Blick in die Zukunft: Produktion des Fellbacher Unternehmens Wittenstein Bastian.

Blick in die Zukunft: Produktion des Fellbacher Unternehmens Wittenstein Bastian.Wittenstein

Für die EMO Hannover 2013 spielt das internationale wirtschaftliche Umfeld eine wichtige Rolle. Rund 60 % der mehr als 2.000 Aussteller kommen aus dem Ausland. Die Schlüsselstellung der Werkzeugmaschinen für die Industrieproduktion zeigt deren globale Marktentwicklung. Während der letzten 20 Jahre hat sich bis 2012 der internationale Werkzeugmaschinenverbrauch auf rund 66 Milliarden Euro fast verdreifacht – seit 2000 im Schnitt um 5 % jährlich. Wachstumstreiber war vor allem Asien, das 2012 etwa 60 % der gesamten internationalen Werkzeugmaschinenproduk­tion abgenommen hat.

Für das laufende Jahr erwarten die Analysten des VDW (Verband Deutscher Werkzeugmaschinenfabriken) einen Anstieg des Werkzeugmaschinenverbrauchs um 2 % auf etwa 68 Milliarden Euro. „Damit tritt nach den drei starken Vorjahren vorübergehend eine Beruhigung ein“, betonte Dr. Wilfried Schäfer, Geschäftsführer des VDW, der die EMO in Hannover ausrichtet. Seit dem Krisenjahr 2009 war der Werkzeugmaschinenverbrauch insgesamt um 77 % gewachsen. Für 2014 rechnet der VDW wieder mit einem steigenden Verbrauch von etwa 10 %. „Grund für die positive Prognose ist der Werkzeugmaschinenverbrauch einzelner Länder“, so Dr. Schäfer. China, Südkorea und Taiwan sind die Zugpferde in Asien sowie die USA, Mexiko und Russland.

Schwergewicht Deutschland

Deutschland gehört zu den großen Akteuren in der internationalen Werkzeugmaschinenszene. Als drittgrößter Produzent mit einem Anteil von 16 %, zweitgrößter Exporteur (rund 22 %), viertgrößter Markt und drittgrößter Importeur zählt Deutschland zu den internationalen Schwergewichten. Im vergangenen Jahr produzierten die deutschen Hersteller Maschinen im Wert von 14,2 Milliarden Euro (+10 %). Damit wurde auch das Vorkrisenniveau des Jahres 2008 wieder erreicht. Analog zu den internationalen Produzenten stellen sich die deutschen Hersteller auf eine Konsolidierung im Jahr 2013 ein, konkret: 1 % Zuwachs, bei einer Exportquote von 73 %. Dr. Schäfer: „Derzeit registrieren wir eine Stabilisierung im Auftragseingang aus dem Ausland.“ Waren die Auslandsaufträge im ersten Quartal noch rückläufig (-18 %), waren es über fünf Monate betrachtet nur noch -8 %.

Grund für Optimismus geben auch die Investitionspläne der wichtigen Abnehmerindustrien in Deutschland. Insbesondere der sonstige Fahrzeugbau, die Messtechnik, Optik und Medizintechnik sowie der Maschinenbau sollen gemäß den ­Vorhersagen überdurchschnittlich investieren.

Lackmustest für Werkzeugmaschinenbauer

„Zur Vorbereitung von Investitionsentscheidungen spielt die EMO eine wichtige Rolle“, stellt Schäfer mit Blick auf die vergangene Veranstaltung heraus. Laut Ausstellerbefragung wurden auf der EMO 2011 Aufträge im Wert von 4,5 Milliarden Euro unterzeichnet. „Auch in Deutschland ziehen die Bestellungen nach einer EMO regelmäßig an“, so Schäfer.

Das Leitthema der diesjährigen Messe ‚Intelligence in Production‘ zeigt, dass neben der technischen Entwicklungen an der Maschine auch die einzelnen Komponenten, der Prozess und die Dienstleistungen einen wichtigen Beitrag zum Erfolg der produzierenden Industrien leisten. Getrieben von globalen Megatrends gilt es für den Maschinenbau, Antworten auf die Anforderungen moderner Produk­tionsstätten hinsichtlich Emissionen, Ressourcen- und Flächenverbrauch aufzu­zeigen.

Eine der größten Herausforderungen ist es, den stetig wachsenden Energiebedarf umweltfreundlich und bezahlbar zu decken. Dafür bedarf es intelligenter und leistungsfähiger Umwelttechnik. Nur mit modernen, hochpräzisen Fertigungsverfahren können Wirkungsgrade erhöht und effiziente Technik in die Fläche gebracht werden. Ansätze zur Energiegewinnung aus regenerativen Energieträgern müssen von Maßnahmen zur Energieeinsparung in der Fertigung flankiert werden. Die Nachhaltigkeitsinitiative ‚Blue Competence‘ des europäischen Werkzeugmaschinenbaus liefert dazu viele Beispiele, die Fachleute auf der EMO im Rahmen des Kongresses ‚Intelligenter produzieren‘ diskutieren wollen. Zusätzlich präsentieren Aussteller in einer Sonderschau ihre Lösungen zur Energie­effizienz.

Megatrends verändern die Industrieproduktion

Für die Produktion treten bei Maschinen, Werkzeugen und Komponenten ebenfalls neue Herausforderungen auf. Aspekte wie Effizienz, Nachhaltigkeit, Kommunikation und Vernetzung, neue Werkstoffe, Flexibilität, Qualität, neue Produktkonzepte spielen auch hier eine wichtige Rolle. Die Effizienz von Maschinen muss sich am notwendigen Ressourceneinsatz für die Herstellung eines Produkts messen lassen. Ein wesentliches Augenmerk liegt auf der Produktivität der Fertigungseinrichtung. Effizientere Komponenten wie Antriebe und Hydraulikaggregate, leistungsfähige Werkzeuge, optimierte Prozesse, ergänzt mit intelligenter Steuerung, ermöglichen eine rationelle Fertigung. Damit können in der gesamten Wertschöpfungskette Einsparpotenziale erschlossen werden. Verbunden mit steigender Automatisierung, zum Beispiel beim Teilehandling und der Beschickung von Maschinen, sind interessante Lösungen über den Lebenszyklus einer Maschine oder Anlage realisierbar.

Nicht nur mehr Produkte werden nachgefragt, der Trend wendet sich ab von identischen Massenprodukten hin zu individuellen Produktmerkmalen. Moderne Fertigungsverfahren helfen, große Stückzahlen mit immer weniger Material- und Ressourceneinsatz zu produzieren und außerdem noch zu individualisieren. Der Einsatz hochpräziser Werkzeugmaschinen verbessert darüber hinaus die technische Funktionalität, zum Beispiel hochgenaue, eng tolerierte Oberflächen. Damit lassen sich beispielsweise Spaltmaße in Motoren, Generatoren oder Turbinen verringern. Dadurch steigt deren Wirkungsgrad. Entsprechend groß ist der Hebel hinsichtlich Einsparpotenzial mittels präziser Werkzeugmaschinen. Nicht zuletzt heißt intelligente Produktionsplanung auch Verschwendung zu minimieren, etwa mittels Nutzung der Abwärme von Maschinen für das Heizen von Bürogebäuden.

Selbst ist die Maschine

„Neben diesen Aspekten ist die Intelligenz künftiger Produktionssysteme eine zentrale Stellschraube, die in zwei Richtungen wirkt“, so Schäfer. Zum einen können sich leistungsfähige Komponenten selbst vernetzen und optimieren. Smartphones, verbunden mit dezentralen, sich selbst organisierenden Netzwerken, übernehmen dabei eine Vorreiterrolle und strahlen bereits in die Industrie aus. Komponenten und Baugruppen von Maschinen bringen ihre eigene Kennung und optimalen Betriebsparameter mit, melden sich bei übergeordneten Steuerungen selbständig an und sind in kürzester Zeit ohne manuelle Eingriffe einsatzbereit. Auf der anderen Seite steigt die Komplexität der eingesetzten Systeme, weil Informationen nicht mehr zentral verfügbar sind. „So muss auch der Mensch als Maschinenbediener, Instandhalter oder Produktionsplaner befähigt werden, diese Systeme immer noch bedienen und beherrschen zu können“, nennt Schäfer ein wichtiges Kriterium künftiger Maschinen­parks. Konzepte und Lösungen dazu werden zahlreiche EMO-Aussteller vom 16. bis 21. September 2013 in Hannover präsentieren.