Ein typischer Fahrzyklus

Morgens verlässt der Bus den Betriebshof mit vollem Batteriespeicher. Der Bus fährt zur ersten Endhaltestelle (TFS) seiner Linie und füllt dort seine Batterien wieder vollständig auf. Normaler Linienbetrieb erfolgt zyklisch: Der Bus fährt die Linie von Endhaltestelle zu Endhaltestelle ab und nimmt Fahrgäste auf. An ausgewählten Haltestellen erfolgt die Ultraschnellladung (FFS) während Fahrgäste ein- und aussteigen. Zudem wird der Bus vollständig an den Endhaltestellen nachgeladen. Nach Beendigung des Dienstes kehrt der Bus ohne Fahrgäste zum Betriebshof zurück und die Batterien werden über Nacht geladen (DFS). Alternativ lässt sich der Bus an einer Terminal Ladestation (TFS) vor dem Depot aufladen.

Flash-Laden in der Praxis

Bild 4: Nach erfolgreichem Test ist das Flash-Laden seit 2018 auf einer Linie in Genf im Betrieb.

Bild 4: Nach erfolgreichem Test ist das Flash-Laden seit 2018 auf einer Linie in Genf im Betrieb. ABB

Das Flash-Ladesystem kam in Europa zum ersten Mal bei dem sogenannten Tosa-Pilotprojekt im Mai 2013 zum Einsatz: Auf einer Teststrecke zwischen dem Genfer Flughafen und dem Ausstellungszentrum Palexpo wurde ein Demonstrationsbus bis Ende 2014 im öffentlichen Verkehr eingesetzt und getestet (Bild 4). Das erfolgreiche Pilotprojekt überzeugte die öffentlichen Genfer Verkehrsbetriebe TPG davon, auf dieser Strecke langfristig auf die Flash-Ladetechnologie zu setzen und zwölf Busse für den kommerziellen Betrieb zu ordern. Nach der vollständigen Inbetriebnahme der Buslin / ie 23 im Jahr 2018 verkehren die zwölf Gelenkbusse zu den Hauptverkehrszeiten in beiden Richtungen im Zehnminutentakt und mit einer Kapazität von je 133 Personen und befördern mehr als 10.000 Fahrgäste am Tag.

In Genf wurden an 13 von insgesamt 50 Haltestationen entlang der städtischen Buslinie 23 sogenannte Flash-Ladestationen installiert. Durch die geringe Anzahl an Ladestationen waren die Investitionskosten für die Infrastruktur relativ niedrig, während gleichzeitig ein optimaler und sicherer Betrieb gewährleistet wird. An den Endhaltestellen wurden drei weitere Ladestationen aufgebaut, welche die Bordbatterien über das automatische Anschlusssystem während der Pausen für die Busfahrer mit 400 kW in vier bis sechs Minuten aufladen. Im Depot gibt es außerdem Ladestationen, an denen die Busse in 30 Minuten bei 45 kW aufgeladen werden, um die erforderliche Energie für die Strecke zwischen dem Depot und der Umlaufstrecke bereitzustellen.

Verkehrsbetreiber werden bei der individuellen Betrachtung und Auswahl der passenden Ladeinfrastruktur von ABB unterstützt. Die Auslegung einer oder mehrerer neuer Elektrobuslinien erfolgt mithilfe eines von ABB entwickelten Analysetools, das bei der optimalen Positionierung der Ladeinfrastruktur unterstützt. Nach der Identifikation der zu elektrifizierenden Linie wird eine Energiesimulation mithilfe von Schlüsselparametern wie zum Beispiel der kommerziellen Geschwindigkeit, der Zusatzverbraucher und des genauen Fahrplans durchgeführt. Auf Basis dieser Simulation erfolgt die Konzeptionierung der optimalen Ladeinfrastruktur.

 

Dieser Beitrag ist in der emobility tec, dem technischen und technologischen Fachmedium für Hybridfahrzeuge und Elektromobilität, erschienen.

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