Das Projekt Cloudi Facturing

Mit Cloudi Facturing erhalten auch KMU einen bezahlbaren Zugang zu komplexen Tools auf Clouds und Hochleistungsrechnern. Fraunhofer-Verbund IUK-Technologie / de.freepik.com

Hintergrund für dieses Projekt ist, dass weniger als ein Viertel der KMUs in Europa zukunftsweisende Informations- und Kommunikationstechnologien einsetzen. Durch eine mögliche Digitalisierung von Prozessen würde die Fertigung aber deutlich effektiver werden. Viele KMU verfügen weder über das Know-how noch über entsprechende Programme und auch nicht über die erforderliche IT-Infrastruktur, um (bei überschaubarem Aufwand) Produktionsprozesse digital erfassen und optimieren zu können.

Die Lösung, die sie dazu befähigen soll, heißt Cloudi Facturing: „Wir wollen auch KMU einen bezahlbaren Zugang zu komplexen Tools auf Clouds und Hochleistungsrechnern ermöglichen, damit sie dort ihre Produktionsprozesse digitalisieren können“, beschreibt Prof. Dr.-Ing. André Stork das Projekt. Damit entfällt also der ansonsten notwendige Schritt, die erforderliche Software auf den lokalen Rechnern (des Unternehmens) installieren und lizensieren zu müssen. Stork ist Leiter der Abteilung Interaktive Engineering Technologien am Fraunhofer-Institut für Graphische Datenverarbeitung IGD und leitet ein Projekt, dass zumindest die Grundlage dafür schaffen soll, diesem Missstand eine Alternative entgegenzusetzen. „Dafür bieten wir interessierten Unternehmen eine herstellerneutrale Cloud-Infrastruktur an und haben Möglichkeiten geschaffen, Daten sicher auszutauschen, um das geistige Eigentum des einzelnen Unternehmens zu schützen.“

Es werde nun mehr und mehr möglich, eine Fülle unternehmensspezifischer Daten aus dem laufenden Fertigungsbetrieb heraus in die geschützte Projekt-Cloud zu schicken und sie mit Hochleistungs-Analyse-Werkzeugen auszuwerten. „Das Resultat sind Simulations- und Analyseergebnisse des jeweiligen Fertigungsprozesses. Und diese Ergebnisse wiederrum liefern den Unternehmen entscheidende Erkenntnisse, um Spezialanfertigungen anzubieten, Verbesserungen der Prozesse vorzunehmen oder beispielsweise auch den Ressourcenverbrauch zu reduzieren“, erklärt Stork.

Cloud statt lokal

Cloudi Facturing ist eine aktuelle ‚European Innovation Action IA‘ im Rahmen der Public Private Partnership ‚Factories of the Future FoF‘. Das Verbundprojekt mit insgesamt 56 Partnern aus verschiedenen europäischen Staaten baut auf den EU-Projekten https://cloudsme.eu/ und ‚CloudFlow‘ auf. Ziel dabei war es, mit Hilfe der Cloud-Technologie KMU aus dem Fertigungsbereich neue Möglichkeiten zu eröffnen, Spezialsoftware über das Internet über eine Cloud-Flow-Plattform nutzen zu können, anstatt die Software auf den lokalen Rechnern zu installieren und zu lizensieren.

Praxisorientiere Experimente

Cloudi Facturing dient zunächst allerdings vor allem den Forschungszwecken. Ziel ist es, durch Anwendungsexperimente Erfahrungen zu sammeln und ein späteres, umfangreicheres Angebot weiter zu optimieren. Genutzt wird dabei eine Art dreistufiger Projektansatz, bei dem die Erfahrungen der vorhergehenden Phase in die kommende einfließen. „Phase Eins, die wir schon abgeschlossen haben, lässt sich am besten mit den Schlagworten Konsolidierung und Plattformentwicklung umschreiben“, sagt Stork. Unter anderem haben die Forscher eine Plattform geschaffen, die es erlaubt, Workflows auszuführen, die sowohl Komponenten in Clouds als auch Komponenten auf High Performance Computern rechnen lassen. „Diese Plattform kann unabhängig von den dahinterliegenden Rechner-Ressourcen arbeiten. Sowohl Anbieter als auch Anwender werden damit stark entlastet von Detailwissen über die jeweiligen Cloudinfrastrukturen“, betont Stork. Das aber sei nur die technische Seite.

„Im Bereich Manufacturing haben wir – wie wir das in jeder Phase tun werden – insgesamt sieben Experimente durchgeführt, die sich in diesem Fall unter anderem aus Aufgaben der Bereiche Verpackungsindustrie für Nahrungsmittel, Solarzellenproduktion und optimierte Kühlungsprozesse in der Metallherstellung ergeben haben“, so Stork. In vielen dieser konkreten Anwendungsfälle sei es gelungen, Prozessverbesserungen und Einsparpotenzial zu erreichen, die sich im zweistelligem Prozentbereich bewegen, betont Stork. Ähnlich erwartungsvoll sind die Forscher aber auch im Hinblick auf Phase Zwei, die gerade bearbeitet wird, und Phase Drei, die im ersten Quartal 2021 abgeschlossen sein soll.

Dritte, finale Phase: KMU zur Teilnahme gesucht

Die dritte Phase des Projekts Cloudi Facturing läuft bis Ende September. Bis dahin können sich interessierte Unternehmen bewerben. Alle Informationen sind hier zusammengefasst. Mit dem Anschluss dieser zunächst finalen Phase sollen die Erfahrungen zur Produzierbarkeit und Prozessoptimierung in der Herstellung so solide geworden sein, dass dann der Aufbau eines „umfassenden und substanziellen Marktplatzes“ beginnen kann, hofft Stork.