor. Hinzu kam noch, dass dieses Mal genügend Zeit für tiefergehende Gespräche war – das habe ich selber so wahrgenommen.

Mein Fazit: Die Embedded World 2020 wird sicher als eine der schwächsten Veranstaltungen in die Geschichte dieser Messe eingehen. Allerdings muss man eingestehen, dass weder die Aussteller und schon gar nicht die Besucher dafür etwas können. Den Veranstalter habe ich explizit nicht genannt, denn der hat – nicht nur aus meiner subjektiven Sicht – den falschen Zeitpunkt gewählt. Faschingsferien in Bayern sind DIE Winter/Skiferien, und Fasching beziehungsweise Karneval ist für viele Rheinländer DER kulturelle und soziale Höhepunkt des Jahres! Deshalb gilt es für alle Beteiligten, aus den Vorkommnissen zu lernen, und es beim nächsten Mal besser zu machen. Die Embedded-Community schafft Lösungen, die unsere Welt voran bringt, weshalb eine Embedded World sehr wichtig ist. Wir sehen uns in 2021 sowie zuvor auf der Electronica.

Ihr
Peter Wintermayr