Nicht jeder Fahrer blickt häufig genug in den Rückspiegel. Aber selbst die, die es tun, haben oft nicht viel davon. Ein enges Blickfeld, ein kaum erkennbares Bild auf vibrierenden Spiegeln, tote Winkel – die Liste von Schwachpunkten klassischer Rückspiegel ist lang.

Eine mögliche Lösung sind intelligente kameragestützte Rückspiegel. Aktuell sind diese Anwendungen noch auf Rückfahrkameras beschränkt, die beim Rückwärtsfahren ihr Bild auf das Display des Navigationsgeräts oder indirekt auf die Windschutzscheibe werfen.

Nicht immer hilft ein Blick in den Rückspiegel, da das Bild oftmals nur schwer bis gar nicht erkennbar ist.

Nicht immer hilft ein Blick in den Rückspiegel, da das Bild oftmals nur schwer bis gar nicht erkennbar ist. alubalish@gettyimages / First Sensor

Doch längst hat sich die Kameratechnik weiter entwickelt und könnte bereits in den kommenden Jahren den klassischen Rückspiegel ersetzen. Die Vorteile dieser Technik zeigen sich beispielsweise bereits am Motorrad. Die klassischen Rückspiegel am Motorrad sind klein und oft machen Vibrationen dem Fahrer das Erkennen von Details unmöglich. Tote Winkel bei Spurwechseln führen nach wie vor zu vielen Unfällen.

Nicht nur ein Bild: Warnhinweise und situationsgerechte Bildauswahl

Moderne Kameratechnik, gepaart mit intelligenter Software und Bilderkennungsalgorithmen, löst diese Probleme. So lässt sich über Bildstabilisatoren auch bei heftigen Vibrationen ein ruhiges, gut erkennbares Bild auf einem Rückspiegel wahrnehmen. Intelligente Algorithmen können den Fahrer gezielt auf potenzielle Gefahren hinweisen, wie etwa auf ein schnell auffahrendes Fahrzeug. Ein weiterer Vorteil ist der einstellbare, sehr große Bildwinkel moderner Miniaturkameras, der praktisch jeden toten Winkel eliminiert. Fahrzeuge auf der benachbarten Spur oder Fahrradfahrer auf dem Radweg lassen sich so beispielsweise erkennen, zusätzlich kann die Software beim Spurwechsel oder Abbiegen die entsprechenden Bildbereiche im Display zentrieren und vergrößern oder auch Warnungen auslösen. Ein letztes Plus sind spezielle Eigenschaften wie hohe Bildqualität bei schlechten Lichtverhältnissen sowie Anti-Flickering-Funktion zur Kompensation des 50 Hz Flimmerns von künstlicher Beleuchtung oder Ampeln.

Hersteller von Automotive-Sensorik wie First Sensor arbeiten bereits mit Tier-1 und OEMs an solchen Lösungen. Einzelne der genannten Funktionen lassen sich heute schon zuverlässig und ohne großen Aufwand implementieren. Für die Summe der Funktionen und eine entsprechend schnelle und intelligente Auswertung der Kamerasignale bedarf es aber noch Rechenkapazitäten, die sich auf einem Motorrad nicht so einfach unterbringen lassen. Kameras in Kombination mit miniaturisierten Steuergeräten (ECUs = Embedded Control Units) versprechen hier aber Lösungen, die leistungsstark genug sind, auch komplexe Bildverarbeitung und Interpretation durchzuführen.

Potenzielle Gefahren signalisiert das System über ein Head-Up-Display in der Windschutzscheibe, in Display in der Mittelkonsole oder auch Vibrationen im Lenkrad .

Potenzielle Gefahren signalisiert das System über ein Head-Up-Display in der Windschutzscheibe, in Display in der Mittelkonsole oder auch Vibrationen im Lenkrad. metamorworks@Shutterstock / First Sensor

Intelligente, kamerabasierte Rückspiegel kommen heute schon in größeren Sonderfahrzeugen für den Bergbau, in Häfen oder in Lagern zum Einsatz. Hier sind zusätzliche Rechnermodule für die Auswertung der Kamerasignale meist leichter unterzubringen. Ein sicherer Blick bei Rückwärtsbewegungen erhöht hier die Arbeitssicherheit, beschleunigt aber auch Prozesse und macht damit die Anschaffung solcher Systeme lohnender. Bei besonders großen Fahrzeugen können mehrere Kameras das gesamte Umfeld des Fahrzeugs erfassen. Abhängig von der Fahrtrichtung, Lenkeinschlag und Geschwindigkeit werden dann nur die jeweilig maßgeblichen Bilder auf dem Display dargestellt. Durch entsprechende Software und die Anbindung an die Fahrzeugelektronik unterstützt, lassen sich neben der reinen Bildgebung auch Warntöne und Vibrationen im Lenkrad als Hinweise für den Fahrer nutzen. Auch ein erzwungener Stopp lässt sich implementieren, wenn der Fahrer die Warnhinweise nicht beachtet.

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