Hannusch Industrieelektronik könnte sich auf den Lorbeeren ausruhen. Schnell hat der Elektronikfertigungs-Dienstleister seine Nische gefunden: Sonderprozesse für die Flachbaugruppenfertigung.

Claudia Hannusch zeigte sich mit der Veranstaltung und der Entwicklung ihres Unternehmens zufrieden.

Claudia Hannusch zeigte sich mit der Veranstaltung und der Entwicklung ihres Unternehmens zufrieden. Harald Wollstadt

Dass man sich aber im hart umkämpfen EMS-Markt stetig weiterentwickeln und anpassen muss, das hat man schnell verstanden, weshalb sich Hannusch Industrieelektronik vorausschauend dem Wandel in der elektronischen Baugruppenfertigung zu eigen machte, um auch weiterhin im Wettbewerb bestehen zu können.

Allerdings war der Start in die Selbständigkeit für Claudia Hannusch alles andere als leicht. Denn in einer von Männern dominierten Welt, musste sie, als sie vor gut 18 Jahren das Unternehmen ihrem Ehemann abkaufte, oft gegen Vorbehalte ankämpfen. Ihre Beharrlichkeit sollte sich jedoch lohnen: Heute ist Hannusch Industrieelektronik ein angesehenes Dienstleistungsunternehmen der Elektronikfertigung und produziert qualitativ hochwertige Industrieelektronik, Systeme und Sonderanlagen. Darüber hinaus kann sich die toughe Geschäftsfrau auch auf dem internationalen Parkett behaupten. Der Name Hannusch steht für Zuverlässigkeit, Termintreue, Qualität und Kompetenz. Seit nunmehr 30 Jahren greifen daher die rund165 Kunden weltweit auf das fachlich fundierte Wissen der Mitarbeiter zurück.

Motivierte Mitarbeiter und hippe Mädchenpower

Ging Claudia Hannusch mit einem kleinen Grüppchen von Mitarbeitern an den Start, kann sie nunmehr auf 60 Beschäftigte verweisen. Das kommt nicht von ungefähr: „Für mich sind unsere Mitarbeiter ein wichtiges Gut, da sie das Fundament unseres prosperienden Unternehmens bilden.“ Daher macht sie sich für eine kontinuierliche Weiterbildung ihrer Beschäftigten stark – auch im Hinblick darauf, dass die an eine Fertigung gestellten Anforderungen einem stetigen Wandel unterworfen sind. Mehr denn je ist eine hohe Produktqualität gefragt, die nur mit einer nicht minder hohen Fertigungsqualität und Präzision einher geht. Zuverlässigkeit ist nicht nur ein Zauberwort. Es entscheidet über das weitere Firmenbestehen.

Daher werden die Mitarbeiter mittels Schulungen und Weiterbildungsmaßnahmen auf dem neuesten Stand der technischen Entwicklungen gebracht. Hannusch ist nicht nur aktives Mitglied im Fachverband FED, sondern ist auch in verschiedenen Arbeitskreisen und Forschungsprojekten aktiv. Zudem hat Hannusch zusammen mit namhaften Firmen ein Qualifizierungsboard entwickelt, um auch bei kleinsten Stückzahlen die Prozesssequenz evaluieren zu können. Dadurch sei es möglich, produktunabhängig Fertigungsablaufs- und Materialfehler zu eliminieren und die Wirtschaftlichkeit signifikant zu erhöhen. Gemeinsam mit Rafi, Zollner und Ersa hat Hannusch vor ein paar Jahren den Ausbildungsverbund Löttechnik Elektronik „AVLE“ gegründet, mit dem Ziel, die Qualität, Zuverlässigkeit und Reproduzierbarkeit von Handlötstellen zu verbessern. Hochwertige Schulungsunterlagen, professionell ausgestattete Kursstätten und qualifizierte Trainer aus der Praxis liefern jedem Teilnehmer wichtiges Hintergrundwissen in enger Verknüpfung mit den handwerklichen Fertigkeiten im praktischen Bereich.

Der Technologietag war gespickt mit hochkarätigen Fachvorträgen.

Der Technologietag war gespickt mit hochkarätigen Fachvorträgen. Harald Wollstadt

Allerdings hat sie die eigene Umgebung ebenfalls im Visier, schließlich geht der Fachkräftemangel auch an Hannusch nicht spurlos vorbei. Daher setzt sie sich dafür ein, dass beispielsweise die Laichinger Schulen ihre Schützlinge zum Praktikum zu Hannusch schicken. Dafür veranstaltet Claudia Hannusch auf Schüler ausgelegte Technik-Tage oder auch Mädchen-Technik-Tage, den „Girls-Day“. Selbst Schnupperkurse für Handlöten stehen da auf dem Programm. Ihr Engagement vor allem für Mädchen, begründet sie so: „Ich habe nicht vergessen, wie schwer mein eigener Berufseinstieg in die technische Männerwelt war. Daher will gerade Mädchen und Frauen eine Chance geben.“ Wichtig ist ihr dabei, junge Menschen frühzeitig und kompetent an die Industrieelektronik heranzuführen, denn: „Wir finden so gut wie keine Facharbeiter. Und die brauchen wir dringend, um gute Qualität liefern sowie weiter expandieren zu können. Die Aufträge wären da.“

Expansionsbestrebungen beflügeln den Erfolg

Mit dem kontinuierlichen Erfolg wurden immer wieder Baumaßnahmen genauso nötig, wie die kontinuierliche Investition in den Maschinenpark. Beispielsweise erfolgte im Jahr 20014 der Spatenstich für einen Erweiterungsbau und damit die Verdoppelung der Standortfläche auf 4000 m². Bereits ein Jahr später, also 2015, eröffnete der EMS-Anbieter ein neues Schulungscenter mit einer Fläche von 300 m². Pünktlich zum 30. Jubiläum hat das Unternehmen im Schnelldurchgang eine beachtliche Lagerhalle aus dem Boden gestampft.

Auch im Maschinenpark setzt die Chefin, die sich seit einigen Jahren die Spitze mit ihrem Sohn Michael teilt, auf hohe Qualität. So wurden in Bestückautomaten von Juki Automation Systems genauso investiert, wie in Reflow-Lötanlagen von Rehm Thermal Systems. Jüngste „Prunkstücke“ sind zwei Inline-3D-AOI (Zenith) und ein Inline-3D-SPI (8030–2), beide von Koh-Young. Schließlich rückt im Spannungsfeld zwischen Zeit- und Kostendruck das Thema Testen in der Baugruppenfertigung immer mehr in den Vordergrund. Denn trotz zunehmender Komplexität und Miniaturisierung der Baugruppen fordern die Kunden einwandfrei funktionierende Produkte. Und die Bandbreite die Hannusch produziert ist breit gefächert und reicht von diffizilen Steuerungselementen bis hin zu kompletten Konstruktion und Konfektionierung ganzer Schaltschränke. Im Anschluss an die Technologietagung luden Claudia und ihr Sohn Michael zur Betriebsbesichtigung ein und führten durch die Produktion. Die Betriebsbesichtigung des Neubaus und der neuen Lagerhalle zeigten deutlich, dass bei Hannusch Industrieelektronik noch lange nicht das Ende der Fahnenstange erreicht ist.

Die Podiumsdiskussion mit allen Referenten sorgte für angeregte Diskussionen insbesondere zur Digitalisierung und Big Data in der Elektronikfertigung.

Die Podiumsdiskussion mit allen Referenten sorgte für angeregte Diskussionen insbesondere zur Digitalisierung und Big Data in der Elektronikfertigung. Harald Wollstadt

Technologietag gut angenommen

Firmenchronik

1988: Firmengründung Hannusch Industrieelektronik

1998: Jubiläum 10 Jahre Hannusch Umzug ins heutige Firmengebäude

2000: Claudia Hannusch übernimmt die Firma

2005 bis 2006: erster Erweiterungsbau

2008: Jubiläum 20 Jahre

2009: Gründung von Tochterunternehmen: Hannusch Schulung- &Technologie und Hannusch ESD Equipment

2013: Jubiläum 25 Jahre

2015: Eröffnung neuer Schulungscenter, Produktionserweiterung

2018: Baubeginn und Fertigstellung der Lagerhalle

Der Technologietag mit 11 hochkarätigen Vorträgen und einer abschließenden Podiumsdiskussion fand guten Anklang. Durch die Veranstaltung führte Dr. Hans Bell, Leitung Forschung und Entwicklung von Rehm Thermal Systems. Mit dem Thema „Professionelle Schablonenreinigung im Druckprozess“ eröffnete Michael Kasper von Vliesstoff Kasper die Vortragsrunde. Abgeleitet aus der Wichtigkeit des Reinigungsprozesses und den Kriterien der Elektronikindustrie leitete er die Anforderungen an das Reinigungsvlies ab und warf dann einen Blick in die Zukunft. Die smarte Rolle soll dafür sorgen, dass zukünftig die richtigen Medien zusammenkommen, um eine zuverlässige Reinigung sicherzustellen.

Günther Havel von Häusermann zeigte in seinen Vortrag auf, was man bei der Beschaffung der Leiterplatte richtig machen kann und was falsch. Neben der Kostenoptimierung durch Ritzen ging er auch auf die Nutzengestaltung ein. Auch bei den Leiterplatten-Oberflächen könnte man sparen und bei den Bohrungen. Preisersparnisse von bis zu 10 Prozent ließen sich bei der Beschaffung einsparen. Im Anschluss daran, beschäftigte sich Vertriebsleiter Frank Breer von Christian Koenen mit den Schablonen für den Druckprozess. Ein gutes Layout ist für ihn das A & O. Aber auch die richtige Kalkulation des Lötpastenvolumens spiele eine große Rolle. Lukas Sänger, Applikationsingenieur bei Ekra, referierte über die Effizienz beim Schablonendruck. Ein fertigungsgerechtes Design bei der SMT-Bestückung, war das Thema von Christof Meldner von Juki Automation Systems.

Dem schloss sich der Vortrag „Reflowlöten in der SMT“ von Dr. Hans Bell von Rehm Thermal Systems an. Welche Randbedingungen und Grenzen beim Wellen- und Selektivlöten einzuhalten sind, erklärte Jürgen Friedrich von Ersa, in seinem Vortrag.

Harald Eppinger von Koh Young nahm im Anschluss die Teilnehmer im wahrsten Sinne mit auf die Datenautobahn. „Mit der SMT-Linie auf der Datenautobahn lautet sein Vortrag“, in dem er die Vorteile der M2M-Kommunikation aufzeigte, die dabei helfen soll, den Fertigungsprozess zu optimieren. Marc Schmuck von Seica Deutschland räumte mit dem Vorurteil auf, dass Testen ein großer Kostenfaktor ist. Flying-Probe-Tester könnte hierfür sehr kosteneffizient eingesetzt werden.

Ergänzend dazu referierte Armin Haug, Applikationsingenieur von Asys, zu „Big Data in der Fertigung“. Den letzten Vortrag bestritt Manuel Schwarzholz von Rehm Thermal Systems. Er ging auf das flexible und prozessorientierte Beschichten ein. Der ungeliebte Prozess des Lackierens, gerade bei hohen Bauteilen und geringen Platzverhältnissen, bereitet immer wieder Probleme. Deshalb sollte bereits im Vorfeld beim Erstellen des Layouts der Lackierprozess mitberücksichtigt werden. Ein taktzeitoptimiertes Layout war hierbei das Stichwort, denn Leerfahrten und Umsetzen benötigen Zeit.

Die anschließende Podiumsdiskussion mit allen Referenten sorgte dann nochmals für angeregte Diskussionen insbesondere zur Digitalisierung und Big Data in der Elektronikfertigung.

Fehlerteufel

In einer früheren Version dieses Artikels hatten sich leider ein paar Fehlerteufelchen eingeschlichen, die wir nun korrigiert haben.