Thomas Rinschede: „AB Elektronik hat sich als Zulieferfirma besonders für OEMs etabliert, die Premiumfahrzeuge fertigen, und ist auch ein wesentlicher Anbieter für die Hersteller von Off-Road- und Nutzfahrzeugen.“

Thomas Rinschede: „AB Elektronik hat sich als Zulieferfirma besonders für OEMs etabliert, die Premiumfahrzeuge fertigen, und ist auch ein wesentlicher Anbieter für die Hersteller von Off-Road- und Nutzfahrzeugen.“ AB Elektronik

AUTOMOBIL-ELEKTRONIK: AB Elektronik in Deutschland ist das Center of Excellence für die Sensor Division der TTelectronics. Wie wird es sich weiter entwickeln?

Thomas Rinschede: Die Sensorik wird weiterhin die Kernkompetenz der AB Elektronik sein. Wir verfügen an unseren deutschen Standorten über eine Vielzahl von innovativen Neuentwicklungen und daraus resultierend über ein nennenswertes Know-how-Potenzial, mit dem wir unsere internationalen Standorte unterstützen werden.

Insbesondere Sensortechnologien, die zur Einsparung bzw. Reduzierung von CO2 beitragen, sind im Focus unserer Kunden. Das betrifft z. B. Sensoren für die Kraftstoff- und Harnstoffqualität, mit deren Einsatz die OEMs in Zukunft nicht mehr gezwungen sind, länderspezifische Motorsteuergeräte wegen der oft stark unterschiedlichen Kraftstoffqualität weltweit einzubauen. Das bedeutet für die OEMs Vereinfachungen der Entwicklung und der Logistik.

Neuentwicklungen wird es u. a. im Bereich der Druck- und Temperatursensorik geben. Gab es bislang Temperatursensoren für Temperaturen bis 850 °C, werden in Zukunft solche für Temperaturen bis 1250 °C verlangt. Sensorcluster sind hierbei immer stärker favorisiert – bis zu vier Sensoren werden künftig, je nach Applikation, zusammengefasst werden.

Waren bislang Sensoren mit Analogausgang in der Überzahl, werden ab sofort solche mit digitalen Schnittstellen angeboten. Zum Einsatz kommen künftig ASICs, die AB Elektronik gemeinsam mit führenden Herstellern entwickelt. PSI 5 ist hierbei als innovativste digitale Schnittstelle zu nennen und bereits bei vielen unserer Positionssensoren verfügbar.

Bei welchen Sensorarten haben Sie eine besondere Position?

Ein Alleinstellungsmerkmal hat AB Elektronik bei Gangerkennungssensoren und ist da derzeit einziger Anbieter für alle Getriebe. Dieser 3D-Hall-Sensor ist in der Lage, beliebig viele Endlagepositionen auf unterschiedlichsten Kulissen zu erkennen. Im Getriebeeinsatz bei namhaften Automobilherstellern bringt er
Zusatznutzen für Start-Stopp-Systeme und sorgt für Einsparungen, weil zusätzliche Schalter wegfallen
können.

Ein wichtiges Marktsegment für AB Elektronik ist der Bereich Transportation, der sich mit allem befasst, was für den Transport von Menschen und Waren wichtig ist. Neben unserem Sensorportfolio für den PKW-Bereich sehen wir unsere Stärken bei der Sensorik für Nutzfahrzeuge. Hier ist man über die gesamte Produktpalette stark vertreten. Insbesondere mit elektronischen Gaspedalen und mit Positionssensoren z. B. für die Erkennung der Situation beim Unterfahren (Ankoppeln von Aufliegern), zur Erkennung der Chassis-Position zur Scheinwerferregelung aber auch mit Temperatur- und Drucksensoren für modernde Abgassysteme ist AB Elektronik seit vielen Jahren Partner namhafter Nutzfahzeughersteller.

Wo haben Sie im Markt eine Sonderstellung?

AB Elektronik hat sich als Zulieferfirma besonders für OEMs etabliert, die Premiumfahrzeuge fertigen, und ist auch ein wesentlicher Anbieter für die Hersteller von Off-Road- und Nutzfahrzeugen. Dabei versteht sich die Firma nicht als Systemanbieter, sondern als Komponentenanbieter rund um das Thema Transportation. 70 Prozent der Komponenten der Firma gehen heute in PKWs, der Rest in Nutzfahrzeuge und Off-Roadfahrzeuge.

Durch die Globalisierung unserer Standorte in Verbindung mit starkem Netzwerk aus Produktion, Produkt- und Technologieentwicklung bieten wir unseren Kunden ein umfassendes Portfolio mit direkten, lokalen Ansprechpartnern und sichern uns hierdurch Wettbewerbsvorteile.

Wie sehen Ihre weiteren Entwicklungsaktivitäten in Europa aus?

Europa hat für uns, speziell im Bereich Technologie- und Produktentwicklung eine hohe Bedeutung. Leicht erkennbar, da sich sowohl unsere Kompetenzzentren für Produktentwicklung in Werne und Klingenberg, sowie auch unser Center of Excellence, das sich in Cambridge/ England mit der Vor- und Technologieentwicklung künftiger Produktgenerationen beschäftigt, in Europa angesiedelt sind.

Insgesamt arbeiten in Europa mehr als 100 Ingenieure in der Produkt- und Technologieentwicklung.

Allerdings setzen wir für künftigen Erfolg auf das Roll-Out dieser Kompetenzen an unsere internationalen Standorte.

Wir verfügen zum Beispiel über lokale Entwicklungszentren in Mexiko, China und Indien, die sich speziell auf die Weiterentwicklung unserer Produkte für lokale Märkte konzentrieren und vor Ort direkte Kundenkontakte unterhalten. Damit erfüllen wir eine maßgebliche Forderung unserer international aufgestellten Kunden.

Sie sind auch in Indien und China etabliert, gibt es da Unterschiede allein durch die Kulturen?

Unterschiedlich sind die Märkte in China und Indien. In China folgt man eher den Elektroniktrends der Europäer. Ein Grund für AB Elektronik dort ein Entwicklungsbüro mit 10 Ingenieuren zu unterhalten, die eng mit Deutschland kooperieren. Dort werden Produkte entwickelt, die der chinesische Markt verlangt. Dieser ist durch kurze Entwicklungszyklen gekennzeichnet. In China ist nur ein kurzer Zeitraum zwischen Entwicklung und der Serie akzeptiert, man muss vor Ort sein, wenn man dies effektiv realisieren will.

Anders der Markt in Indien. Dort gewinnt das Auto mehr und mehr Bedeutung als Statussymbol. Deswegen ist der Tata Nano dort kein Erfolg, man kauft sich statt eines billigen Nano besser einen gebrauchten Suzuki oder Honda, die über mehr Prestige verfügen und die ein besseres Image haben. Diese Entwicklung steht  allerdings unter erheblichem Preisdruck. Für die Hersteller von Sensoren bedeutet dieser Markt eine Möglichkeit, kurzfristig mit bekannten und etablierten Technologien und Sensoren, die in Europa seit einigen Jahren in Serie sind, aktiv zu werden. So gelingt die schnelle Umsetzbarkeit zu geringstmöglichen Kosten. Für AB Elektronik setzen in Indien derzeit 10 Ingenieure die lokalen Forderungen im bestehenden Sensorportfolio um.

Länder, die die Firma neben China und Indien im Visier hat sind neuerdings Brasilien und Russland. Hier ist man bei Lada etabliert mit denen man in Entwicklung, im Verkauf und beim Vertrieb zusammen arbeitet.

Wie sehen Sie die Entwicklung bei Hybridfahrzeugen und E-Fahrzeugen in den nächsten Jahren?

Ich erwarte für das Jahr 2020 Parität zwischen Elektrofahrzeugen und den Hybriden. Die von der Regierung projektierte Zahl von 1 Mio. E-Fahrzeuge in 2020 ist meiner Meinung erst dann realistisch, wenn die Infrastruktur dafür steht, die es ja heute noch nicht gibt.

Einem Produkt der Firma, das bereits in hohen Stückzahlen bei OEMs zum Einsatz kommt, kommt in Verbindung mit Hybridfahrzeugen eine besondere Bedeutung zu. Es ist das Force Feedback Pedal, das mit dem Fahrer durch haptische Rückmeldung kommunizieren kann. Künftig kann der Übergang von Verbrennungsantrieb auf den Elektroantrieb und umgekehrt signalisiert werden. Diese haptische Art der Signalisierung ist wesentlich effizienter und wird vom Fahrer intuitiv besser verarbeitet, als ein Überschwang akustischer oder visueller Signale.

Wie haben Sie die Krise überstanden, bei Ihnen gab es ja Kurzarbeit und auch Entlassungen?

Im Jahr der Krise haben wir Restrukturierungen vorgenommen, die uns vorangebracht und die Lage stabilisiert haben. Wir können uns über einen sehr hohen Auftragsbestand erfreuen und haben sogar die Stammmannschaft erhöht. Zusätzlich greifen wir, um den hohen Auftragsbestand zu bewältigen, auf etwa 50 Zeitarbeiter zu, die wir vor der Krise angestellt hatten und die jetzt nahtlos wieder ihren Job machen können. Grundsätzlich haben wir und ebenso viele unserer Marktbegleiter, gelernt, dass durch Krisen, die außerhalb unserer Vorstellungskraft und Einwirkung liegen, ein enormer Einfluss auf unser Geschäft genommen wird.

Sehen Sie z. B. die Ereignisse in Japan und deren Auswirkungen auf unsere Branche. Wir werden in Zukunft stärker auf Flexibilität in allen Prozessen achten, damit wir in extremen Situationen schnell reagieren können.     