Was heißt das konkret für OTA-Updates?

Lars Reger: Ohne OTA-Updates wird automatisiertes Fahren nicht sinnvoll möglich sein, und ohne die entsprechenden Security-Maßnahmen werden keine OTA-Aktivitäten dauerhaft möglich sein. Ein solches Update darf nur zu einem geeigneten Zeitpunkt erfolgen, und es muss auch ein Roll-Back-Mechanismus vorhanden sein, falls ein Firmware-Update nicht funktioniert hat.

Je schneller die OEMs ihre Flotte OTA-fähig machen, umso besser ist es für sie, denn über die Luftschnittstelle lassen sich nicht nur Funktionen überwachen und Daten auslesen. Wenn dann ein Update erforderlich ist, startet man keinen teuren und für das Renommee ungünstigen Rückruf, sondern man kündigt eine Produktverbesserung an und schickt die neue Software in die Fahrzeuge. Ein OEM, der dies beherrscht, wird seine Rückrufstatistik deutlich verbessern; Elon Musk von Tesla hat es uns vorgemacht, indem er den Endkunden gar nicht erst die Schmerzen eines Rückrufs bereitet. Wenn mein Fahrzeug mir am Morgen mitteilt, dass es im Hintergrund ein Update durchgeführt hat, dann ist das ok für mich, denn ich kenne es ja schon von Smartphone, Tablet und PC. Aber OTA funktioniert nur, wenn es kryptologisch entsprechend abgesichert ist.

Je mehr Menschen in große Städte ziehen, umso unattraktiver wird für viele, vor allem junge Leute ein eigenes Fahrzeug. Welche Konsequenz ergibt sich dadurch für die Elektronik im Auto?

Lars Reger: Der Trend hin zu Fahrdiensten ist da, und die dabei benutzten Fahrzeuge werden permanent im Einsatz sein, sodass sie eine ähnlich hohe Qualität aufweisen müssen wie Nutzfahrzeuge. Je stärker diese Fahrzeuge automatisiert und ohne Fahrer sein werden, umso besser werden sie auch in punkto Elektronik ausgestattet sein. Je nach gebuchtem Service schaltet das Fahrzeug die Funktionen frei: Der Ultra-Premium-Sound, die Massagefunktion im Sitz oder die Nutzung des Kofferraums sind eben genauso wie eine Möglichkeit zum Arbeiten oder Film-Schauen nur bei Buchung eines höherwertigen Service-Pakets aktiviert. Die Fluggesellschaften machen es uns schon vor: Wer den Basic-Tarif bucht, bekommt oft nicht einmal mehr ein Wasser und muss für den Koffertransport separat zahlen, wer Business Class bucht, erhält erheblich mehr. Der Automotive-Elektronik-Markt wird daher in den nächsten zehn Jahren noch mehr Spaß machen als jetzt schon.

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