Eine völlig unfehlbare Methode wird es sicherlich auch hier nicht geben. Jedoch haben eigene Messungen neben echten, detaillierten Werten für alle Winkel und Positionen zahlreiche weitere Vorteile. So sind sie beispielsweise schnell. Mit den richtigen Geräten samt Vorbereitung und Auswertung sind bereits in einigen Stunden erste, belastbare und reproduzierbare Daten verfügbar. Ist der Entwickler respektive der Dienstleister erfahren, kann die Dauer weiter verkürzt werden. Ein weiterer Vorteil besteht darin, dass sowohl das nackte Panel als auch das gesamte System in Abhängigkeit von der tatsächlichen Baugröße zerstörungsfrei und ohne Demontage gemessen werden kann. Außerdem sind sie günstig, da wenig Zeit und Aufwand geringere Kosten bedeuten und die Messung infolge der geringen Vorarbeit häufiger angewendet werden kann. Prinzipbedingt sind sie einfach reproduzierbar. Viele Prüflinge einer Serie können einfach überprüft und auf Einzelfehler getestet werden. Wenn nötig, ist es auch möglich, Messungen unter reell erwartbaren Rahmenbedingungen wie zum Beispiel Umgebungslicht oder Temperatur zu prüfen.

Bild 5: Werden die gesammelten Messwerte in einem Farbdreieck dargestellt, ergibt das den Display-Fingerabdruck.

Bild 5: Werden die gesammelten Messwerte in einem Farbdreieck dargestellt, ergibt das den Display-Fingerabdruck. Wammes

Diese Display-Fingerabdrücke zeigen somit technisch eine Sammlung von möglichst vielen Messpunkten aus allen zu erwartenden Blickwinkeln, sortiert nach den Messergebnissen für die Wiedergabe von jeweils Rot, Grün und Blau sowie Weiß als Resultierende. Es gibt unterschiedliche Messgeräte, die solche Daten messen und entsprechend auswerten können. Voraussetzung ist, dass sie blickwinkelaufgelöste Daten generieren können. Dazu zählen beispielsweise conoskopische sowie goniometrische Verfahren oder Leuchtdichtekameras mit entsprechender Optik. Wichtig ist auch die jeweils entsprechende Software. Diese ist üblicherweise bereits in der normalen Ausführung in der Lage, solche oder vergleichbare Auswertungen zu erstellen.

Farbdreiecke

Natürlich gilt, dass jede beliebige Darstellung genutzt werden kann. Werden die gesammelten Messwerte aber in einem Farbdreieck gemäß CIE 1931 dargestellt, ergibt das dann den Display-Fingerabdruck (Bild 5). Dort können sie nicht nur direkt ausgewertet werden. Da bei diesem Messverfahren die Messergebnisse für die jeweiligen Farben über alle Blickwinkel gesammelt und in der zugehörigen Farbe dargestellt werden, ergibt sich zudem meist eine „Wolke“ von Daten aus allen Blickwinkelergebnissen für die jeweilige Farbe. Das Beispiel-Diagramm zeigt damit zunächst, dass die Anzahl der darstellbaren Farben (color gamut) bei dem vorliegend gemessenen Display bei unterschiedlichen Blickwinkeln sehr unterschiedlich ausfällt. Der größte Gamut, der sich bei dem vermessenen Display nicht über unterschiedliche Blickwinkel verändert, kann somit im nächsten Schritt über das Dreieck, das sich zwischen den innersten Farbpunkten von jeweils Rot, Grün und Blau aufspannen lässt, geometrisch ausgewertet werden. Vergleichbares gilt für den theoretisch bestmöglichen Gamut. Zwar gilt dieser tatsächlich nur theoretisch, kommt bei dieser Messung jedoch dem Zahlenwert der Hersteller-Display-Spezifikation wahrscheinlich am nächsten (Bild 6). Zudem können Systementwickler direkt auf einen Blick erkennen, ob bei einigen Betrachtungswinkeln gegebenenfalls sogar Farbinversionen entstehen. In diesem Fall würde die dargestellte Farbe kippen, wodurch deren Komplementärfarbe dargestellt werden würde (Bild 7). Das ist einfach zu erkennen, wenn sich Messpunkte einer Farbe auf der jeweils anderen Seite des Weißpunktes befinden.

Keine wirklich gesättigten Farben

Bild 6: Der theoretisch bestmögliche Gamut.

Bild 6: Der theoretisch bestmögliche Gamut.

Zusätzlich lässt sich ebenfalls sehr einfach erkennen, dass selbst theoretisch im besten Falle bei dem hier gemessenen Display keine wirklich

Bild 7: Der hier dargestellte Fingerabdruck eines Displays zeigt die Farborte aller möglichen Blickwinkel. Zum Beispiel sind Farbversionen erkennbar, wenn Primärfarben (RGB) auch auf der anderen Seite des Weißpunkts messbar sind.

Bild 7: Der hier dargestellte Fingerabdruck eines Displays zeigt die Farborte aller möglichen Blickwinkel. Zum Beispiel sind Farbversionen erkennbar, wenn Primärfarben (RGB) auch auf der anderen Seite des Weißpunkts messbar sind. Wammes

gesättigten Farben dargestellt werden können (Bild 8). Ansonsten müssten sich die jeweiligen Messpunkte stärker und näher in den Bereichen der Grundfarben konzentrieren. Mit etwas Übung können Systementwickler sogar noch wesentlich mehr aus den Diagrammen ableiten. So zum Beispiel Aussagen zu den eingesetzten Farbfiltern, den verwendeten Polfiltern oder Art und Eignung der verwendeten Kompensationsfilme (Retarder) und vieles mehr. Bild 9 zeigt einen kleinen Überblick von Ergebnissen verschiedener Displays. Dabei zeigt das beste Display die „kleinsten Wolken mit größtem Abstand“. Im Idealfall mit nur jeweils einem Punkt für Rot, Grün und Blau, der sich möglichst in den Ecken der Primärfarben befindet. Das Messergebnis im linken oberen Diagramm von Bild 9 beweist, dass dies tatsächlich auch möglich ist. Im Übrigen handelt es sich bei all den hier gezeigten Messwerten ausschließlich um Color-TFTs. Ohne Display-Fingerabdruck beziehungsweise bei herkömmlicher Dokumentation hätte allen mit hoher Wahrscheinlichkeit die gleiche Spezifikation zugeordnet werden können.

Bild 8: Wirklich gesättigte Farben können nicht dargestellt werden.

Bild 8: Wirklich gesättigte Farben können nicht dargestellt werden. Wammes

Wenn solche Messungen häufiger, über längere Zeiträume oder für mehrere gleiche respektive gleichartige Displays und Embedded-Systeme durchgeführt werden, lässt sich zerstörungsfrei und aufwandsarm beispielweise sehr einfach nachweisen und dokumentieren, wie sich die Qualität und Eigenschaften über die Nutzungszeit verändern. Zudem können Qualitätsbeauftragte erkennen, welche Qualitätsschwankungen bei unterschiedlichen Lieferlosen auftreten oder ob sogenannte „Second-source“-Produkte mit vermeintlich gleicher Spezifikation auch tatsächlich gleich sind. Mit diesem Ausschnitt an Anwendungsmöglichkeiten des Display-Fingerabdrucks lässt sich nur

Bild 9: Kleiner Überblick von Ergebnissen verschiedener Displays.

Bild 9: Kleiner Überblick von Ergebnissen verschiedener Displays. Wammes

anreißen, welche Kosteneinsparungen und Risiko-Minimierungen damit tatsächlich möglich sind.

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