ES-Interview mit dem Management von LEM Norma

Mit neuer „Power“!

Erfahren Sie im folgenden Interview die ehrgeizigen Pläne des größten heimischen Messgeräte-Produzenten LEM Norma, der verstärkt im stark wachsenden „Power“ Mess- und „Power“ Quality-Bereich punkten will.

Dem ES-Interview stellten sich der Geschäftsführer von LEM Norma Dipl.-Ing. Ludgar Grevenkamp, Prokurist und Verkaufsleiter Ing. Josef Schuh und Dr. Werner Mühlegger, Business Development Manager im Bereich Power Quality, der 1998 mit seinem Unternehmen zur LEM Gruppe stieß.

ES: Herr Grevenkamp, warum hat man sich vom Recorder-Bereich getrennt und welche weiteren Pläne hegt man im Hause LEM Norma?

Ludger Grevenkamp: Wir haben in den letzten beiden Jahren sehr viel Zeit und Energie aufgewendet, um unsere Positionierung und Strategien neu zu definieren. Das Ergebnis sieht folgendermaßen aus: Unsere Stärken liegen eindeutig im Bereich der Technologien und des Applikations-Know-hows und darauf wollen wir uns in Zukunft konzentrieren. Das heißt, unsere Kernbereiche sind „Power Quality“, „Power Measurement“ und der Bereich SIM – darunter verstehen wir Service, Installation und Maintenance. Die Recorder passten nicht zu den neuen Kernaktivitäten, womit der Verkauf eine logische Konsequenz der Neuausrichtung war.

ES: Waren neben Kipp & Zonen auch andere Käufer im Gespräch?

Ludger Grevenkamp: Wir haben am Anfang der Verkaufsverhandlungen auch mit der Firma Yokogawa gesprochen, die aber kein Interesse zeigte. So blieb in Europa eigentlich nur Kipp & Zonen, in deren Portfolio die bewährten Goerz Produkte passten.

ES: Wie sieht der zeitliche Ablauf der Verlagerung aus?

Ludger Grevenkamp: Rechtlich ist der Verkauf mit 1. Jänner 2000 über die Bühne gegangen. Das konkrete Prozedere sieht eine Verlagerung der Fertigung nach Holland bis Ende März vor. In den folgenden Monaten geht dann auch das Service nach Holland und bis Mitte des Jahres sind die Servogor Recorder vom Standort Wiener Neudorf komplett verlagert. Wir haben allerdings in sechs Ländern inklusive Österreich eine Vertriebsvereinbarung mit Kipp & Zonen getroffen.

ES: In Österreich wird Kipp & Zonen von Recom Electronics vertreten. Wie lässt sich das vereinbaren?

Josef Schuh: Das ist richtig. Aber wir können bis Jahresende die LEM Servogor Schreiber anbieten und vertreiben, das wurde vertraglich so geregelt. Ab 2001 ist dann nur noch Recom Electronics für den Vertrieb der Schreiber in Österreich zuständig.

ES: Welche Gründe führten zur Eingliederung von LEM Instruments in die LEM Norma?

Ludger Grevenkamp: Im Zuge der Umstrukturierung und der Ausgliederung der Schreiber machte es keinen Sinn mehr, rechtlich zwei Firmen zu führen und zudem wollten wir den in Österreich gut eingeführten Namen Norma neben LEM zum Hauptnamen machen.

ES: Gibt es außer den genannten Bereichen noch andere Aktivitäten von LEM Norma?

Ludger Grevenkamp: Ja, wir haben eine eigene Leiterplattenfertigung im Haus und wollen unsere großes Know-how in Zukunft auch extern als Dienstleistung anbieten.

ES: Kommen wir zum neuen Standort. Wo geht es hin und wie sieht der Zeitplan aus?

Ludger Grevenkamp: Wir haben im Süden Wiens im Campus 21 bereits einen Mietvertrag unterschrieben und planen Anfang des Jahres 2001 die Verlagerung des gesamten Unternehmens dorthin.

ES: Wie viele Mitarbeiter beschäftigen Sie derzeit und wieviel werden schlussendlich am neuen Standort beschäftigt sein?

Ludger Grevenkamp: Zur Zeit haben wir 110 und am neuen Standort werden wir rund 100 Mitarbeiter beschäftigen.

ES: Welche geschäftlichen Visionen haben Sie?

Ludger Grevenkamp: Ich erwähnte anfangs unsere drei Schwerpunkte, und die haben wir uns ja nicht willkürlich ausgesucht. Vielmehr sind das Bereiche wo wir uns unter den Ersten bewegen oder mit Recht behaupten können, dass wir uns dort in Kürze unter den Ersten bewegen werden.
Im Bereich „Power Quality“ sind wir derzeit die Nummer eins in Europa und haben auch in anderen Kontinenten eine gute Chance eine entsprechende Position aufzubauen. Im Bereich „Power Measurement“ liegen wir weltweit an zweiter Stelle und in Europa auf Platz drei. Auch in diesen Bereich wollen wir weiter ausbauen. Damit uns das gelingt, werden wir dort wo es Sinn macht auch mit externen Partnern zusammen arbeiten.

ES: In welchen Märkten sehen Sie das größte Wachstumspotential?

Ludger Grevenkamp: Wir sehen zur Zeit in Lateinamerika eine sehr positive Entwicklung und ebenfalls in Fernost, namentlich in China und in Japan.

ES: Der Strommarkt wird auch in Österreich liberalisiert. Wie wirkt sich das für LEM Norma aus?

Werner Mühlegger: Es ändern sich die Strukturen der EVUs in einer dramatischen Art und Weise und somit auch die Anforderungen an Lieferanten von Mess-Systemen. Wir sind darauf sehr gut vorbereitet und haben unsere Produkte dementsprechend Soft- wie Hardwaremässig adaptiert. So gesehen wird sich diese Entwicklung für uns sehr, sehr positiv auswirken.

ES: Verlangt der Markt eher mobile oder fix installierte Systeme?

Werner Mühlegger: Momentan erzielen wir den größten Umsatz mit mobilen Geräten. Die permanent installierten Anlagen wachsen aber derzeit sehr stark, weil sie eher den geänderten Bedürfnissen der Kunden entsprechen.

ES: Wie wirkt sich der kommende Preisdruck auf die Anbieter aus?

Werner Mühlegger: Durch die Liberalisierung und den damit verbundenen Kostendruck werden die Netze optimiert und nicht mehr überdimensioniert. Wenn man aber an die Belastungsgrenzen eines Netzes geht, braucht man zusätzliche Informationen und Daten um hier einen einwandfreien Betrieb garantieren zu können. Das heißt auch Netzoptimierung wird zunehmend an Bedeutung gewinnen und Marktimpulse bringen.

ES: Wer sind die größten Abnehmer im Bereich „Power Quality“?

Josef Schuh: Das sind in Österreich sicherlich die EVUs und Stadtwerke, die etwa 90 Prozent des Marktes ausmachen. Aber auch die Industrie hat in letzter Zeit einen gesteigerten Bedarf an Systemen – beispielsweise muss die Voest in Linz ihre Energiequalität intern dokumentieren und nachprüfen.

ES: Welches System setzt die Voest ein?

Josef Schuh: Sie verwenden das System Topas 1000, das auch vom ORF und vermehrt in Krankenhäusern eingesetzt wird. In den EVUs werden hingegen die bekannten Memoboxen schon seit Jahren zur Zufriedenheit aller eingesetzt. Aber auch nach unten hin bieten wir eine Reihe einfacher Geräte und Systeme an, um Energiequalitätsmessungen zu machen.

ES: Welche Systeme bieten Sie im Bereich Service?

Josef Schuh: Hier haben wir eine breite Palette vom einfachen Spannungsmesser über die FI-Schalterüberprüfung bis hin zur Erdungsmessung im Programm, die wir in alle Segmente des Service- und Installationsbereichs liefern.

ES: Kommen wir abschließend zum hochaktuellen „e-commerce“ und world wide web. Welche Pläne hat LEM Norma in der Cyberworld?

Ludger Grevenkamp: Wir sind gerade in der Endphase der nächsten Generation unserer Internetpräsentation und planen auch das Thema e-commerce dabei zu integrieren. Wobei aber an erster Stelle Software Updates oder das Runterladen von Produktbeschreibungen oder -informationen steht. Vor allem im B2B-Bereich wird hier vom Bestellwesen bis zur Rechnungslegung einiges realisiert werden.
Klassisches e-commerce ist mit beratungsintensiven und hochpreisigen Produkten derzeit eher kaum realisierbar. Nichtsdestotrotz werden wir diesen Vertriebsweg nicht aus den Augen lassen und uns dementsprechend vorbereiten und rüsten.

ES: Wir danken für das Gespräch.

LEM Norma
Tel. (02236) 691-760
jsc@lem.com
www.lem.com

Bildtexte:
Bild 1: Die Führungsriege von LEM Norma: Mühlegger, Grevenkamp und Schuh (vlnr).
Bild 2: Dipl.-Wirtsch.-Ing. Ludger Grevenkamp – Geschäftsführer
Bild 3: Ing. Josef Schuh – Geschäftsführer.
Bild 4: Dr. Werner Mühlegger – Business Development Manager.