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Egal ob Standardprodukt oder kundenspezifische Lösungen: Für jede Anwendung gibt es den passenden Kontaktstift.
Feine Teile für die Zeitmessung: Im Federsaal (1964 bis 1973) wurden haardünne Metallbänder zu Federn geformt für die späteren Unruhe-Schwingfedern, die in Spezialuhren zum Einsatz kamen.
Geschäftsführer Wolfgang Bürkle und Klaus Giringer, Leiter der Mikroadaption, im Jahr 1997/98, als die erste Viprobe genannte Vertikalprüfkarte vorgestellt wurde. Im Vordergrund sind Kontaktfedern zu sehen.
Der Hauptstandort von Feinmetall in Herrenberg ist ganz auf das 50. Firmenjubiläum eingestimmt. Kurz zuvor wurde ein weiterer Erweiterungsbau fertiggestellt.
Montage der Vertikalprüfkarte Viprobe: Feinmetall nimmt heute eine technologische Spitzenposition in der Kontaktierung von Wafern ein.
Mit der Einführung der Viprobe genannten vertikalen Prüfkarte für Wafer lässt Feinmetall den Wettbewerb weit hinter sich.
Fein- und Mikromechanik auf höchstem Niveau: eine engmaschige Qualitätskontrolle sorgt für hohe Zuverlässigkeit.
Feinste Strukturen bedingen moderne Fertigungsumgebungen: Reinraum in Herrenberg.

Ein halbes Jahrhundert reichen die Ursprünge von Feinmetall zurück: „Vieles hat sich verändert, manches ist untergegangen – aber geblieben ist ein Unternehmen, das mit feiner Präzision Prüfkontaktprodukte herstellt und damit kontinuierlich gewachsen ist“, betont Wolfgang Bürkle. Der Geschäftsführer von Feinmetall räumt ein, dass er zunächst nicht vorhatte, in die Fußstapfen seines Vaters und Onkels zu treten. Doch deren Engagement bewog ihn dann doch, im Jahr 1994 – im 30. Jahr des Firmenbestehens – im Controlling einzusteigen. „Damals konnte ich mir nicht vorstellen, dass dies zu meiner Lebensaufgabe werden würde“, erinnert er sich. Seit 1997 lenkt er erfolgreich die Geschicke des Unternehmens: „Die Herausforderung, ein mittelständisches Unternehmen international wettbewerbsfähig zu machen, wurde eine spannende Aufgabe.“

Faszination der feinen Strukturen

Wolfgang Bürkle begrüßt die geladenen Gäste und lässt 50 Jahre Firmengeschichte Revue passieren.

Wolfgang Bürkle begrüßt die geladenen Gäste und lässt 50 Jahre Firmengeschichte Revue passieren.Marisa Robles Consée

Der Name Feinmetall ist seit der Firmengründung stets Programm: Heute kommen in den beiden tragenden Produktbereichen, Kontaktstifte und Wafer-Probecards, feinste elektromechanische metallische Elemente zum Einsatz, für Kontakt-Strukturen bis in den Mykrometerbereich. Damit liefert Feinmetall sämtliche Prüfmittel für den Qualitätstest in der gesamten Kette der Elektronikproduktion, vom Halbleiter-Chip über die Leiterplatte bis zur integrierten Baugruppe.

Bei den Federkontaktstiften bietet das Unternehmen ein lückenloses Spektrum von Produkten für den elektrischen Test von Bareboards über den InCircuit Test bis zur Steckverbinder- beziehungsweise Kabelbaumprüfung für die Automobilbranche. Dabei handelt es sich durchweg um anspruchsvolle Stifte, seien es dreiteilige Standard-Produkte, bestehend aus Mantel, Feder und Kolben oder hochkomplexe mulifunktionale Kontaktstifte, wie etwa Verrast-, Schraub- und Schaltstifte, welche nicht nur für elektrische Durchgangsprüfungen, sondern auch für Schaltfunktionen oder mechanische Abfragen einsetzbar sind. Erfolgsrezept hierbei ist, dass die richtigen Materialkompositionen, Kopfformen, Rastermaße und Federkräfte der Kontaktstifte auf die exakte Anpassung an die jeweilige Prüfaufgabe ausgelegt sind.

Am Ende ihres Vortrags verleiht Christina Almert, Vizepräsidentin der Bezirkskammer Böblingen der IHK-Region Stuttgart, die IHK-Ehrenurkunde an Wolfgang Bürkle.

Am Ende ihres Vortrags verleiht Christina Almert, Vizepräsidentin der Bezirkskammer Böblingen der IHK-Region Stuttgart, die IHK-Ehrenurkunde an Wolfgang Bürkle.Marisa Robles Consée

Der erste Coup im Prüfmittelgeschäft gelang im Jahr 1974, als eine Anfrage des Computerherstellers IBM nach gefederten Kontaktstiften zum Testen von bestückten und unbestückten Leiterplatten in die Produktion kam. Die bisher üblichen Federkontaktstifte anderer Hersteller hielten 50.000 Lastwechsel aus, IBM wollte aber 75.000 Lastwechsel. Es gelang Kontaktstifte herzustellen, die nach 1,5 Mio. Lastwechseln immer noch funktionstüchtig waren. Feinmetall baute die Kontaktstift-Produktpalette in der zweiten Hälfte der 1970er Jahre kontinuierlich aus und produzierte sowohl den mit einem Außendurchmesser von nur 0,38 mm kleinsten, als auch den größten Federkontaktstift, den es damals auf dem Markt gab. Abermals in enger Zusammenarbeit mit IBM gelang der zweite Coup: Eine neue Produktidee zur Kontaktierung von noch wesentlich engeren Prüfrastern nahm 1980 seinen Anfang. Die ersten Prüfköpfe mit vertikal angeordneten Kontaktnadeln, basierend auf dem Prinzip „Buckling Beam“ wurden entwickelt. Mit diesen nur noch 40 µm dicken Nadeln konnte man die auf Haaresbreite miniaturisierten Strukturen keramischer Substrate für die IBM-Großrechner passgenau kontaktieren. Der Mittelständler entwickelte und produzierte fortan Testköpfe in dieser Knickdraht-Technik.

Herausforderungen geschickt begegnen

Christina Almert, Vizepräsidentin der Bezirkskammer Böblingen der IHK-Region Stuttgart, und Wolfgang Bürkle von Feinmetall mit der IHK-Ehrenurkunde.

Christina Almert, Vizepräsidentin der Bezirkskammer Böblingen der IHK-Region Stuttgart, und Wolfgang Bürkle von Feinmetall mit der IHK-Ehrenurkunde.Marisa Robles Consée

Die rasante Entwicklung in der Halbleitertechnik trieb eine weitere Entwicklung voran: Mit der Herstellung der ersten Prüfkarte für den Wafertest wurde im Jahr 1985 der Grundstein für einen weiteren Geschäftsbereich gelegt. Kontinuierliche Fortschritte am Markt für Wafertest mit Epoxy-Prüfkarten führten 1997 schließlich zur Entwicklung der Viprobe genannten Vertikalprüfkarte, die auf der bewährten Buckling-Beam-Technologie beruht. Mit diesen Prüfkarten, die bis zu 25.000 Prüfspitzen beinhalten, ist es etwa möglich, mehr als 250 Speicherchips gleichzeitig zu testen. Dadurch kann der Durchsatz beim Testen der Wafer um ein Vielfaches gesteigert werden, wodurch die Testkosten deutlich sinken. Zu den Kunden der ersten Stunde zählten die großen europäischen Halbleiterfirmen wie Infineon, STMicroelectronics und die damalige Philips. Heute sind drei Produkt-Familien im Rennen: Neben der Viprobe mit Pitches von unter 56 µm und bis zu 25.000 Pins sind auch die Cantilever-Prüfkarten für niedrige Pin-Counts und die zur Kontaktierung von Micro-Bumps und Copper-Pillars ausgelegten Ciprobe-Prüfkarten erhältlich.

Von der Feinmechanik zur Elektronik

„Innovationskraft, Erfindergeist und ein hoher Qualitätsanspruch waren damals schon und sind auch heute noch die Triebfedern für unseren Erfolg“, ist Wolfgang Bürkle überzeugt. Das Unternehmen ist in den letzten Jahren stark gewachsen und beschäftigt mittlerweile weltweit rund 420 Mitarbeiter an sieben Standorten, davon 270 Mitarbeiter allein am Standort Herrenberg. „Erfahrene und kompetente Mitarbeiter sind für jedes Unternehmen der Schlüssel zum Erfolg“, bekräftigt Bürkle mit Blick auf die durchaus wechselvolle Unternehmensgeschichte. In den 1970er Jahren gab es mehrere Einschnitte: 1971 etwa verlegte die ursprünglich zum Kreidler-Konzern gehörende Feinmetall mit rund 50 Mitarbeitern ihren Firmensitz von Ludwigsburg nach Herrenberg.

Nach dem Ende des Kreidler-Konzerns 1982 erwarb die von den Brüdern Kurt und Walter Bürkle nach dem Krieg gegründete Firma Centra-Bürkle Feinmetall. Heute ist das Unternehmen nun in zweiter Generation im Besitz der Familie Bürkle. Im Jahre 1989 hat Feinmetall bereits 140 Mitarbeiter, erzielt einen Umsatz von 13,5 Mio. D-Mark und feiert mit einem großen Festakt seinen 25. Geburtstag. Im Jahr 1998 gründet der Mittelständler im tschechischen Nové Mesto nad Metuji eine Niederlassung zur Produktion von Federkontaktstiften.

Ehren-Gastredner: Prof. Dr. Hans-Jörg Bullinger der Fraunhofer-Gesellschaft sieht im Mittelstand das Erfolgsrezept für den Standort Deutschland.

Ehren-Gastredner: Prof. Dr. Hans-Jörg Bullinger der Fraunhofer-Gesellschaft sieht im Mittelstand das Erfolgsrezept für den Standort Deutschland.Marisa Robles Consée

Im Jahr 2006 treibt Feinmetall seine Expansionsbestrebungen im asiatischen und amerikanischen Markt voran: Vertriebs- und Serviceniederlassungen in den USA, Taiwan, Singapur und später in Mexiko sowie China entstehen, am Standort Singapur werden auch Probecards gefertigt. Der tiefgreifende Einbruch der Realwirtschaft in Folge der Krise an den Finanzmärkten 2008 und 2009 trifft den Mittelständler hart: Im Dezember 2008 sinkt der Umsatz um dramatische 50 Prozent. Schon ab 2010 wird wieder das Niveau von vor der Krise erreicht, und im Jahre 2012 bereits wieder um 20 Prozent übertroffen. Es entstehen weitere Vertriebsniederlassungen in China, in der 23-Millionen-Einwohnermetropole Shanghai und im weiter südlich gelegenen Shenzhen. Dass Feinmetall hier an den richtigen Markt-Plätzen ist, zeigt der konsequente Erfolg dieser Vertriebsstrategie: 2013 erwirtschaftete das Unternehmen mit seinen Auslandniederlassungen zusammen einen Umsatz von rund 40 Mio. Euro.

Festakt zum 50. Jubiläum

Ein extrem heißer, sonniger Sommertag – so präsentierte sich der 18. Juli 2014, der Tag, an dem Feinmetall nach Herrenberg zum Festakt einlud. Rund 120 Gäste fanden sich im neuen Erweiterungsbau zum ersten Teil ein und lauschten der Eröffnungsrede von Geschäftsführer Wolfgang Bürkle. Prof. Dr. Markus Müller vom Baden-Württembergischen Ministerium für Wirtschaft und Finanzen unterstrich, dass sich ein Großteil des schwäbischen Mittelstands – zu dem auch Feinmetall gehört – mit seinen Innovation zu Weltmarktführern entwickelt hat. Jene „Hidden Champions“ seien es auch, die sich zum Standort Deutschland bekennen und enorme Wertschätzung für ihre Heimat aufbringen würden. Christina Almert, Vizepräsidentin der Bezirkskammer Böblingen der IHK-Region Stuttgart, belegte die Wichtigkeit des Mittelstandes für den Standort Deutschland mit Zahlen. So seien beispielsweise 70 Prozent aller Arbeitnehmer in Deutschland in Familienbetrieben beschäftigt. Der Oberbürgermeister von Herrenberg, Thomas Sprißler, sandte Grußworte via Videoübertragung. Eloquent und kenntnisreich referierte Prof. Dr. Hans-Jörg Bullinger, Senator der Fraunhofer-Gesellschaft darüber, warum Deutschland die internationale Finanzkrise so gut überstanden habe: Das Erfolgsrezept sei, dass diese Technologie- und Innovationsführer, die mehrheitlich im Familienbesitz sind, das Beste aus zwei Welten vereinen: Sie sind flexibel wie Mittelständler und professionell wie Konzerne. Doch müssten die Mittelständler eine klare Strategie verfolgen und wissen, wohin die Reise in den nächsten Jahren gehen soll, mahnte er und riet, neben den Innovationssprüngen, die laufenden Qualitätskontrollen nicht aus den Augen zu verlieren. Im zweiten Teil der Feierlichkeit wurden die Mitarbeiter und internationalen Gäste, zu einem abendfüllenden Dinner eingeladen. Überraschungsgast war der SWR3-Comedian und Stimmenimitator Andreas Müller, der ein unterhaltsames Abendprogramm darbot. Wolfgang Bürkle nutzte den festlichen Rahmen, um langjährige und verdiente Mitarbeiter zu ehren.

((Interview))

Fünf Fragen an Wolfgang Bürkle, Geschäftsführer von Feinmetall

Rund 120 Teilnehmer lauschten den Vorträgen anlässlich der Jubiläumsfeierlichkeiten.

Rund 120 Teilnehmer lauschten den Vorträgen anlässlich der Jubiläumsfeierlichkeiten.Marisa Robles Consée

Mit etwa 50 Mitarbeitern ging Feinmetall 1964 an den Start. Heute ist der Hersteller von Kontaktstiften und Probecards ein international agierender Know-how-Träger.

In den Anfangsjahren war Feinmetall das „Herz guter Uhren“. Was war die Besonderheit?

Mit der Entwicklung neuartiger miniaturisierter Unruh-Schwingfedern war es möglich, eine bis dahin unbekannte Präzision bei Spezialuhren zu erreichen. Dazu wurden zunächst einmal spezifische metallische Legierungen entwickelt, die in der Lage waren, diese Anforderungen zu erfüllen. Bruchsichere Uhrenfedern, die der Belastung in Automobilen standhielten, Messgerätefedern, Drähte und Bänder hoher Präzision aus Spezialwerkstoffen, das war die Produktpalette der Anfangsjahre.

Dieser Tüftlergeist erfüllt die 50-jährige Firmengeschichte, besondere Meilensteine waren die Entwicklungen entlang der Kontaktstifte und Probecards. Welche Weichen wurden für den Erfolg gestellt?

Die Krise der deutschen Uhrenindustrie 1974 bedingte, dass Feinmetall sich nach neuen Geschäftsfeldern umsehen musste. Mit IBM gelang der Einstieg in den Markt der Elektronikindustrie. Zunächst mit den Federkontaktstiften, später eröffnete sich für uns mit den Knickdraht-Kontaktnadeln der Markt für die Feinrasterkontaktierungen. Diese Prüfköpfe wurden in einer für den Kunden maßgeschneiderten Ausführung hergestellt. Kundenspezifische Anfertigungen – auch das wurde einer unserer Erfolgsfaktoren.

Einen Meilenstein markiert die Übernahme von Feinmetall durch Ihre Familie im Jahr 1982, nach der Insolvenz des Kreidler-Konzerns. Wie gelang es, das Ruder rumzureißen?

Zunächst waren erhebliche Investitionen nötig: Rund 10 Mio. D-Mark wurden für Erneuerungen und Anschaffungen investiert. In den Folgejahren konzentrierten wir uns auf unsere Kernkompetenzen und nutzten unser gesammeltes Know-how für neue Produktideen. So entstand basierend auf der Knickdraht-Technik unser neues Geschäftsfeld für vertikale Prüfkarten für den Wafertest. Das wurde eine Erfolgsstory! In der Anfangszeit konnten wir den Umsatz mit diesen neuen Produkten von Jahr zu Jahr verdoppeln. Im Jahr 2000 erhielten wir die Anerkennung beim Innovationspreis „Top 100“ vom damaligen Wirtschaftsminister überreicht. Zudem waren wir im Jahr 2003 die ersten, die eine „4Touch Down“ genannte Probecard für 300-mm-Wafer liefern konnten.

Vor welchen Herausforderungen stehen Sie heute?

Die größte Herausforderung der kommenden Jahre ist weitere Miniaturisierung und die Internationalisierung. Heute sind die Strukturen schon so klein, dass sie nicht mehr mechanisch gefertigt werden können. Wir müssen also neuartige Technologien finden und einsetzen.

Wie sehen Sie die Zukunft?

Wir sind jetzt dabei, mikromechanische Fertigungsmethoden zu erproben, damit wir mit der Entwicklung Schritt halten und unseren Kunden Prüfsysteme anbieten können, die auch in künftig noch kleiner werdenden Strukturen zuverlässig arbeiten. Mit Forschungskooperationen, gut qualifizierten Mitarbeitern und einem weltweiten Vertriebs- und Servicenetz sind wir hierfür gut aufgestellt.

Die Fragen stellte Marisa Robles Consée