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Das Leiterplattensortiment von Heger ist recht umfangreich und reicht von einseitigen Platinen über flexible und Starr-Flex-Leiterplatten bis hin zu 48-lagigen Multilayern.
Katja Ranocha führt als geschäftsführende Gesellschafterin von Heger die Geschicke des Familienunternehmens in zweiter Generation fort.
Kontinuierlich erweitert Heger seine Full-Service-Philosophie durch gezielte Investitionen: Jüngste Investition ist die digitale Beschriftungsdruckmaschine Jetrite von KLG Maschinen.
Für jede Anwendung die passende Platinen-Oberfläche und Lötstopplack in allen Farben bietet der Prototypen- und Kleinserienhersteller Heger an.
Heger-Chefin Katja Ranocha (oben, mitte) kann auf ein sehr motiviertes und eingespielten Team bauen, mit dem es ihren Leitgedanken erfolgreich umsetzt: absolute Termintreue, exzellenter Service und zuverlässige Qualität.
Auch bei Forschungsprojekten bringt Heger seine vielfältige Expertise erfolgreich ein, wie mit der Universität Bayreuth, als das „grüne“ HTT-Board entwickelt wurde. Das Bild zeigt eine künstlerische Umsetzung der Technik.

Der griffige Slogan „Geht nicht, gibt‘s nicht“ bedeutet für Katja Ranocha sehr viel. Die Inhaberin und Geschäftsführerin von Heger Leiterplatten – Schnellservice, weiß, dass sie als mittelständisches Unternehmen nicht nur technologisch stets auf dem neuesten Stand sein muss, sondern auch bei der Fertigungszeit von Leiterplatten an der Spitze der Branche zu stehen hat. „Das bedeutet manchmal auch, Unmögliches möglich zu machen“, berichtet sie. Gerade im von kontinuierlicher Konsolidierung geprägten hiesigen Leiterplattenmarkt ist es wichtig, ganz vorne in der Liga der Platinenfertigung für Prototypen und Kleinserien mitzuspielen: „Die meisten unserer Kunden sind Entwicklungsingenieure. Gemeinsam erarbeiten wir individuelle Problemlösungen, um für sie das optimale Ergebnis zu erzielen.“

Expansion durch Know-how

Mut zu Neuem, aber auch die Zeichen der Zeit rechtzeitig zu erkennen, haben den Norderstedter Leiterplattenhersteller vorangetrieben: So konnte das Unternehmen in zahlreichen Forschungsprojekten mitwirken. Beispielsweise gelang es in enger Zusammenarbeit mit der Universität Bayreuth eine „grüne“ HTT genannte Leiterplattentechnik zur Marktreife voranzutreiben. Das Akronym HTT steht für Hochtemperatur-Thermoplaste, die aufgeschäumt insbesondere HF- und impedanzkontrollierte Platinen ermöglicht. Das neuartige Substrat auf Basis geschäumter Hochtemperatur-Thermoplaste ist in unterschiedlichen Materialvarianten basierend auf den Thermoplasten Polyethersulfon (PES) bzw. Polyetherimid (PEI) verfügbar. Es benötigt keine Flammschutzmittel, ist voll recyclingfähig und deshalb RoHS-konform. Die Vorzüge sind schnell aufgezählt, wie etwa die erhebliche Gewichtseinsparung, die dreidimensionale Verformbarkeit auch nach der Bestückung, die unproblematische Recyclebarkeit und der gegenüber konventionellen Hochfrequenzmaterialien günstige Preis. Dem Platinenhersteller gelang es, spezielle Durchkontaktierungsmethoden zu entwickeln. „Als Anbieter von Spezialanfertigungen im Schnellservice sind wir stets für neue Technologien offen – schon allein, um unsere Alleinstellungsmerkmale kontinuierlich auszubauen“, bekräftigt Ranocha. Die Technik der HTT-Boards wurde für die electronica 2008 in München als Eyecatcher-Kunstwerk „Digitalism Mask“ des Hamburger Digitalisten Petrus Wandrey als „spezielle“ Leiterplatte umgesetzt.

Mit der Zusammenarbeit mit dem jungen Unternehmen Systems Enabling Quality Identification, kurz Sequid, stellte Heger sein großes Know-how an impedanzkontrollierten Leiterplatten unter Beweis: Heger belieferte Sequid mit speziellen Hochfrequenz-Leiterplatten. Sequid hat nach langjähriger Entwicklungsarbeit an der Universität Kiel, Lehrstuhl für Hochfrequenztechnik, das Hochfrequenz-Messsystem RFQ-Scan (Radio-Frequency Quality) entwickelt. Das handliche Gerät ist für die Bestimmung unterschiedlicher Qualitätsparameter von untersuchten Materialien konzipiert und ermöglicht auf diese Weise, verschiedene Qualitätszustände von Lebensmitteln exakt zu bestimmen. In der Kombination der Hochfrequenztechnik und der multivariaten Statistik für die Lebensmittelanalytik im industriellen Umfeld liegt die besondere Expertise. RFQ-Scan setzt sich aus einer Hochfrequenz-Sensoreinheit und einer Niederfrequenz-Steuereinheit zusammen. Während ein spezielles Keramikbasismaterial als vierlagiger Multilayer für die Übermittlung hoher Frequenzen in der Sensoreinheit sorgt, kommt zudem ein teflonhaltiges Substrat als doppelseitige durchkontaktierte Platine mit gepulsten Bohrungen zum Einsatz.

Der Platinenhersteller hat sich auf Komplettlösungen von der Entwicklung bis zum fertigen Gerät mit Bestückung und Test in extrem kurzen Lieferzeiten spezialisiert: Binnen vier Stunden sind einseitige, in acht Stunden doppelseitige Leiterplatten verfügbar und Multilayer liefert Heger nach 24 Stunden. Ebenfalls im Portfolio sind Sacklochmultilayer, Blind- und Burried Vias, Ultra-Thin-Multilayer (UTM) und Micro-Via-Multilayer von unter 100 µm genauso wie auch Multilayer mit bis zu 48 Lagen, sowie flexible als auch Starr-Flex-Leiterplatten. Als Oberflächen bietet Heger chemisch Silber, chemisch Gold, galvanisches Bondgold für Alu- und Golddraht, Feinstleiter-Technologie (50 µm), gepluggte Vias und Fotosensibler Lötstopplack in allen Farben. Ein großes Spezialmaterialienlager auch für die HF-Technik rundet das Angebot ab.

Investitionen stets zum richtigen Zeitpunkt

Kontinuierlich erweitert Heger seine Full-Service-Philosophie durch gezielte Investitionen: Eine markante Investition fand im Jahr 2011 statt, als der Leiterplattenhersteller seinen Maschinenpark um den 3D-Drucker Dimension SST 1200 ES des US-Herstellers Dimension vergrößerte. Seither ist Heger in der Lage, räumliche Modelle per Express anzubieten. Denn mittels 3D-CAD-Druck können Kunden ein kostengünstiges Rapid-Prototyping zur Fertigung von Modellen, Mustern, Prototypen, Werkzeugen und Endprodukten im Schichtbauverfahren erhalten. Basierend auf dem Verfahren Fused Deposition Modeling (FDM) von Stratasys ist es möglich, auf der horizontalen Ebene Schicht für Schicht, von unten nach oben, Funktionsmodelle aus dem stabilen und haltbaren Thermoplast ABS (Acrylnitril-Butadien-Styrol) aufzubauen. „Wir haben uns für das robuste FDM-Verfahren von Dimension entschieden, um sehr präzise dreidimensionale Funktionsmodelle aus ABS-Kunststoff zu fertigen“, begründet Ranocha die Investition, mit der man der gestiegenen Nachfrage nach 3D-Modellen begegnen will. Der Kunde muss sich nicht mit 2D-Zeichnungen abplagen: Er schickt lediglich seine Daten im Dateiformat STL.

„Time to market“ bedeutet für Ranocha auch bei anspruchsvollsten Produkten ihre Kunden stets in kürzester Zeit zu beliefern. Damit Heger dieses leisten kann, wurde im Jahr 2012 in die digitale Beschriftungsdruckmaschine Jetrite von KLG Maschinen investiert. „Diese Investition wurde in erster Linie aus technischen und logistischen Gründen getätigt. Dabei haben sich unsere Erwartungen mehr als erfüllt“, begründet sie die Erweiterung des Maschinenparks. Gegenüber der konventionellen Siebdrucktechnik verhilft das System zu deutlichen Zeiteinsparungen in der Produktion. Ein weiterer Vorteil von Jetrite ist die hochgenaue Positionierung mittels CCD-Kamera und der von KLG bewährten Lineartechnik. Mittels softwaregeregelter Drucktechnik wird eine hohe Auflösung erzielt, und mit der Farbmengensteuerung ist ein sauberes Beschriftungsbild sichergestellt. „Weiterhin sind wir in der Lage die so genannte Traceability, also die Nachverfolgbarkeit zu garantieren und mittels Matrix-Code zusätzliche Informationen einzubringen“, erläutert sie.

Überdies ist das System durch den minimalen Farbverbrauch im Vergleich zur konventionellen Siebdrucktechnik sehr wirtschaftlich. Für Ranocha ist noch ein weiterer Aspekt wichtig: „Mit dieser Technik haben wir einen erheblichen Schritt in Richtung Minderbelastung der Umwelt getätigt.“ Die Anlage ist sehr leicht zu bedienen, sehr präzise, zuverlässig und nahezu wartungsfrei. Die Software wurde den Bedürfnissen von Heger angepasst und kann bei Bedarf via Internet von KLG inspiziert werden. Die Mitarbeiter, die an der Jetrite arbeiten, waren nach einer kurzen Lernphase mit der Maschine bereits gut vertraut. „Alles in allem war es eine Investition in die richtige Richtung und mit einem „Return on Investment“, der diese Anschaffung rechtfertigt. Wir sind damit in der Lage unsere Kunden auf einem höheren Qualitätsniveau und noch schneller bedienen zu können“, versichert sie.

Die Ein-Frau-Leiterplattenfirma

Vom Kuhstall zum Hightech-Unternehmen: Im Jahr 1969 gegründete Heidemarie Heger ihre Firma Heger Leiterplatten-Schnellservice. In einem Kuhstall wird die erste kleine Leiterplattenfertigung untergebracht, der angrenzende Schweinestall wird zu einem Mini-Appartement mit einem winzigen Kinderzimmer umfunktioniert. 1972 gelingt Heger der Durchbruch: Das Unternehmen Eppendorf Gerätebau beginnt damit, durchkontaktierte Leiterplatten in einigen Geräten einzusetzen und beauftragt Heger mit der Platinenfertigung. Nach einer rund zweijährigen Planungs- und Bauphase zieht das Leiterplatten-Schnellservice-Team schließlich im März 1990 in die eigenen, 2000 m² großen Produktionsräume in die Norderstedter Oststraße. Es wird in neue Maschinen und in die Sondergalvanik investiert, was sich gerade in den Jahren nach der Maueröffnung bewährt. Die mittlerweile 20-jährige Tochter Katja steigt zur Unterstützung der Mutter in die Firma ein und übernimmt 1993 die Geschäftsführung. Derzeit fertigt Heger auf 2500 m² mit modernsten Maschinen.