Zwei Dinge bei aufkommenden Technologien würden laut Edzard Overbeek, CEO von Here Technologies immer unterschätzt: Geschwindigkeit und Auswirkung. Das sei so gewesen beim Mikroprozessor Anfang der 1970er Jahre und auch beim Internet. Skeptiker konnten sich nicht vorstellen, dass Menschen persönliche Nachrichten auf diese Weise verschicken und teilen würden. „Heute teilen wir fast schone etwas zu viel“, so Overbeek. Viele von den Unternehmen die den aufkommenden Trends nicht folgten, seien heute von der Bildfläche verschwunden.

„Je wertvoller die beigesteuerten Daten sind, desto höher ist auch der Anteil am Umsatz“, erklärt Overbeek das Geschäftsmodell.

„Je wertvoller die beigesteuerten Daten sind, desto höher ist auch der Anteil am Umsatz“, erklärt Overbeek das Geschäftsmodell. Alfred Vollmer

Die autonome Welt sei ein ähnlich bedeutsamer Trend, den Audi, Daimler und BMW erkannt hätten als sie gemeinsam 2016 mit Here Technologies einen klassischen Kartenanbieter übernahmen. Schnell wurden neue Partner und Investoren gefunden, zu denen Intel, Alibaba und Baidu gehören – und seit Anfang 2018 auch Bosch und Continental. Allen gemeinsam stünde nun eine 53 Petabyte große HD-Mapping-Datenbank zur Verfügung.

Der nächste Schritt sei die Einbeziehung von Sensordaten aus Fahrzeugen gewesen: diese zu sammeln, zu strukturieren, zu taggen und zu labeln und in einer neuen speziellen Datenbank bereitzustellen. Diese Datenbank ist offen für jeden, der daran auch mitarbeiten möchte. Das Konzept sieht nicht vor, dass ein Unternehmen alle Daten aufsaugt, diese monetarisiert und 97 Prozent des Profits für sich behält. Jeder der Daten beisteuert, kontrolliert diese auch und hat eine Art Verwahrstelle. Darüber hinaus können Teilnehmer aber auch ihre Daten gegenseitig betrachten, teilen und gemeinsam Services anbieten. „Je wertvoller die beigesteuerten Daten sind, je höher ist auch der Anteil am Umsatz“, erklärt Overbeek das Geschäftsmodell. Partner haben damit Zugriff auf Daten von Autos, Mobiltelefonen, Drohnen oder industriellen Geräten – alles wird zusammengeführt.

Edzard Overbeek

Edzard Overbeek: „Wir kreieren
etwas viel Größeres
als das Internet.“
etwas viel Größeres
als das Internet.“ Matthias Baumgartner

Die Vision von Here ist dabei die Kreation einer digitalen Repräsentation der physischen Welt – von der Karte auf Papier zur digitalen Karte, über die 3D-Darstellung zu HD Live, Indoor-Darstellung und schließlich zur autonomen Welt. Die ersten drei Services von Here sind dabei Gefahrenmeldungen, Real-Time-Traffic-Darstellung und On-Street-Parking-Services. Das Rückgrat des Ganzen sei ein leistungsfähiges System zum Datenmangement, bei dem auch Künstliche Intelligenz zum Einsatz kommt – die Here Open Location Plattform, ein Ort für intelligente Datennutzung und -Entwicklung.

Die autonome Welt sei eine der aufkommenden Technologien, die selbst etablierte und starke Konzerne und Unternehmen nicht allein umsetzen können. Kooperation sei hier ausschlaggebend, gemeinsame Services sollten das Benutzererlebnis verbessern. Netzwerke seien laut Overbeek nur noch ein Werkzeug, das kein Unternehmen mehr allein besitzt. Das perspektivische Ziel von Here sei eine massive, geostationäre Datenbank: „Wir kreieren etwas viel Größeres als das Internet.“