Steuerung über Gesten: IPH-Mitarbeiter steuert ein fahrerloses Transportfahrzeug (FTF) mit einer AR-Brille, über die ihm ein virtueller Joystick eingeblendet wird.

Steuerung über Gesten: IPH-Mitarbeiter steuert ein fahrerloses Transportfahrzeug (FTF) mit einer AR-Brille, über die ihm ein virtueller Joystick eingeblendet wird. IPH / Beatrix Kamlage

Wissenschaftler am Institut für Integrierte Produktion Hannover (IPH) haben eine derartige Software entwickelt, mit der sich FTF intuitiv steuern lassen. Alles, was dafür noch nötig ist, ist eine AR-Brille. Das System soll ganz normalen Logistik-Mitarbeitern schnell und unkompliziert helfen, gelegentliche Betriebsstörungen zu beheben oder außerplanmäßige Transportaufträge einzufügen.

FTF bewegen sich in der Regel auf festen Routen und erledigen vollautomatisch die immer gleichen Aufgaben. Aber gelegentlich kommt es auch hier zu Störungen, beispielsweise wenn ein Hindernis den Weg blockiert und das FTF dieses Hindernis nicht umfahren kann, ohne seine vorgegebene Route zu verlassen. Die meisten FTF bleiben dann stehen, bis das Hindernis beseitigt ist – oder bis sie manuell um das Hindernis herum gesteuert werden können. Letzteres kann längere Zeit dauern, wenn über die Leitsteuerung eingegriffen werden muss. Dazu sind Fachkenntnisse notwendig sowie spezielle Zugriffsrechte, die normalerweise nur ein oder zwei Mitarbeiter im Betrieb besitzen. In kleinen Unternehmen kann es sogar sein, dass niemand auf die Leitsteuerung zugreifen kann und bei jeder Störung der Hersteller des fahrerlosen Transportsystems (FTS) angerufen werden muss. Das ist dann besonders zeit- und kostenintensiv.

Blick durch die AR-Brille: Der Screenshot zeigt die Benutzeroberfläche für die Gestensteuerung. Ein Logistik-Mitarbeiter muss lediglich den roten Punkt greifen, der als virtueller Joystick dient – und schon kann er das Fahrzeug bewegen.

Blick durch die AR-Brille: Der Screenshot zeigt die Benutzeroberfläche für die Gestensteuerung. Ein Logistik-Mitarbeiter muss lediglich den roten Punkt greifen, der als virtueller Joystick dient – und schon kann er das Fahrzeug bewegen. IPH / Florian Kreutzjans

Um Fahrzeuge jederzeit steuern zu können – ohne spezielle Ausbildung, ohne IT-Kenntnisse und ohne Eingriff in die Leitsteuerung – haben IPH-Wissenschaftler im Forschungsprojekt MobiMMI ein intuitives und mobiles System zur Mensch-Maschine-Interaktion entwickelt. Eine handelsübliche AR-Brille benötigt man noch dazu. Mit ihr lassen sich die FTF mobil und intuitiv aus der Nähe steuern. Intuitiv heißt: über Blickkontakt, Sprache und Gesten. Der Logistik-Mitarbeiter setzt dafür die AR-Brille auf und kann sich anschließend einen dreidimensionalen Joystick einblenden lassen. Damit steuert er das Fahrzeug mit wenigen Handbewegungen beispielsweise um Hindernisse herum oder zu Stationen, die nicht einprogrammiert sind. Auch bei außerplanmäßigen Transportaufträgen oder übergroßen, sperrigen Gütern kann eine manuelle Steuerung sinnvoll sein.

Alternativ zur Gestensteuerung kann der Mitarbeiter auch die Sprachsteuerung aktivieren, einzelne FTF (englisch: AGV) auswählen und ein Fahrtziel vorgeben, beispielsweise: ‚AGV 3, go to station 5.‘ Die Sprachsteuerung eignet sich für außerplanmäßige Transportaufträge, beispielsweise, wenn etwas Vordringliches zu erledigen ist. Bisher musste dann ein qualifizierter Mitarbeiter über die Leitsteuerung eingreifen und den Auftrag vorziehen. Jetzt geht das auch auf Zuruf.