Manfred Stern, President & CEO von Yaskawa Europe (l.) und Vice President Yaskawa Electric Corporation und Koichi Takamiya, Director, Managing Executive Officer Yaskawa Electric Corporation im Interview

Manfred Stern, President & CEO von Yaskawa Europe (l.) und Vice President Yaskawa Electric Corporation und Koichi Takamiya, Director, Managing Executive Officer Yaskawa Electric Corporation im Interview Redaktion IEE

Herr Stern, was genau aggregiert Yaskawa mit i³-Mechatronics?

Manfred Stern: i³ Mechatronics – sprich ‚i cube Mechatronics’ – transportiert zwei Botschaften: Mechatronics, den Begriff hat Yaskawa schon Ende der 1960er-Jahre geprägt, bezeichnen wir als unsere ingenieurswissenschaft­liche Problemlösungsphilosophie. Unsere Entwickler streben disziplinübergreifend optimale Lösungen für Herausforderungen an, konkret in unseren Kerndisziplinen Antriebstechnik, Robotik und allgemeiner Automatisierungstechnik.

Die zweite Botschaft steckt in i cube und erklärt sich wie folgt; integrationsfähige, netzwerkfähige Produkte veredelt mit intelligentem Applikationswissen und intelligenten Algorithmen in der Firmware, führen zu innovativen Lösungen. Diese Lösungen müssen sich immer daran messen lassen, welchen Nutzen sie generieren.

Wie verbindet Yaskawa die drei Disziplinen?

"Beim Thema Cloud sind viele Kunden noch sehr zurückhaltend." Manfred Stern

„Beim Thema Cloud sind viele Kunden noch sehr zurückhaltend.“ Manfred Stern Redaktion IEE

Manfred Stern: Unsere Produkte sind integrations- und kommunikationsfähig. Das heißt: Steuerungen, Roboter und Antriebskomponenten können Informationen austauschen und Statusinformationen zur Verfügung stellen. Darüber hinaus ist es möglich, interne Daten wie Ströme, Momentenverläufe und Temperaturen abzurufen. Intelligente Algorithmen ermitteln daraus die aktuellen Lebenszeiterwartungen für einzelne Komponenten. Damit sind die Vorbedingungen für innovative Systemlösungen geschaffen.

Unser Yaskawa-Cockpit bringt nun Transparenz in die Systeme und verbessert so die Produk­tivität der Anlagen. Bei dem Cockpit handelt es sich um eine komplett neue Plattform intelligenter Software-Komponenten. Im Kern sind das eine zentrale Datenbank und Module zum Sammeln, Auswerten und Anzeigen von Daten, Web-Server sowie Standard-Schnittstellen wie OPC UA und HTTP.

Das Cockpit ist gewissermaßen der Kleber Ihrer i Cube-Philosophie?

Koichi Takamiya: Im Cockpit laufen die Fäden zusammen, um aus den an unterschiedlichsten Stellen generierten Daten die richtigen Schlüsse ziehen zu können – etwa um Asset Management, Predictive Maintenance, Quality Management oder Alarm-Handling darauf aufzusetzen. Letztendlich geht es uns darum, den Kundennutzen durch verbesserten Durchsatz, kürzere Maschinenausfallzeiten und gleichzeitig verbesserter Produktionsqualität zu steigern.

Wann und mit wem beginnt die Zusammenarbeit in Europa?

Manfred Stern: Wir haben i³-Mechatronics auf der Hannover Messe 2018 offiziell vorgestellt und mit Besuchern diskutiert. Das Feedback zur Bedienerober­fläche und Funktionalität des Cockpits ist durchweg positiv. Durch die Gespräche mit den Besuchern haben wir aber auch weitere Ideen entwickelt.

Lässt sich Ihr Cockpit in Cloud-Dienste einbetten?

„Im Yaskawa Cockpit aufen alle Informationen unserer Komponenten zusammen und werden von intelligenten Tools zur Optimierung der Maschinen und Anlagen genutzt.“ Manfred Stern, Yaskawa Redaktion IEE

„Im Yaskawa Cockpit laufen alle Informationen unserer Komponenten zusammen und werden von intelligenten Tools zur Optimierung der Maschinen und Anlagen genutzt.“ Manfred Stern Redaktion IEE

Manfred Stern: Eine Erkenntnis aus unseren Gesprächen in den letzten Monaten ist, dass viele Kunden beim Thema Cloud noch sehr zurückhaltend sind. Nach unseren Erkenntnissen steht der Wunsch nach einer lokalen Lösung an erster Stelle, oft verbunden mit der Forderung, unser Cockpit mit dem individuellen Manufacturing Execution System (MES) zu koppeln und darüber dann an das ERP-System. Wir erwarten aber, dass eine Cloud-Anbindung in Zukunft eine größere Rolle spielt. Daher werden wir auch mit Partnern künftig enger zusammenarbeiten, um die Kopplung an deren Cloud-Infrastrukturen zu ermöglichen.

In Sachen Produktionseffizienz ist Japan schon immer Vorreiter. Gibt es dort mit Industrie 4.0 vergleichbare Strategien?

Koichi Takamiya: Was in Europa als Industrie 4.0 diskutiert wird, hat in Japan seine Entsprechung unter den Begriffen Society 5.0 und Robot Revolution. Während Society 5.0 einen über den Industriebereich hinausgehenden Digitalisierungshorizont beschreibt, richtet sich der Fokus von Robot Revolution auf die weitere Steigerung der Produktivität der japanischen Industrie, ist also vergleichbar mit Industrie 4.0.

Wann ist der Launch des Cockpits in Europa beziehungsweise in Deutschland geplant?

"Das Cockpit ist der Kern von i³-Mechatronics, unserem Beitrag zu Industrie 4.0." Manfred Stern

„Das Cockpit ist der Kern von i³-Mechatronics, unserem Beitrag zu Industrie 4.0.“ Manfred Stern Redaktion IEE

Manfred Stern: Nach der Vorstellung von i3-Mechatronics beginnen wir mit ausgewählten Kunden, erste Lösungen zu implementieren. Wir haben uns dafür entschieden, nicht mit Schlagworten in die Breite zu gehen, sondern zunächst mit individuellen Projekten gemeinsam mit Partnern aus dem europäischen Mittelstand die Leistungsfähigkeit nachzuweisen. Danach werden wir mit den gewonnen Erkenntnissen i³-Mechatronics und das Yaskawa Cockpit in die Breite ausrollen.

Von der weitverbreiteten Herangehensweise Industrie 4.0 als Marketingmaschine mit viel Lärm und bunten Bildern zu präsentieren, wollen wir uns ganz bewusst absetzten. I-cube Mechatronics steht für einen praxisnahen, praktikablen Industrie 4.0-Ansatz, der durch belegbare Verbesserungen überzeugen muss.

Das Interview führte Chefredakteur Stefan Kuppinger

Automatica: Halle B5, Stand 502