Auto erkennt Müdigkeit

Bild 4: Assistenzsysteme waren ein großes Thema bei den Zulieferern – hier zu sehen das Mymobius-System von Valeo, das Müdigkeitserscheinungen des Fahrers erkennt.

Bild 4: Assistenzsysteme waren ein großes Thema bei den Zulieferern – hier zu sehen das Mymobius-System von Valeo, das Müdigkeitserscheinungen des Fahrers erkennt. Valeo

Autonomes Fahren und Fahrerassistenz waren auch am Stand von Valeo zentrale Themen. Hier feierte Mymobius seine Weltpremiere, eine Lösung, die Technologien von Valeo und Cloudemade miteinander kombiniert (Bild 4). Mymobius beobachtet die Gewohnheiten der Fahrer und lernt daraus, beispielsweise ob der Fahrer Müdigkeitserscheinungen zeigt oder welche seine bevorzugten Strecken sind. Damit sagt das System Erwartungen des Fahrers voraus und passt die Umgebung im Fahrzeug entsprechend an, um die Sicherheit zu erhöhen. Sensoren, MMS und Konnektivitätsmodule senden Nutzungs- und Kontextdaten an die Cloud, die mit Profiling-Lösungen verarbeitet werden.

Eine Vielzahl an Sensoren zur Beobachtung des Außenbereiches sind für das autonome Fahren notwendig. Aufgrund ihrer Einbauposition sind diese jedoch Staub, Schmutz, Eis und Schnee ausgesetzt. Für Lidar-Sensoren bringt Valeo als Antwort auf die steigende Nachfrage seitens der OEMs das vollautomatische Reinigungssystem Everview auf den Markt. Das System ist mit einem kleinen, einziehbaren Arm und mehreren Düsen ausgestattet, die Flüssigkeit auf die Sensoren sprühen und diese reinigen. Pro Reinigung verbraucht Everview nur 25 ml Reinigungsflüssigkeit und verfügt über eine Entfrostungsfunktion. Das Reinigungssystem funktioniert nahtlos mit allen herkömmlichen Pumpen und wird ab 2020 in einer deutschen Automarke verbaut.

Lidar ohne bewegliche Teile

Bild 5: Valeo stellte den Prototypen des Lidar-Sensors Velarray vor, der ohne bewegliche Teile auskommt. Dadurch sinkt der Preis für das 3D-Lasersystem auf etwa 1000 US-Dollar.

Bild 5: Velodyne stellte den Prototypen des Lidar-Sensors Velarray vor, der ohne bewegliche Teile auskommt. Dadurch sinkt der Preis für das 3D-Lasersystem auf etwa 1000 US-Dollar.

Velodyne

Der Hersteller hochauflösender 3D-Lasersensoren Velodyne wurde von Mercedes-Benz Research & Development zur Weiterentwicklung von vollautomatischen und fahrerlosen Fahrzeugen ausgewählt. Am Stand zeigte das Unternehmen den Ultra-Puck VLP-32C, eine Weiterentwicklung der Puck-Serie mit 32 Kanälen speziell für Automotive-Anwendungen. Der Lidar-Sensor kann so 3D-Modelle des Fahrzeugumfelds mit einer Reichweite von bis zu 200 Metern liefern. Vorgestellt wurde auch der Prototyp des Velarray (Bild 5), mit dem Velodyne einen Ausblick auf neue Standards bei Bildqualität und Funktionalität für autonomes Fahren gibt. Der Sensor benötigt keine beweglichen Teile mehr, lässt sich so deutlich einfacher herstellen und fällt kleiner aus – was sich auch beim Preis bemerkbar macht. Schlagen Lidar-Sensoren mit beweglichen Teilen mit 7000 bis 8000 Dollar zu Buche, soll der Velarray schon um die 1000 Dollar zu haben sein. Velarray erfasst Bereiche im horizontalen Winkel von 120 Grad und vertikal mit 35 Grad mit einer Reichweite von 200 Metern.

Automatische Notbremsung

Eck-Daten

228 Welt- und 64 Europapremieren hatte die IAA 2017 zu bieten. Bei den Zulieferern waren Assistenzsysteme, die den Fahrer in stressvollen Situationen unterstützen, besonders angesagt. Müdigkeit wird ebenso erkannt wie ein plötzlich auftauchender Radfahrer. Selbstparkende Fahrzeuge und Scheinwerfersysteme, die anderen Verkehrsteilnehmern zeigen, welche Manöver das autonom fahrende Fahrzeug als nächstes vor hat, waren ebenso vertreten, wie hochauflösende Lidar-Sensoren, Reinigungssysteme für Sensoren, Computing- und Security-Lösungen für vernetzte Fahrzeuge, Hybrid- und Elektroantriebe und ein mit Flüssigkristallen dimmbares Panoramadach.

Verwunderte Blicke gab es zunächst auf der Pressekonferenz von Bosch, auf der Dr. Volkmar Denner das verlorene Vertrauen in den Diesel beklagte und dem Verbrennungsmotor noch eine lange Existenz prognostizierte. Bosch arbeite derzeit bei der Weiterentwicklung des Dieselantriebs an etwa 300 Euro-6D-bezogenen Kundenprojekten. Aber auch am Stand von Bosch ging es vor allem um automatisierte und vernetzte Parklösungen, eindrucksvoll im Außenbereich demonstriert wurde jedoch ein auf Radfahrer ausgelegtes Notbremssystem. Die Lösung ist besonders auf die Anforderungen des Innenstadtverkehrs ausgelegt und bezieht Radfahrer und Fußgänger mit ein. Diese stellen durch ihre Unberechenbarkeit ein vergrößertes Risiko dar und sind beim Verkehrsunfall selbst besonders gefährdet. Das vorausschauende Notbremssystem nutzt Radarsensoren und Videokameras für die Erkennung der Verkehrsteilnehmer, warnen den Autofahrer rechtzeitig und greifen im Notfall automatisch ein. Vom Erkennen der drohenden Kollision dauert es mit dem elektromechanischen Bremskraftverstärker iBooster nur 190 ms bis die Bremsleitung aktiviert ist. Gerade in Bezug auf Radfahrer ist das System interessant, denn ab 2018 nimmt die Euro NCAP Notbremssysteme auf Fahrradfahrer in ihre Bewertungskriterien für die Sternevergabe auf.

Mehr als nur ein Hauptscheinwerfer

Automatisiertes Fahren macht auch vor Scheinwerfern keinen Halt, wie ZKW am Stand präsentierte. Im Fahrzeug soll die Fronteinheit eng mit optischen Sensoren zusammenarbeiten. So sollen die Scheinwerfer als Auge des Fahrzeugs die Funktion des Sehens übernehmen oder diese bestmöglich unterstützen. Das Ausleuchten der Fahrbahn spielt dabei nur noch eine untergeordnete Rolle. ZKW konzentriert sich dabei auf die Möglichkeit der Kommunikation mittels Lichtsignalen und Lichtsymbolen mit der Außenwelt, also mit anderen Verkehrsteilnehmern und Fußgänger und geht davon aus, dass dies bei autonom fahrenden Mobilitätskonzepten von großer Bedeutung sein wird. Das Auto zeigt beispielsweise dem Fußgänger am Zebrastreifen, dass es diesen erkannt hat und bremsen wird. Oder es wird der Fahrweg, beispielsweise beim Abbiegen deutlich ausgeleuchtet, sodass andere Verkehrsteilnehmer sehen, wohin sich das Auto bewegen wird. Autonom fahrende Autos zeigen so ihrer Umwelt durch Licht, welche Fahrmanöver geplant sind und bald ausgeführt werden – auch eine Änderung der Geschwindigkeit oder ein Wechsel der Fahrtrichtung wird durch die Beleuchtung kenntlich gemacht.

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