Schaffen Sie sich auf diese Weise nicht auch Konkurrenz für das eigene Sortiment?

Ein Nebeneffekt des Marktplatz-Phänomens ist, dass wir mit einigen Distributoren und Wiederverkäufern zusammenarbeiten, die dann eine Vertragsbeziehung mit unseren Kunden eingehen. . Damit bietet sich hier auch eine Chance für Distributoren, neben dem eigentlichen Geschäft den Conrad Marketplace für Kundengewinnungsmaßnahmen zu nutzen. Bei Conrad sehen wir in dem Modell den Mehrgewinn, dem Kunden relativ schnell ein millionenfaches Sortiment anbieten zu können.

Wie macht sich – neben dem Marketplace – der B-2-B-Fokus im Unternehmen bemerkbar?

Unter anderem am Vertrieb. In unserem Geschäft geht es immer noch um Menschen. Zwar bestellen viele B-2-B-Kunden auch online, aber wenn die berühmten großen DAX-Konzerne bei einem Distributor wie Conrad anklopfen, gibt es andere Erwartungshaltungen. Wir haben europaweit über Hundert Vertriebsmitarbeiter, die auf individuelle Vertragsgegebenheiten und eProcurement spezialisiert sind. In den letzten Jahren haben wir nicht nur in Online-Shops und -Funktionalitäten investiert, sondern auch in Vertriebsmitarbeiter, die die berühmten Automobilisten vor Ort besuchen. Hinzu kommen Inside Sales People, die im Innendienst tätig sind und sich als Consultant für den Kunden verstehen.  Sie sind dann zuständig, wenn es etwa heißt „Mensch, ich brauche ganz geschwind noch ein Angebot.“ oder  für komplexere Fragestellungen. Gefordert ist zudem eine permanente Optimierung der Logistikleistung. Eine Lieferzeit von 24 Stunden ist heute State of the Art, vor sechs oder sieben Jahren war Conrad einer der ersten Anbieter in Deutschland, der eine Lieferung binnen 24 Stunden gewährleisten konnte. Wir können das nach wie vor.

Es gibt immer wieder Überlegungen, dass Amazon stärker in das Elektronikgeschäft einsteigen könnte – ein potenziell starker Konkurrent. Wie sind Sie für diesen Fall aufgestellt?

Amazon betreibt sein Geschäftsmodell mit einer Konsequenz, die bewundernswert ist. Das Unternehmen hat ja bereits viele Warenbereiche erobert, in denen es auch von B-2-B-Kunden respektiert und als echte Alternative wahrgenommen wird. Letztlich muss der Kunde entscheiden, ob er zum Produkt auch einen darüber hinausgehenden Service und eine persönliche Betreuung wünscht. Hinzu kommt oft die Frage des Handlings. Bei vielen Bauelementen spielen Richtlinien wie RoHS oder REACH, Zertifizierungsangelegenheiten, das ESD-Handling und vieles mehr eine Rolle. Alle diese Themen müssen Sie als Distributor beherrschen. Ob Amazon es kann,  dazu muss sich jeder seine Meinung bilden. Ich kann nur sagen, Conrad kann’s.

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