Beim Solar-Powerboard handelt es sich um eine bestückte Leiterplatte mit zirka 2000 Bauteilen und zirka 400 verschiedenen Typen.

Beim Solar-Powerboard handelt es sich um eine bestückte Leiterplatte mit zirka 2000 Bauteilen und zirka 400 verschiedenen Typen.M. Richter

Der Kleinserienfertiger M. Richter hat seine Nische gefunden. Der Mittelständler beschäftigt 14 Mitarbeiter und sieht sich als produzierenden Dienstleister, der seinen Kunden das abnimmt, was sie nicht selbst machen wollen oder können: Kleine Losgrößen im zweistelligen Bereich oder gar ein einziges Muster herzustellen. Neben der Fertigung offeriert Richter auch Nebenleistungen wie die Materialbeschaffung und hat dabei ein Auge auf die Herstellkosten, Prozesssicherheit und Prüfbarkeit der Produkte. „Wenn wir Vorteile durch kleine Änderungen bei gleicher Funktion und Qualität sehen, weisen wir unseren Kunden drauf hin. Gerade in der SMD-Bestückung, aber auch bei der Kabelkonfektion machen Nuancen heute oft viel aus“, erläutert Volkmar Stichweh, Geschäftsführer von M. Richter.

Wichtigstes Standbein ist die Leiterplattenbestückung: SMD, THT, THR sind nicht nur Schlagworte: „Seit langem schon ist es uns ein besonderes Anliegen, in der SMD-Bestückung kleinste Stückzahlen auch wirtschaftlich maschinell zu fertigen“, räumt er ein. Angepasste Abläufe und eine geeignete Maschinenauswahl ließen das Ziel ebenso deutlich näher rücken wie auch hin und wieder ein kleiner Eigenbau. Bei allen Maschinen wurde Wert auf Flexibilität und Wirtschaftlichkeit bereits bei kleinsten Stückzahlen gelegt. Das gilt nicht nur für den Klassiker, der Bestückung von SMD-Leiterkarten, sondern auch für die THT-Bestückung. Und die Fähigkeit und Kapazität für gute Handbestückung und Handlötarbeiten wurde weiter erhalten und gepflegt. Eben diese Maßnahmen haben in den letzten Jahren die Grenze der Losgrößen in den Bereich von 1 auf bis zu 6 Leiterkarten verschoben.

Mini-Aufträge: Alles was das Herz begehrt

Bestückt wird heute auf einem Stand-alone-Automaten und einer Fertigungslinie, die als Besonderheit mit einem berührungslosen Jet-Printer ausgestattet ist. Schablonen entfallen, kleine und größere Korrekturen sind sofort im Programm möglich. Verschiedene Auftragsstärken, wie sonst nur über Stufenschablonen möglich, sind kein Problem und erfordern keine Abstände wie sonst von der Stufe. Der Jet-Printer eignet sich auch für die THR-Bestückung, worunter das Through-Hole-Reflow zu verstehen ist. Das hat auch Auswirkung auf die Eilaufträge, da die Lieferzeit der Schablone entfällt. Die Linie ist mit einem modernen Vollkonvektionsofen ausgestattet, eine großformatige Dampfphasenanlage steht auch zur Verfügung. Für die THT-Bestückung gibt es eine 3D-Lötwelle für die verbleite Fertigung. Die Jetwelle und eine Selktivlötanlage ermöglichen die bleifreie Produktion. Immer noch wird ein erklecklicher Teil in verbleit verlangt, was daran liegt, dass ein wichtiger Teil der Kunden aus der Medizintechnik kommt. Das ist auch der Grund, weshalb Richter schon vor Jahren die Zulassung nach dem Medizinproduktegesetz (DIN ISO 13485) erlangt hat. Muster und Vorserien bilden einen weiteren Schwerpunkt der Aufträge. Viele kleine Ingenieurbüros mit Nischenprodukten gehören genauso zum Kundenstamm wie einige Großunternehmen, für die Elektronik ein Randgebiet ohne eigene Kernkompetenz ist. Daher blickt Volkmar Stichweh zuversichtlich in die Zukunft: „Als Outsourcing noch ein Fremdwort war, waren wir schon für unsere Kunden da. Als andere in den fernen Osten gegangen sind, haben wir hier die Stellung gehalten und zwar mit Erfolg. Das wird sich auch in Zukunft nicht ändern.“

In der Kabelkonfektion wird mit einfachen Maschinen, Handwerkzeugen und einem kleinen Stand-alone-Automaten gearbeitet. Die Fertigung von Sonderspulen, die in Deutschland fast tot schien, hat nun, da sich die Branche fast zugrunde geschrumpft hat, wieder rasant zugelegt. Im Jahr 2012 hat der Kleinserien-EMS in eine programmgesteuerte Wickelmaschine investiert und zwei jüngere Mitarbeiter darauf eingelernt. Da der Schwerpunkt sich in den letzten Jahren auf Luftspulen verlagert hat, ist die Maschine mit einer Einrichtung zum chemischen Verbacken während des Wickelns ausgestattet – ein gerade bei ganz kleinen Stückzahlen sehr vorteilhaftes Verfahren, das die Einmalkosten gering hält.

Die Kundenanforderungen sind vielfältig, und nicht alles was zu einem Projekt gehört, fällt in die Kernkompetenz. Gerade aber bei kleinen Stückzahlen und wenn es schnell gehen soll, möchten viele Kunden „alles aus einer Hand“, und da bietet sich für Richter natürlich Kooperation mit entsprechenden Partnern an. Ein solcher Partner ist Klaus Ferger Elektronikentwicklung. Seit dem Jahr 1990 entwickelt Ferger komplette Geräte für die Bereiche Automotive, Professionell Audio und Industrie. Daneben kam es immer mehr zu einer Spezialisierung auf die Layouterstellung. Umfassende Schaltungskenntnisse aus der Entwicklung sowie Kenntnisse der verschiedenen Fertigungsverfahren ergeben Layouts, die optimale Fertigungs- und Prüfmöglichkeiten bieten. Zum Einsatz kommt dabei das Layoutprogramm Eagle. Das Softwarepakt ermöglicht auch die Erstellung von praktisch allen anfallenden Aufgaben einschließlich der Ausgabe von 3D-Daten.

SMT Hybrid Packaging 2013, Halle 9, Stand 311