Der Markt für Fahrzeuge vom Typ EV und HEV wächst ohne Zweifel rasant. Wir befinden uns zwar noch in der Anfangsphase, aber es gibt Anzeichen dafür, dass der Markt für Hybride (HEVs) immer mehr an Fahrt gewinnt. Zahlen des International Council on Clean Transportation (ICCT) bestätigen dies. Noch 2010 war der weltweite Markt für Elektrofahrzeuge noch fast Null, aber bis 2015 fanden bereits mehr als eine halbe Million elektrifizierte Autos einen Käufer – und der Absatz steigt weiter.

HEV

Mehrere Faktoren sorgen für das Wachstum im HEV-Markt, wobei die strengeren CO2-Emissionsvorschriften am stärksten ins Gewicht fallen. Außerdem nehmen die verfügbaren fossilen Brennstoffe ab, und es gibt einen allgemeinen Trend zu einer umweltfreundlicheren, energieeffizienteren Lebensweise.

Marktanteile von EV und HEV Definition wachsen

Der Antriebsstrang wird zunehmend stärker elektrifiziert. Melexis

Vom Mikrohybrid zum vollelektrischen Auto

Die großen Fahrzeughersteller sind zuversichtlich, ihre Prognosen in die Realität umzusetzen. Hohe Erwartungen setzt BMW in diesem Jahr in den Verkauf von 100.000 Elektroautos, und innerhalb von acht Jahren sollen Elektrofahrzeuge 25 % des Umsatzes bei BMW ausmachen. Renault-Nissan und Tesla erwarten, dass innerhalb von drei Jahren eine Million Elektroautos pro Jahr verkauft werden, während die chinesische Autoindustrie jährlich insgesamt 4,5 Millionen E-Fahrzeuge im gleichen Zeitraum an potenzielle Käufer bringen will.

Ford prognostiziert keine Verkaufszahlen, will aber 13 neue Elektrofahrzeuge in den nächsten drei Jahren auf den Markt bringen. Honda sieht bis zum Jahr 2030 zwei Drittel seines Umsatzes im Bereich Elektrofahrzeuge.

Wie es in einem sich schnell entwickelnden Markt üblich ist, gibt es eine breite Palette von Produkten, die ständig weiterentwickelt werden. Um einen Überblick über den HEV-Markt zu erhalten, lassen sich die verschiedenen Arten von Elektrofahrzeugen wie folgt zusammenfassen:

Mikro-Hybrid (μHEV)

Das anfängliche HEV, das vor mehr als einem Jahrzehnt auf den Markt kam, hatte ein Start/Stopp-System mit einer 12-V-Batterie. Diese Autos waren mit einem normalen Verbrennungsmotor ausgestattet, verwendeten aber elektrische Unterstützung zum Anhalten und Starten – eine Funktion, die erhebliche Energie benötigte. Die Einführung der μHEVs ermöglichte einige schnelle Erfolge bei der Minderung der CO2-Emissionen und half der Autoindustrie Mitte der 2000er Jahre, die Norm einzuhalten.

Mild-Hybrid (mHEV)

Bei einem Mild-Hybrid handelt es sich mehr oder weniger um das gleiche Konzept wie beim μHEV, allerdings mit einer 48-V-Batterie anstelle einer 12-V-Batterie. Die 48-V-Batterie ist eine kleine Batterie, wird aber ständig geladen (zum Beispiel durch rekuperatives Bremsen) und entladen. Zusätzlich steht auch ein Booster-Motor mit einer Leistung von 5 bis 13 kW bereit.

Full-Hybrid (fHEV)

Grundsätzlich ist dies ein mHEV, aber mit einer Hochvoltbatterie und einem etwas größeren Elektromotor, dessen Leistung zwischen 20 und 40 kW beträgt. Am bekanntesten ist der Toyota Prius, der vor dem mHEV auf den Markt kam. Der mHEV ist ein Zwischenschritt, der hauptsächlich in Europa vertrieben wird, um die verschärften Vorschriften einzuhalten.

Plug-in-Hybrid (PHEV)

Ein PHEV ist ein fHEV mit einem größeren Elektromotor und einem Verbrennungsmotor als Stütze für den Fall, dass die Batterien leer sind. Ein PHEV nutzt wiederaufladbare Batterien, die sich an eine externe Stromquelle anschließen lassen.

Elektrofahrzeug (EV)

Es gibt zwei Unterkategorien von Elektrofahrzeugen(EV): echte lokal emissionsfreie E-Fahrzeuge und EVs mit einem Range-Extender, bei denen ein im Fahrzeug verbauter Verbrennungsmotor die Batterie laden kann. Erstere sind vor allem als batterieelektrische Fahrzeuge (BEV) bekannt, die über eine besonders große Hochvoltbatterie verfügen. Das berühmteste Modell stammt zweifellos von Tesla, aber andere Autohersteller verfügen über einen größeren Marktanteil. So ist beispielsweise Renault mit dem Renault ZOE sehr gut im Geschäft. Es gibt auch Brennstoffzellen-Elektrofahrzeuge (FCEV), die aber weniger verbreitet sind. Sie nutzen Brennstoffzellen und einen Wasserstofftank als Energiequelle.

Elektrifizierung senkt den CO2-Ausstoß

Zu beachten ist, dass es eine enge Beziehung zwischen HEVs/EVs und der Senkung des CO2-Ausstoßes besteht. Da die Elektrifizierung zunimmt, sinken auch die CO2-Emissionen. Während der Mikro-Hybrid im europäischen Fahrzyklus zu einer Verringerung des CO2-Ausstoßes um 3 bis 4 % führte, ergeben sich für den Mild-Hybrid 13 bis 21 % Reduktion, für den Full-Hybrid gar 20 bis 30 % und für den Plug-in-Hybrid sogar 50 bis 75 %. Ein vollelektrisches Fahrzeug erzeugt überhaupt keine Emissionen (die zum Laden der Batterie erforderliche Energieproduktion wird ignoriert).

Normalerweise hängt der CO2-Ausstoß stark vom Gewicht des Autos ab. Eine interessante Entwicklung ist, dass HEV- oder EV-Modelle der Oberklasse nicht notwendigerweise mehr Abgase erzeugen, obwohl sie schwerer sind. So erzeugt der Volvo V40 mit einem Verbrennungsmotor viel höhere CO2-Emissionen als der Volvo V60 Plug-in-Hybrid.

Mehr neue Marktteilnehmer

Der HEV/EV-Markt soll in den nächsten acht Jahren um 25 % wachsen. Der Marktanteil von Full-Hybrid-Fahrzeugen wird stabil bleiben. Das Wachstum wird hauptsächlich durch Mild-Hybride, Plug-in-Hybride und BEVs erzielt. Mit geschätzten 20 Millionen Fahrzeugen bis zum Jahr 2024 wird der (H)EV-Markt die gleiche Größe erreichen wie der Diesel-Pkw-Markt heute und einen Anteil von 20 % am Gesamtmarkt ausmachen.

Der HEV/EV-Markt ist ein gutes Beispiel für einen Schneeballeffekt. Im Jahr 2001 waren nur zwei Elektrofahrzeuge für den europäischen Markt verfügbar: der Toyota Prius und der Honda Insight. Der Toyota Prius war mit einem Marktanteil von 95 % der klare Marktführer. Im Jahr 2009 schrumpfte der Marktanteil von Toyota auf 53 %, als beispielsweise Mercedes-Benz und Lexus mit entsprechenden HEV-Modellen auf den Markt kamen. Japan war eindeutig der Trendsetter, denn es 75 % der HEV-Hersteller waren japanische Unternehmen. Im Jahr 2014 erschien eine große Anzahl von Neueinsteigern, darunter Citroën, Peugeot, Mitsubishi und Volvo. Dies ist ein deutliches Zeichen für den Übergang von einem aufstrebenden zu einem etablierten Markt.

Neue Geschäftsmöglichkeiten

Es gibt noch einige Hindernisse zu überwinden, bevor das Elektrofahrzeug die Verbraucher weltweit so richtig überzeugen kann. Vor allem die Reichweite und die Ladezeit sind dabei entscheidend. Heutzutage sind Besitzer von Elektroautos besorgt darüber, dass sie ihr Ziel nicht erreichen oder stundenlang warten müssen, bis sich die Batterie wieder auflädt. Plug-in-Hybride und EVs mit Range Extender tragen jedoch dazu bei, diese Ängste abzubauen. In der Zwischenzeit arbeiten Hersteller aus vielen verschiedenen Bereichen intensiv daran, plausible Lösungen für diese Probleme zu finden, sodass es nur eine Frage der Zeit ist, bis diese Hindernisse überwunden sind.

Am Anfang war der Markt in Bezug auf den Toyota Prius äußerst skeptisch, aber Toyota ließ sich nicht beirren und hatte mit mehr als vier Millionen verkauften Modellen Erfolg. Heute folgen andere Automobilhersteller – darunter viele europäische – dem Beispiel von Toyota.

Mehr (H)EVs = Mehr Sensoren

Es liegt somit auf der Hand, dass der Vormarsch der Elektrofahrzeuge nicht mehr zu stoppen ist. Das sind gute Nachrichten für die Sensorhersteller, denn die Elektrifizierung geht Hand in Hand mit dem Einsatz von deutlich mehr Sensoren. Da ein schnelles Laden der Batterie wichtig ist, wird die Kühlung ebenfalls von Bedeutung sein, um thermische Probleme zu vermeiden. Dies wird definitiv die Nachfrage nach Motortreiber-ICs erhöhen, und der Bedarf an Strom-, Positions- und Geschwindigkeitssensoren wird ebenfalls von Bedeutung sein. Der Markt für Automotive-Sensoren ist in den nächsten Jahren also auf dem besten Weg, neue Geschäftsmöglichkeiten zu schaffen!