Eine echte Integration der Bildverarbeitung in die Steuerung löst viele Probleme der Maschinenbauer.

Eine echte Integration der Bildverarbeitung in die Steuerung löst viele Probleme der Maschinenbauer. Redaktion (IEE

Herr Waldl, wann war eigentlich der Startschuss für das Vision-System von B&R?

Andreas Waldl: Der Startschuss für die Vision-Aktivitäten war ein spezieller Auftrag von der B&R-Geschäftsleitung an mich als Innovationsmanager: Ich sollte genau eruieren, was unseren Kunden fehlt. In meinen Gesprächen wurde ein Thema immer wieder genannt: eine präzise aber einfach einzubindende Bildverarbeitung. Damit habe ich mich die letzten fünf Jahre intensiv beschäftigt. Die erste Zeit verwendete ich darauf, die Anforderungen unserer Kunden zu spezifizieren und die Umsetzungsstrategie zu erarbeiten. Eine wichtige Frage damals war, entwickeln wir wirklich alles selbst oder können wir mit externen Partnern zusammenarbeiten?

Und wie sieht die Antwort heute aus?

Andreas Waldl: In der Kameratechnik hat sich sehr schnell rausgestellt, dass es schwierig wird, einen passenden Anbieter zu finden, der den von uns geplanten Weg einer tiefen Integration des Vision-Systems in unsere Steuerung mitgehen kann – das ist aber genau der Punkt, der für unsere Kunden kritisch ist.

Daher haben wir selbst die Kamera-Hardware entwickelt. Auch beim Licht war es nicht viel einfacher. Ursprünglich wollten wir einen Teil der Hardware von einem Partnerunternehmen beziehen, letztendlich haben wir dann doch die komplette Beleuchtung von Grund auf entwickelt, um tatsächlich die bestmögliche Integration für unsere Kunden zu ermöglichen.

Dann entwickelt und baut B&R also Kamera und Beleuchtung wirklich selbst?

Andreas Waldl: Ganz genau. Smart Camera, Smart Sensor und unsere Leuchten sind vollständige Eigenentwicklungen. Die Fertigung findet ausschließlich im B&R-Stammhaus in Eggelsberg statt.

Integrierte, echtzeitfähige Bildverarbeitung schafft ganz neue Ansätze, Maschinen zu entwickeln.

Integrierte, echtzeitfähige Bildverarbeitung schafft ganz neue Ansätze, Maschinen zu entwickeln. Redaktion IEE

War das der Grund, weshalb es nach der ersten Ankündigung auf der SPS 2017 nochmals ruhig um die Bildverarbeitung wurde?

Andreas Waldl: Nein, keinesfalls. 2017 präsentierten wir auf der SPS unser Konzept und gaben so den Startschuss, um Pilotkunden zu suchen und die technische Spezifikation kundentauglich zu vertiefen. Genau das haben wir im letzten Jahr dann gemacht und konnten auf der SPS 2018 nun unser vollständiges Produktportfolio für unsere nahtlos integrierte Bildverarbeitung – quasi das Auge der Maschine – vorstellen.

Neben Kamera und Beleuchtung ist die Bildauswertung die dritte Komponente. Hier setzen Sie auf MVTec als Partner, warum?

Andreas Waldl: Wir haben die Algorithmen aller in Frage kommenden Anbieter getestet und MVTec ist dabei als klarer Sieger hervorgegangen. Das Unternehmen hat uns mit seiner enormen technologischen Stärke überzeugt und auch das Feedback unserer Kunden war sehr positiv in Bezug auf MVTec.

Als Innovationsmanager haben Sie das Pflichtenheft der Anbieter zusammengestellt. Was fordern ihre Kunden an Funktionen?

Andreas Waldl: Die Integration ist ein ganz wesentliches Element. Unsere Kunden haben schon immer Bildverarbeitung gebraucht. Und Themen wie Industrie 4.0 und Rückverfolgbarkeit verstärken diesen Bedarf nun zusätzlich. Bietet die Bildverarbeitungslösung dann auch noch Echtzeitmöglichkeiten, über die sich Regelkreise schließen lassen, dann kommen weitere sehr interessante Möglichkeiten für unsere Kunden dazu. Dies reicht sogar bis hin zu völlig neuen Maschinenkonzepten.

Ist Ihnen deswegen die Integration in Ihr Automation Studio so wichtig?

Andreas Waldl: Die Integration der Projektierung ins Automation Studio ist natürlich wichtig, denn dadurch haben wir ein einheitliches Werkzeug für Bildverarbeitung, Steuerungs- und Antriebstechnik. Zudem stehen alle Variablen einheitlich für alle Funktionen zur Verfügung.

Das ist aber nur die halbe Miete: Mindestens genauso wichtig ist die Integration von Kamera und Licht in das Echtzeitsystem. Nur so lassen sich zum Beispiel Belichtung, Blitz und Antrieb exakt synchronisieren. Das B&R-System schafft das in einer Mikrosekunde. Damit können wir selbst schnellste Prozesse nicht nur überwachen, sondern per Bildverarbeitung auch regeln.

Benötigen Ihre Kunden Expertenwissen, um diese Präzision zu erreichen?

Andreas Waldl: Wir haben alle Funktionen so implementiert, dass sie für den Anwender einfach umzusetzen sind. Damit wird ein Großteil der Vision-Anwendungen für jeden SPS-Programmierer beherrschbar. Nur bei besonders schwierigen Rahmenbedingungen wird weiterhin Experten-Know-how notwendig sein.

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