Krzanich schlug in seiner Präsentation den großen Bogen von der Datenökonomie zum autonomen Fahren. Denn, so der Gedankengang des Intel-Chefs, die Kosten für Rechenleistung und Datenspeicherung sinken kontinuierlich – allein von 2012 bis 2017 fielen die Kosten für Rechenleistung um 56 Prozent; bei der Datenspeicherung war dieser Preisverfall noch drastischer, nämlich um gut 75 Prozent. Diese Entwicklung, so Krzanich, befeuert die Entwicklung von datenintensiven und rechenleistungshungrigen Anwendungen. „Wir haben begriffen, dass Daten kein Kostenfaktor mehr sind, sondern ein Vermögenswert.“

Intel-CEO Brian Krzanich: „Wir haben begriffen, dass Daten kein Kostenfaktor mehr sind, sondern ein Vermögenswert.“

Intel-CEO Brian Krzanich: „Wir haben begriffen, dass Daten kein Kostenfaktor mehr sind, sondern ein Vermögenswert.“ Alfred Vollmer

Die Datenflut werde in Zukunft noch massiv ansteigen, so Krzanich weiter. Denn zu den von Menschen erzeugten Daten werde künftig noch die Menge derjenigen Daten hinzukommen, die von Maschinen erzeugt werden. Zum Vergleich: Ein durchschnittlicher Internet-Surfer erzeugt heute 1,9 GB an Daten pro Tag; eine automatisierte Fabrik dagegen 1 Petabyte. Auch autonome Autos gehören zu diesen Datenerzeugern. Es sei aber nötig, zu verstehen, wie all diese Daten genutzt und gemanagt werden – und zwar ganzheitlich, „from edge to edge“. Hier schlug Krzanich den Bogen zu Intels Aktivitäten im Bereich der Fahrzeugelektronik: Vor einiger Zeit sei den Verantwortlichen bei Intel klar geworden, dass die Plattform des Unternehmens für autonomes Fahren große Lücken aufweise. An dieser Stelle kommt Mobileye ins Spiel, der israelische Entwickler einer solchen Plattform für autonomes Fahren, den Intel vor gut einem Jahr übernahm. Mittlerweile sind Mobileye-Systeme weltweit in rund 7 Millionen Autos verbaut. „Diese Systeme sind ein wichtiges Element unserer Reise“, so Krzanich. Die damit ausgestatteten Fahrzeuge sammeln Daten, die dann im Backend, in der Cloud konsolidiert, verarbeitet und den Teilnehmern wieder zur Verfügung gestellt werden – etwa als Verkehrsdaten oder in Gestalt einer hochgenauen Karte. Von dieser Verarbeitung in der Cloud profitiert Intel nicht nur über Mobileye, sondern auch unmittelbar – durch den Verkauf seiner Server-Chips vom Typ Xeon.

Brian Krzanich über die Übernahme von Mobileye und die langfristigen Auswirkungen: „Ihr Wert wird sich erweisen, wenn die autonomen Fahrzeuge auf Level vier und fünf in Serie verfügbar sein werden“.

Brian Krzanich über die Übernahme von Mobileye und die langfristigen Auswirkungen: „Ihr Wert wird sich erweisen, wenn die autonomen Fahrzeuge auf Level vier und fünf in Serie verfügbar sein werden“. Alfred Vollmer

Sicheres Fahren benötige aber noch ein weiteres Element: Klare, allseits definierte Regeln, sagte der Intel-CEO. Damit griff Krzanich eine Idee von Mobileye-Chef Amnon Shashua auf: den Aufbau eines Systems von Regeln zum autonomen Fahren (Responsibility Sensitive Safety, RSS), das Shahsua im März auf der Halbleiterkonferenz DATE vorgestellt hatte. Es handelt sich dabei um ein Rahmenwerk verifzierbarer Regeln, das sich durch offenen Zugang und Transparenz auszeichnen soll. Ziel dieses Regelsatzes: Die Sicherheit der autonomen Autos soll weiter erhöht werden, gleichzeitig soll es die Verständlichkeit ihrer Fahrentscheidung und damit letztlich ihre Akzeptanz fördern. „Menschen mögen keine Black-Box mit intransparenten Entscheidungen, sie wollen wissen, wie die Entscheidungen zustande kommen“, so Krzanich. Gleichzeitig würde das die Entwicklung der entsprechenden Algorithmen wesentlich kosteneffizienter machen.

Die vor zwei Jahren gegründete Kooperation Intels mit der (damals noch selbständigen) Mobileye und BMW wird seitdem mit Spannung beobachtet, aber was ist bisher dabei herausgekommen? Zur Beantwortung dieser Frage rief Krzanich BMW-Manager Elmar Frickenstein auf die Bühne, der bei dem weiß-blauen Fahrzeugbauer früher über lange Jahre als E/E-Leiter tätig war und jetzt ausschließlich für die Entwicklung des autonomen Fahrens verantwortlich zeichnet. Frickenstein gab einen Zwischenstand: „Wir testen gegenwärtig eine Flotte autonomer Autos in Israel, China, den USA und natürlich auch in Deutschland“, so Frickenstein. Sicherheit stehe dabei an erster Stelle – und dabei spiele die Künstliche Intelligenz eine zentrale Rolle, und die wiederum lasse sich ohne leistungsstarke Server im Backend nicht realisieren. BMW will mit der Kooperation eine offene Plattform schaffen. „Jeder soll in der Lage sein, mit der gleichen Softwarebasis zu arbeiten.“

BMW-Manager Elmar Frickenstein zum Stand der Dinge zwischen Intel und BMW: „Wir testen gegenwärtig eine Flotte autonomer Autos in Israel, China, den USA und natürlich auch in Deutschland.“

BMW-Manager Elmar Frickenstein (im Gespräch mit Brian Krzanich) zum Stand der Dinge zwischen Intel und BMW: „Wir testen gegenwärtig eine Flotte autonomer Autos in Israel, China, den USA und natürlich auch in Deutschland.“ Alfred Vollmer

Auch zu der ökonomischen Seite der Mobileye-Übernahme äußerte sich der Intel-CEO. Wie er es denn geschafft habe, seinen Aufsichtsrat von der immerhin 15,3 Milliarden US-Dollar schweren Übernahme des israelischen Startups zu überzeugen, lautete eine Frage aus dem Publikum, die der extra aus den USA zum Kongress nach Ludwigsburg angereiste amerikanische Journalisten Paul Hanson stellte. Krzanich verwies auf Intels damalige Technologielücke bei Handling und Analyse großer Datenmengen und entsprechender Algorithmen und die Erkenntnis, dass „das Auto das nächste Smartphone“ sein werde. Das habe den Aufsichtsrat überzeugt, zumal die Investition nicht kurzfristig angelegt sei. „Das ist eine langfristige Geschichte“, so Krzanich. „Ihr Wert wird sich erweisen, wenn die autonomen Fahrzeuge auf Level vier und fünf in Serie verfügbar sein werden“.

 

Update, 21.6.2018: Brian Krzanich gab am 21. Juni seinen Rücktritt vom Amt des Intel-CEOs bekannt. Begründung: Er habe eine einvernehmliche Beziehung mit einer Intel-Angestellten geführt und damit gegen Unternehmensrichtlinien verstoßen.