Jürgen Meyer (rechts)  im Gespräch mit AUTO- MOBIL-ELEKTRONIK-Redakteur Alfred Vollmer: „Wir sind der festen Überzeugung, dass Safety-Prozesse von Anfang an in die Elektronik hinein entwickelt werden müssen.“

Jürgen Meyer (rechts) im Gespräch mit AUTO- MOBIL-ELEKTRONIK-Redakteur Alfred Vollmer: „Wir sind der festen Überzeugung, dass Safety-Prozesse von Anfang an in die Elektronik hinein entwickelt werden müssen.“Alfred Vollmer

Was hat sich durch Assystem geändert?

Jürgen Meyer: Wir haben sehr viel Kontinuität verspürt, alle Führungskräfte und Mitarbeiter blieben in denselben Aufgaben und Positionen. Auch die Agilität und Flexibilität eines mittelständischen Unternehmens, nämlich schnell und in Kundennähe zu agieren, ist uns erhalten geblieben.
Es sind aber auch neue Aspekte hinzugekommen. So können wir unsere Kernleistungen jetzt in einem internationalen Kontext vermarkten, den die Assystem uns bietet. Insofern ist unser Markt für unsere Kernleistungen größer geworden: Spezifikation und modellbasierte Entwicklung von Steuergeräte-Funktionen sowie Engineering und Betrieb von Testsystemen. Zudem können wir Offshoring-Lösungen mit zusätzlichen Ressourcen integrieren wie zum Beispiel beim bereits erfolgreich erprobten Betrieb von Testsystemen mit rumänischen Mitarbeitern. Unter Beibehaltung der bekannten Ansprechpartner unterstützen wir so unsere Kunden bei preissensitiven Projekten.
Hinzu kommen zusätzliche Leistungen, die wir als Berner & Mattner bisher nicht angeboten hatten, nämlich die Hardwareentwicklung von Steuergeräte-Prototypen bis hin zur Kleinserienfertigung, der Betrieb von Prüfständen für mechanische Systeme sowie die Berechnung und Konstruktion von mechanischen Bauteilen. So können wir noch besser die volle Verantwortung für Pakete in der Entwicklung oder Serienbetreuung übernehmen.
Mit der Assystem im Rücken sind wir auch in finanzieller Hinsicht in der Lage, Projekte im Bereich von mehreren Millionen Euro zu übernehmen. Das hilft uns beispielsweise bei der Vorfinanzierung von Leistungen.

Die Kundenschnittstelle bleibt, aber wie sieht es mit dem Firmennamen Berner & Mattner aus?

Assystem ist ja ein – insbesondere in Frankreich und England – namhafter Engineering-Dienstleister mit Hauptsitz in Frankreich. In Deutschland haben wir als Berner & Mattner die Aufgabe, die in der Luftfahrt bereits bekannte Assystem nun auch im Automotive-Umfeld bekannt zu machen. Erst dann stellt sich die Frage nach Namen, und das wird sicherlich noch einige Zeit dauern.

Welche Herausforderungen müssen Sie derzeit meistern?

Eine Herausforderung besteht darin, die Vielzahl von Kundenanfragen zu erfüllen – über unser ganzes Leistungsspektrum hinweg. So haben wir beispielsweise letztes Jahr ein Competence Center für Autosar und Virtuelle Integration gegründet, weil diese Leistung vermehrt von uns abgefragt wird.

Wo genau setzen Sie im Bereich der Dienstleistungen rund um Autosar die Schwerpunkte Ihrer Aktivitäten?

Wir konzentrieren uns darauf, die Software-Komponenten zu integrieren, die ein OEM selbst entwickelt oder von anderen Unternehmen angeliefert bekommt. Hierbei sind sehr komplexe Tool-Chains im Einsatz. Unsere Expertise besteht darin, die Software-Bausteine auf die unterschiedlichen Versionen des Autosar-Standards zu migrieren, auch wenn Autosar 4 und die Tool-Chains noch nicht ausgereift sind. Entsprechend ausgebildete Mitarbeiter finden wir nicht auf dem Arbeitsmarkt, so dass wir deren Schulung selbst übernehmen.

Welche Applikationsschwerpunkte setzen Sie?

Entsprechend den Megatrends unserer Zeit ergeben sich vor allem Schwerpunkte in den Bereichen Connectivity, automatisiertes Fahren und Elektromobilität sowie Plug-In-Hybride als Zwischenstufe. Die E-Fahrzeuge enthalten hochgradig sicherheitskritische Hochvolt-Komponenten, so dass funktionale Sicherheit dort eine ebenso große Rolle spielt wie beim automatisierten Fahren.

Jürgen Meyer: Wir konzentrieren uns (bei  Autosar) darauf, die Software-Komponenten zu integrieren, die ein OEM selbst entwickelt oder von anderen Unternehmen angeliefert bekommt.

Jürgen Meyer: Wir konzentrieren uns (bei Autosar) darauf, die Software-Komponenten zu integrieren, die ein OEM selbst entwickelt oder von anderen Unternehmen angeliefert bekommt.Berner & Mattner

Diesen Bereich adressieren wir mit unserem Competence Center Safety und Systems Engineering, das sich hauptsächlich mit Hochvolt-Komponenten und sicherheitskritischen, vernetzten und auf mehrere Steuergeräte verteilte Funktionen beschäftigt.
Bisher entwickelten vor allem Tier-1s solche Funktionen. Mittlerweile sehen die OEMs diese Funktionen zunehmend als wettbewerbsdifferenzierend, so dass sie vor allem die Software derartiger Systeme zusehends selbst entwickeln. Dadurch müssen sie jedoch auch die Verantwortung für die funktionale Sicherheit dieser Systeme übernehmen und bedienen sich dazu unserer System- und Software-Kompetenz.

Mit dem Einzug der Consumer-Elektronik ins Auto steigen auch die Sicherheitsanforderungen. Was tut Berner & Mattner im Bereich Security?

Bei uns laufen bereits die ersten Security-Projekte fürs Auto. Wir übertragen die Konzepte, die wir aus dem Safety-Umfeld haben, auf den Security-Bereich. Safety muss genauso entwickelt, integriert und abgesichert werden wie die normalen Funktionen auch. Wir sind der festen Überzeugung, dass Safety-Prozesse von Anfang an in die Elektronik hinein entwickelt werden müssen und nicht erst hinterher durch eine Qualitätsabteilung hinein geprüft werden können.
Genau diese Ansätze übertragen wir auch ins Security-Umfeld. Noch findet dieses Thema geringe Beachtung, jedoch rückt Security mehr und mehr in den Fokus der OEMs und Tier-1s; den klassischen IT-Security-Anbietern fehlt allerdings das Know-how im Bereich Automotive-Embedded-Systems.

Wo setzt Ihr Unternehmen mittel- und langfristige Schwerpunkte?

Weil die Software mittlerweile die Innovationen im Automotive-Bereich liefert, entwickeln die OEMs diese Software selbst. Gleichzeitig steigen die Komplexität und die Variantenvielfalt, während neue Lieferanten mit innovativer Hardware auf den Markt kommen. Ich erwarte, dass Hersteller von Mobilfunk-Endgeräten wie beispielsweise Samsung oder HTC auch als Hardwarelieferanten in den Automobilmarkt vordringen.
Genau diese Trends unterstützen wir, indem wir gerne vor Ort bei unseren Kunden agieren und für sie Hardware-Protoypen und darauf die Software nach Autosar entwickeln. Wir führen den Rollout von OEM-Software-Eigenentwicklungen auf unterschiedliche Tier-1-Plattformen aus. Tier-1s bieten wir Support zu den OEM-Prozessen und Tools an und übernehmen an den Schnittstellen zwischen OEMs und ihnen Integrationsaufgaben.
Mit der Assystem können wir das auch international umsetzen und dabei interkulturelle und sprachliche Barrieren überbrücken.