Bildergalerie
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Weltempfänger aus Deutschland gibt es leider nicht mehr, der berühmte Grundig Satellit ist Geschichte. Heute ist man als Kurzwellenhörer auf Produkte asiatischer Fertigung angewiesen. Der in China produzierte Tecsun PL-390 ist ein aktuelles Produkt, dessen Merkmale und Fähigkeiten im Wesentlichen auf dem den AM/FM Receiver IC Si 4734 von Silicon Labs beruhen, was ein Blick auf das Blockschaltbild (Bild 1) und die Platinenfotos (Bilder 2 und 3) des PL-390 verrät.

Das Antennensignal von der Teleskopantenne oder einer externen Drahtantenne gelangt über eine AGC-gesteuerte Vorstufe (LNA) zur Mischstufe in der das Signal in seine I- und Q-Komponenten aufgeteilt wird. Nach Verstärkung dieser in einem programmierbaren Verstärker (PGA) erfolgt die AD-Wandlung und die Zuführung der I/Q-Signale zu einem DSP, der die Hauptarbeit des PL-390 zu leisten hat. Er ist zuständig für die fünf Filterbandbreiten (1-, 2-, 3-, 4- und 6-kHz), die dank der digitalen Signalverarbeitung mit gutem Formfaktor aufwarten können. Durch die digitale Signalverarbeitung und dem On-Chip Frequenzsynthesizer mit integriertem VCO verhält sich der Empfänger außerdem sehr rauscharm. Ausgangspunkt der Frequenzerzeugung ist ein Quarzoszillator mit 2,768 kHz (+-200ppm). Schade, das die IQ-Signale nicht an einem Ausgang für das Zusammenspiel mit einem PC zur Verfügung steht, dann könnte man diese über die Soundkarte SDR-Software zuführen zur weiteren Signalverarbeitung oder Demodulation (DRM). Die Steuerung des PL-390 und die Speicherung von bis zu 550 Frequenzen erfolgt im Zusammenspiel mit einem Mikrocontroller Atmel AT Tiny 25, der sich unter der kleinen Platine in Bild 3 neben dem rechten Lautsprechen befindet. Die Firmware befindet sich auf dem RAM des Si4734. Es stehen verschiedene Abstimmmodi zur Verfügung. ETM (Easy Tuning Mode) und ATS (Automatic Travel Mode) speichern automatisch nur Frequenzen, die einen ausreichenden Signalpegel und Störabstand haben. Diese beiden Werte werden auch am Display des PL-390 angezeigt (Bild 4 zeigt einen Pegel von 34 dBµV und einen Signalrauschabstand von 25 dB), was einzigartig in dieser Klasse ist. Ist das Gerät ausgeschaltet wird anstelle von Signalpegel und Störabstand die aktuelle Temperatur recht präzise angezeigt, außerdem anstelle der Frequenz die Uhrzeit. Im Auto Scan Mode durchläuft der Synthesizer den eingestellten Frequenzbereich und stoppt bei einem brauchbaren Signal. Die manuelle Abstimmung kann entweder durch das Abstimmrad an der Seite des Empfängers erfolgen oder über die Tastatur, wobei die VFO-Schrittweite z.B. im Kurzwellenbereich 1 kHz oder 5 kHz (Fast Tunning Mode) beträgt.
Neben AM auf Lang- und Mittelwelle (154…513 kHz) empfängt der Tecsun PL-390 Kurzwelle von 2.300 …21.950 kHz, leider auch nur in AM, SSB-Empfang mit Synchrondetektor ist nicht vorgesehen. Dank der Signalverarbeitung im DSP des SiLabs-ICs befinden sich Empfangsergebnisse und Audiowiedergabe (360mW bzw. Stereo mit 2 x 180 mW) in der Spitzengruppe dieser Geräteklasse. Die Eingangsempfindlichkeit wird für Kurzwelle mit 20 µV bei einem S/N von 26 db angegeben.

Der UKW-Bereich lässt sich je nach Weltregion umschalten und startete bei Bedarf bereits bei 64 MHz, geht dabei bis 108 MHz. Die Empfindlichkeit im UKW-Bereich beträgt < 3 µV bei einem S/N von 30 dB. Über den mitgelieferten Ohrhörer ist die UKW-Wiedergabe in Stereo möglich. Es stehen 550 Speicherplätze und verschiedene Timermöglichkeiten zur Verfügung. Das Gerät wird über drei Stück AA Batterie (Mignon) oder NiMH Akkus versorgt, ein LDO befindet sich auf dem Si4734 IC. NiMH-Akkus können im Gerät über einen Mini-USB-Anschluss aufgeladen werden. Eine elegante Lösung auf die sich auch die Handyhersteller ab 2011 geeinigt haben. Über den unten angegebenen Link kann sich der Leser ein Video herunterladen, das eine Beurteilung der Empfangsleistung des Weltempfängers zulässt.

Der Tecsun PL-390 ist zum Preis von 99,50€ (inkl. Steuer) bei Charly Hardt erhältlich.